Am Freitag erscheint endlich das lange erwartete Debüt-Album von Lirr und auch wenn ich mich mit Superlativen in der Regel zurückhalte, so ist den Flensburgern mit „god`s on our side; welcome to the jungle“ ein absolutes Brett und der Anwärter auf das Post-Hardcore Album des Jahres gelungen – mal so ganz untertrieben dahin philosophiert!

Fangen sie doch bei „This House is clean, Baby (This House is clean)“ mit einer wunderschönen Gitarren-Melodie an, die mich an die 90iger erinnert und sich irgendwo zwischen Dinosaur Jr. oder den Stone Temple Pilots bewegt, so gibt es nach gut dreißig Sekunden den wohl verdienten Schlag in die geschundene Magengegend!

Okay, die Jungs von Lirr machen keine Gefangenen, verstanden! Hier sitzt jeder Ton, hier trifft alles zu was man sich in den letzten Monaten über den Geheimtipp aus dem hohen Norden der Republik erzählt hatte – diese Band hat das Prädikat „wertvoll“ für mich schon vor dem Hören des zweiten Songs verdient!

Aber weiter im Text… beinahe besänftigend ruhig fesselt einen die nächste Nummer „Jungle, Pt. 1“, bevor einen „Jungle, Pt. 2“ dann brutal brachial gefangen nimmt und man alle Not hat, der Wucht entgegen zu wirken, die der Song verursacht – selten bin ich in letzter Zeit so an die Wand gedrückt worden!

Wieder raus aus dem Dschungel wird es mit „Sour, Pt.1“ und „Pt. 2“ auf einmal richtig soulig und man fühlt sich wie in einer riesigen Blase, die Sicherheit und Entspannung vermittelt – und Ruhe… vielleicht ja die Ruhe vor dem Sturm?!

Denn mit dem darauf folgenden „Grow“ wird es experimentell, die ausschweifenden Synthie-Sounds setzen sich ebenso komplett in den Hirnwänden fest wie das elektronische Schlagzeug… der einsetzende Gesang krönt das Ganze dann auf seine eigene, zerstörerische Art und Weise.

Würde ich der Darbietung zwar eigentlich gerne weiter folgen, bin ich doch recht froh, dass mit „MTV“ eine coole Surfrock-Nummer anschließt – denn schließlich braucht mein angekratztes Hirn eine kurze Regenerationsphase.

Gut so, denn „Down“ zieht einen in den Abgrund… mit Vollgas und ohne Vorwarnung werde ich nämlich mit diesem wunderbaren Stück Krach überrascht und frage mich sofort, wie viele Spuren bei dieser geilen Abriss-Nummer übereinander gelegt worden sein müssen. Vielleicht bin ich aber mittlerweile einfach auch nur kaputt gegangen?! Ich sage es immer wieder gerne, „mein Kopf ist ein brutaler Ort“!

Glücklicherweise haben Lirr ihre Songs so auf dem Album positioniert, dass man sich selbst immer wieder ein wenig herunter bekommt und so bereite ich mich mit dem liebenswürdigen „Chicago, Pt. 1“ langsam auf das Ende der Scheibe vor – aber nicht ohne danach mit „Chicago, Pt. 1“ noch einmal ordentlich verprügelt zu werden… vielen Dank Jungs, das hätte ich mir eigentlich denken können!

Lirr setzen da an, wo This April Scenery vielleicht irgendwann mal angekommen wären – hätten sie sich nicht leider in diesem Mai aufgelöst! Mit „god`s on our side; welcome to the jungle” ist ihnen jedenfalls ein beeindruckendes Debüt gelungen und es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn die Flensburger in den nächsten Jahren nicht die Riege der deutschen Post-Hardcore Bands mit anführen werden!

Selten habe ich in letzter Zeit so ein vielseitiges und abwechslungsreiches Album gehört – wer hier nicht zugreift gehört in die Anstalt… und wer das Album kauft landet garantiert unweigerlich irgendwann mal dort! 😉

 

Titel:
This House is clean, Baby (This House is clean)
Jungle, Pt. 1
Jungle, Pt. 2
Sour, Pt. 1
Sour, Pt. 2
Grow
MTV
Down
Chicago, Pt. 1
Chicago, Pt. 2

 

LIRR – Live 2017
08.09. Flensburg, Volksbad (Release Show)
04.10. Hamburg, Kleiner Donner
05.10. Leipzig, 4rooms
06.10. Freiburg, White Rabbit
07.10. Marburg, Trauma
08.10. Münster, Baracke
11.10. Köln, Tsunami
12.10. Berlin, Badehaus
13.10. Jena, Baracke
14.10. Darmstadt, Oettinger Villa

Foto: Andreas Hornoff

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Lirr – god`s on our side; welcome to the jungle (Grand Hotel van Cleef/Indigo, 08.09.2017)
5.0Gesamtwertung