Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann ich das erste Mal von den MADSENs gehört hatte. Es muss so ungefähr kurz nach der Veröffentlichung von „Goodbye Logik“ gewesen sein, denn damals gaben sie sich im FZW in Dortmund die Ehre.

Zwölf Jahre, vier Alben und zwei weitere gemeinsame Live-Gigs späterMADSEN habe ich nicht nur neulich gemeinsam mit dem Handwritten-Nachwuchs in Hamburg ein Interview mit den Jungs führen dürfen, nun liegt auch gerade das neue – und bereits siebte – Album der Wendländer vor mir.

„Lichtjahre“ heißt das gute Stück und alles andere als selbige sind die Jungs aus der niedersächsischen Provinz damit von den bisherigen Erfolgen entfernt – glaubt meinen Worten, die Scheibe empfiehlt sich schon nach wenigen Durchgängen als „das“ deutschsprachige Indie-Rock-Album des Jahres.

Alleine die beiden bisherigen Auskopplungen „Rückenwind“ und „Mein Erstes Lied“ zeigen wieder einmal, dass man auch im fünfzehnten Jahr seines Bandbestehens als feste Größe mit Sebastian, Sascha, Johannes und Nico rechnen kann, darf… und muss!

Apropos Herkunft, Jugend und dörfliche Idylle… mittlerweile leben nur noch Johannes und Nico im Wendland, denn Sascha hat es samt Familie nach Wien verschlagen und Sebastian vergnügt sich seit geraumer Zeit in Berlin. Aber dennoch sind sie auch weiterhin tief in der niedersächsischen Provinz verwurzelt und nutzen immer noch den gleichen Proberaum im elterlichen MADSEN-Haus, wie schon zu Beginn – nun aber genug Vorgeplänkel… mehr gibt es wie gesagt im Interview.

Anfangs leicht orientalisch angehaucht, freut man sich direkt mit dem Opener „Wenn es einfach passiert„… keine Angst, die Liebe gilt es einzufangen – dann regelt das Herz schon den Rest! Aber dann geht es auch direkt schon mit „Rückenwind“ (nachdem der Nuclear Blast-Ableger Arising Empire sich der Jungs angenommen hat, konnte man bei der Nummer kurzzeitig denken, dass hier nun der Metal Einzug bei den MADSENs gefunden hat!) weiter in die „Sommerferien“ – übrigens mein Lieblingssong auf dem neuen Album. Wie oft hat man das Gefühl ausbrechen zu müssen, all dem Stress um sich herum zu entfliehen… und genau dann erinnert man sich gerne an die Zeit zurück, wo alles noch so herrlich unkompliziert und einfach egal war!

Erinnert ihr euch eigentlich noch an euer erstes Lied? Also „Mein Erstes Lied“ war damals… – ach nee, die erste Liebe?! Ja klar, kann mich erinnern, also folgendermaßen… nee, auf die Story wird eh keiner Bock haben! Denn jetzt mal ehrlich, wer will sich schon den ganzen Tag dieses Social-Media-ich-muss-Euch-mein-ganzes-Leben-auf-die-Nase-binden-Zeugs reinziehen? Richtig, „Keiner„!

Wie ist das überhaupt, was passiert eigentlich „Wenn alles zerbricht„? Auf jeden Fall gibt es immer einen Ausweg… man ist nie ganz alleine – auch wenn man so manches Mal die ganze Nacht mit sich alleine tanzt!

Gefühlte „Lichtjahre“ ist man so manches Mal von seiner großen Liebe entfernt, aber die große Liebe verbindet und selbst Galaxien und unendliche Weiten können ihr nichts ausmachen – ihr wisst wovon ich spreche, oder?!

Ein paar Runden“ bzw. Alben werden wir uns MADSEN auf jeden Fall noch gönnen, denn die Vier haben immer wieder einiges gehaltvolles zu sagen – wer nämlich wie die Wendländer mit offenen Augen durch`s Leben geht, der kann nicht drum herum sich über diese schwierigen Zeiten Gedanken zu machen und eine ehrliche Meinung zu vertreten, die den stumpfen und engstirnigen Parolen einiger Zeitgenossen entgegen stehen.

Wie man ein Schiff ohne Segel steuert, dass kann euch der „Kapitän“ sagen – die Nummer knallt einem voller Druck und Energie alles um die Ohren,  was die verzerrten Gitarren hergeben… abgefahren und mit Tiefgang.

Kurz bevor die Scheibe sich dem Ende zuneigt wird es dann sanft und sorgfältig, denn „Wird sie mich sehen“ ist hier die Frage – selten habe ich die Jungs so dermaßen reduziert und herunter gedimmt gehört… aber auch diese Gelassenheit steht ihnen sehr gut.

Wo mal Wüste war“ ist jetzt alles anders… was mal war, das ist vorbei! Melancholie und Tiefgang wird bei den Herren im Jahre 2018 sehr groß geschrieben – auch hier treffen sie wieder genau ins Schwarze, die Nummer setzt einen gekonnten Treffer… mitten in die Zwölf und sogar mitten ins Herz.

Für mich ist „LICHTJAHRE“ das bisher beste MADSEN-Album und man merkt den Jungs an, dass sie sich bei der Produktion der Scheibe keinen Druck gemacht haben und genügend Zeit hatte um hier richtig geil abzuliefern – hier ist also quasi ‚die Perfektion‘ entstanden, mit welcher die Vier weiter ‚Geschichte‘ schreiben werden.

Ach so, kurz noch etwas zum Schluss… in der Fanbox wird es sogar kulinarisch, denn dort haben die Jungs ihre zweite Auflage des MADSEN-Kochbuches für euch dabei – na dann Mahlzeit 🍽️!

 

Titel:
1. Wenn es einfach passiert
2. Rückenwind
3. Sommerferien
4. Mein erstes Lied
5. Keiner
6. Wenn alles zerbricht
7. Ich tanze mit mir allein
8. Lichtjahre
9. Ein paar Runden
10. Athlet
11. Kapitän
12. Wird sie mich sehen
13. Wo mal Wüste war

Titelfoto: Dennis Dirksen

… und hier noch schnell die MADSEN-Tourdaten:
14.06.2018 Trier – Porta Hoch 3
23.06.2018 Scheeßel – Hurricane Festival
24.06.2018 Neuhausen ob Eck – Southside Festival
28.-30.07.2018 Viersen – Eier mit Speck Festival
17.-19.08.2018 Großpösna – Highfield Festival
17.-18.08.2018 Georgsmarienhütte – Hütte rockt Festival
25.08.2018 Wolfshagen – Rock am Beckenrand
16.11.2018 Hannover – Capitol
17.11.2018 Köln – Live Music Hall
23.11.2018 München – Tonhalle
24.11.2018 Stuttgart – Theaterhaus
30.11.2018 Leipzig – Werk 2
01.12.2018 Wiesbaden – Schlachthof
07.12.2018 Saarbrücken – Garage
08.12.2018 Bremen – Pier 2
14.12.2018 Berlin – Columbiahalle
15.12.2018 Hamburg – Mehr! Theater
21.12.2018 Lingen – Emslandarena

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MADSEN - Lichtjahre (Arising Empire/Warner, 15.06.2018)
5.0Gesamtwertung