Die aus Lima, Peru, stammende Band Liquidarlo Celuloide legt mit „Anamnesis“ ihr inzwischen neuntes Album seit 2004 vor. Live haben sie unter anderem auch schon mit Killing Joke und Acid Mothers Temple auf der Bühne gestanden. Und das macht, insbesondere mit Blick auf die erstgenannte Band, auch Sinn.

Denn gleich beim Start in das Album hämmern die Drums Killing-Joke-ähnlich vorwärts, da werden keine Gefangenen gemacht. Ebenso der Gesang, wenn auch nicht in Englisch und weiter nach hinten gemischt, erinnert sofort an Mr. Coleman. Allerdings schrammeln die Gitarren einen eher psychedelischen Stoner-Sound in das krachige Soundbild. Die Keyboards geben einige unterstützende, ebenso psychedelische, aber kaum auffallende Sounds vor und machen den straighten und effektiven achtminütigen Stonerrocker perfekt.

“Salva“ klingt dann auf Grund der klar gespielten, perlenden Gitarrenklänge ganz anders. Hier pumpt mehr der Bass nach vorn, im Hintergrund wabert es schön vor sich hin und die Gitarre gibt den kühlen Westcoastpop. Im Refrain bricht dann eine dunkel-harmonische Melange aus Keyboard und Gitarre über den Hörer hinein. Der Gesang ist weiterhin dreckig, aber nicht mehr ganz so aggressiv wie im Eröffnungsstück. Mit “Erupción“ beendet das kürzeste Stück die erste Seite. Hier geht es etwas dunkler zu, auch wenn die Drums nun wieder unheilvoll nach vorne Peitschen. Die Gitarren sind rockig, psychedelisch und dreckig.

“Perversión“ erinnert dann mit seiner Melange aus Crossover, Punk und scheppernden Rock wieder direkt an Killing Joke. Auch die eruptiven Refrain-Ausbrüche knallen ebenso finster wie brachial rein. So ist es nur folgerichtig, dass hier Mr. Coleman als Gastsänger fungiert. Der Knaller würde auf einem Joke-Album nicht als Fremdkörper auffallen. “Liuvia Negra“ scheppert und schrammelt dann schön mit hymnischen Keyboards im Refrain vor sich hin, elektronische Sounds umkreisen die aggressiven Gitarren und der Sound verschmilzt zu einem treibenden Sound mit „voll auf die 12“-Charakter.

Abgeschlossen wird mit dem zehn Minuten langem „Bajo el rio de nèon“. Hier packt die Band dann einen völlig anderen Sound aus. Dub-/Reggae-Sound (da hör ich doch den Youth tappsen) erklingt. Langsam arbeiten sich mehr Sounds in den Sound ein und der Gesang, der nun auch nicht mehr aggressiv ist, wird schön retromäßig mit Echo versehen. Viele psychedelische Geräusche mischen sich in den straighten Dubsound.

Was für ein Knalleralbum. Natürlich kann man den Jungs vorwerfen, nicht sonderlich innovativ vorzugehen. Das wollen sie vermutlich auch nicht, denn mit ihrem dreckigen Sound legen sie ein kurzweiliges, überwiegend brachiales und nimmer mitreißendes Gemisch aus Crossover-/Psychedelic-Stoner und eben Dubsounds vor, die einfach nur Spaß macht.

 

Trackliste:

  1. Asfixia
  2. Saliva
  3. Erupción
  4. Perversión
  5. Liuvia Negra
  6. Bajo el rio de nèon

 

 

Review von Gastautor WOLFGANG KABSCH

 

Liquidarlo Celuloide - Anamnesis (Buh Records, 05.05.2020)
4.5Gesamtwertung