Lindy-Fay Hella ist Sängerin des norwegischen, düsteren Folkprojekts Wardruna und hat mit „Seafarer“ kürzlich ihr erstes Soloalbum beim deutschen Spezialitätenlabel Ván Records veröffentlicht.

Stilistisch ist die Platte dabei gar nicht so weit weg von dem, was sie mit ihrer Hauptband auf die Beine stellt. Und doch ist sie komplett anders – mehr Enya als Nordmännisches. Vor allem steht auf „Seafarer“ Hellas Stimme voll und ganz im Vordergrund. Der Gesang ist ätherisch, oftmals lautmalerisch, um die Stimmung einer Anderswelt im den Kopf des Hörers zu erzeugen. Hier und da ergänzt durch leichte Perkussionen, Programmings, Tastentöne und auch akustischen Instrumenten ergibt sich eine besondere Atmosphäre, welche sich gar nicht so leicht umschreiben lässt.

Zwischen richtigen Songs und weiten Ambientflächen ist es auf „Seafarer“ nur ein kleiner Schritt. Besonders die beiden Stücke „Nåke Du Finn I Skogen“ und „Horizon“ beweisen dies. Denn beide basieren auf derselben Melodie, klingen aber komplett unterschiedlich. Faszinierend, würde Mr. Spock in diesem Fall sagen. Die Musik ist auch gar nicht so leicht zu fassen. Manchmal klingt die Sängerin angenehm verzaubernd wie die junge Kate Bush („Two Suns“), dann wieder komplett der Welt entrückt („Mars“). Um etwas leichter ins Album zu finden, eignet sich das etwas folkiger klingende „Bottle Of Sorrow“. Mehr fürs Album steht allerdings der Titeltrack, für welchen ein Videoclip gedreht wurde (siehe unten).

Ich gebe es zu, „Seafarer“ hat mich auf der einen Seite fasziniert, auf der anderen aber auch verwirrt. Man muss sich einfach darauf einlassen können. Das Gebotene langweilig zu finden ist nämlich nur allzu einfach.

Abzulegen im Fach „Feen & Heavenly Voices“.

 

Trackliste:
1. Seafarer
2. Two Suns
3. Skåddo
4. Bottle Of Sorrow
5. Nåke Du Finn I Skogen
6. Mars
7. Three Standing Stones
8. Tilarids
9. Horizon

 

Lindy-Fay Hella - Seafarer (Ván Records, 20.09.2019)
3.7Gesamtwertung