Grundsätzlich ist Lügen ja an sich nicht die „feine englische Art“, aber wenn man sich das neue Album der Dortmunder Punks – die zufälligerweise auf den gleichen Namen hören – anschaut, dann kommt man relativ schnell zu einer anderen Meinung.

2016 stürzten sich alle auf die erste EP und aufgrund der einen oder anderen Irritation während der Aufnahmen verzögerte sich die Veröffentlichung des ersten Albums „Lügen“ dann noch ein wenig – bevor es nun endlich am kommenden Freitag in die Läden kommt.

Ich bin direkt froh, dass mir das gute Stück in die Finger gefallen ist, denn schon nach dem ersten Durchhören fühle ich mich gut aufgehoben – auch, oder vielleicht besonders, weil die Texte nicht diese alltäglichen Klischee-Punk-Nummern mit stumpfen Parolen sind, sondern wieder einmal dafür sorgen, dass meine Synapsen hier besondere Arbeit bekommen.

Was wird uns geboten? Um direkt auf den Punkt zu kommen, hier wird weder gekuschelt, noch das hier Sympathisanten des Fun-Punks bedient werden – diese Liebhaber sollten sich lieber eine andere Scheibe besorgen!

Sozialkritischer und politischer Punk mit wenig Platz für Interpretationen – genau das Richtige für diese trübe und verstörende Zeit, in welcher den neuen stumpfen Führern immer mehr Glauben geschenkt wird… alles schön rotzig, aggressiv und in klassischer Deutschpunk-Manier.

Aber auch die aufflammenden Hardcore-Sounds haben hier ihre Berechtigung – wie heißt das doch heute so schön?… „Post-Punk“, oder?! All das macht „Lügen“ trotz der teilweise schrägen Gesangs-Melodien zu einer gelungen und runden Sache. Was so klingt, als würde Sängerin Ursula die Texte wahllos über die treibenden Beats jagen, hat durchaus System und ist laut Beipackzettel definitiv gewollt.

„Ein bisschen Ruhe, etwas Frieden tut uns allen Mal ganz gut…!“

Kurz zusammengefasst, „Die Sitzenbleiberin“ macht einen „Spießerrutenlauf“ und wünscht sich einfach nur „Ein bisschen Frieden“, auch wenn man eigentlich „Ein Leben lang(t)“ vor selbigem „Kapitulieren“ möchte – denn „Was Hans nicht lernt“ lernt Hans nimmer mehr…

… und „Angst macht Lärm“, klar – aber den dumpfen Parolen der Rattenfänger auf den Straßen werden wir sowieso nie Glauben schenken, denn wie sang Tigeryouth schon bei seinem Song „Lauter„… „WIR WERDEN IMMER LAUTER SEIN!“

Ich würde Lügen, wenn ich behaupte dass die Scheibe jedem gefallen wird, aber mit mir haben die Dortmunder schon mal einen interessierten Abnehmer gefunden!

 

Lügen

Titel:
1. Die Sitzenbleiberin
2. Spießerrutenlauf
3. Ein bisschen Frieden
4. Ein Leben lang(t)
5. Kapitulieren
6. Was Hans nicht lernt
7. Angst macht Lärm

 

Bock auf Lügen live? Hier geht das…

25.01.18 Leipzig – Atari
26.01.18 Berlin – Köpi
27.01.18 Hamburg – Flora
09.03.18 Köln – Limes
10.03.18 Wiesbaden – Kreativfabrik

BANDCAMPFACEBOOK

Lügen - Lügen (Twisted Chords/Broken Silence/Sonic Rendezvous/finetunes, 19.01.2018)
4.0Gesamtwertung