Vor ein paar Tagen habe ich das aktuelle Album von Sammal vorgestellt. Jetzt folgen ihnen mit ihren Landsleuten Malady die nächsten aus diesem Metier. Ich seh‘ schon, das finnische Feinschmeckerlabel Svart Records wird immer mehr zur Heimat für feine Prog-Bands.

Malady kann man nämlich zweifelsfrei auch in diese Schublade stecken. Analoges Klangbild, ausgedehnte Songs, verspielt, leicht verträumt. Klingt ganz so, als hätte man den progressiven Rock – der sich aus den Psychedelic-Sound der späten 60er entwickelte – mit der Muttermilch aufgesaugt. Wie eine Mischung aus psychedelischen King Crimson, Pink Floyd oder auch weniger offensichtlichen Kapellen á la Caravan klingt das Ganze. Schön in sich ruhend und fein gleitend, aber nie langweilig, werden warme Keyboard- und Synthesizer-Teppiche gesponnen, während darüber angenehme Gitarrenmelodien und Flötentöne gleiten. Der finnische Gesang sorgt für etwas leicht „Schräges“.

Hardrock-Elemente gibt es keine. Aber das Quintett entschwebt auch nicht in dampfige Hippie-Träume, sondern klingt angenehm warm und erdverbunden, ja, regelrecht bodenständig. Gerade in der ersten Hälfte fasst man sich relativ kurz und hat Songs eingespielt, welche auch solche sind. Besonders das lässig groovige „Tiedon Kehtolaulu“ hat etwas Poppiges. Wäre da nur nicht diese große Verspieltheit… die allerdings das große Plus der Nummer ist! Schön ist auch das folgende „Etsijän Elinehto“, das zuerst fein aus den Lautsprechern perlt, mit angenehm harmonischen Gesang verwöhnt und zum Ende hin effektvoll aufbraust. Unprätentiöser, aber doch ansprechender Prog-Sound.

Doch mit „Nurja Puoli“ schießen Malady den Vogel dann vollkommen ab. Die Nummer nimmt mit 23 Minuten die komplette B-Seite (Vinyl – hier das einzig wahre Format!) für sich ein und bietet einen tollen Trip zwischen angejazztem Rock, folkig erdverbundenem Feeling und ausgelassenen Instrumentalabfahrten. Die optimale Musik um abzutauchen. Glücklicherweise klingt das nicht nach einer ausgelassenen Jam-Session, sondern wie eine echt durchdachte Komposition, die nicht langweilig wird. Ziemlich fein.

Alter Sound – frische Ideen. So könnte man vielleicht zusammenfassten, was einem auf „Toinen Toista“ geboten wird. Das haben Malady sehr schön gemacht!

Trackliste:
1. Toinen Toista
2. Laulu Sisaruksille
3. Tiedon Kehtolaulu
4. Etsijän Elinehto
5. Nurja Puoli

Malady - Toinen Toista (Svart Records, 16.03.2018)
4.2Gesamtwertung