Was soll man über die Entwicklung einer Band schreiben, die es schon lange gibt seit (seit 1997, es wurden fünf Alben und zwei EPs veröffentlicht), man die Truppe aber gar nicht kennt? Tja, auch einem Musikschreiberling kann nicht alles geläufig sein. Das geb‘ ich mal offen zu. Deshalb hier eine ganz unbefangene Review über „Red In Tooth And Claw“, das neue Album der Norweger Madder Mortem.

Und meine Fresse, das ist ein ganz schön intensiver Trip! Metal ist das hier schon noch. Harte Gitarren, teils ziemlich modern und heavy gespielt und treibende Rhythmen. Das Quintett ist aber eher im progressiven Lager zu Hause. Wobei die Songs an sich doch recht straight sind, obwohl sie ständig wilde Haken schlagen und den Hörer auch mal auf die falsche Fährte locken. Musikalisch ziemlich interessant und durchdacht.

Aber groß wird das Ganze erst durch den Vortrag von Sängerin Agnete Kirkevaag. Welch intensiver Gesang! Sie schreit, wispert, leidet und kämpft. Mal ist sie Metal-Walküre oder ein Racheengel, dann wieder ein verletzliches Mädchen oder einfach die tief im Song aufgehende Erzählerin. Das kann brutal klingen, dann schon fast wieder poppig oder jazzig geschmeidig, was sich in Sachen Gesang abspielt. Emotionalität pur. Agnete degradiert ihre Bandmitglieder schon fast zu Statisten.

Dabei ist das technische Fundament äußerst dicht und spielerisch topp. Die vermeintlichen Doom-Wurzeln schimmern sehr selten durch. Meist sind die Songs ziemlich treibend, was in einer nervösen Nummer wie „Parasites“ mündet – Blastbeats inklusive. Deutlich spannender und mitreißender sind allerdings teils theatralische Songs wie „Blood On The Sand“, „Returning To The End Of The World“, „Underdogs“ oder „Pitfalls“. Abwechslungsreiche Titel, die nicht selten schon fast avantgardistisch klingen.

Diese Platte hat was, wirklich. Keinesfalls irgendwelche Trällerelsenmucke, sondern etwas für Musikfreunde, die es auch mal etwas Spezieller haben möchten!

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Trackliste:
1. Blood on the Sand
2. If I Could
3. Fallow Season
4. Pitfalls
5. All the Giants Are Dead
6. Returning to the End of the World
7. Parasites
8. Stones for Eyes
9. The Whole Where Your Heart Belongs
10. Underdogs

Madder Mortem - Red In Tooth And Claw (Dark Essence Records, 28.10.2016)
4.2Gesamtwertung