Leto – Leben und tot (Rookie Records/Indigo/The Orchard, 17.11.2023)

Nachdem die Jungs von Leto schon 2018 “Vor die Hunde” gegangen sind und sie zwei Jahre später das “Wider” bemüht hatten um über das Leben zu sinnieren, geht es jetzt mit der Frage nach dem “Leben und tot” weiter.

Live sind mir die sympathischen Hamburger bereits einige Male erschienen, zuletzt beim “Heimat-Festival” und beim “Wir sind Lauter” Festival 2018 im Kliemannsland.

Irgendwo zwischen den sanfteren Turbostaat-Nummern, Love A (deren Frontmann Jörkk beim Song “Kammerflimmern” sogar mitwirken durfte), oder auch den Saarländern von Pascow bewegten sich Leto bisher immer zielgenau auf dem Weg durch den Emo-Punk. Nun aber machen sie einen guten Sprung über den Tellerrand, ab in Richtung “lass uns Mal ordentlich Alarm machen und die Fresse richtig aufreißen!” – oder anders gesagt, eine gute Portion Post-Hardcore hat Einzug in den Proberaum genommen.

Selbstreflektiert geht es ans Werk, was Songs wie “Infarkt“, “31 Fehler” oder “Süchtig nach allem” gut beschreibt – ging es in den vorherigen Veröffentlichungen gerne nach außen, so beschäftigt man sich auf “Leben und tot” ebenso gerne auch einmal mit sich selbst – nimmt man noch “Pronomina” und “Der rote Baron” ins Boot, dann hat man hier ein ganz persönliches Leto-Album vor sich liegen. Apropos rot, überhaupt ist die Farbe Rot aktuell sehr stark vertreten bei den Hamburger Jungs.

Vielleicht ist das auch ein farbliches Zeichen dafür, dass die Vier auch gekonnt die Finger in die Wunden der Gesellschaft legen, die mal mehr/mal weniger unfähig den ganzen Driss um uns herum noch einen guten Meter weiter in den Abgrund tritt und das Ende näher zu sein scheint, als wir alle wahr haben wollen?!

Machen wir uns nichts vor, das Klima ist im Arsch, nicht nur in “Ostfriesland” und die soziale Schere geht immer weiter auseinander, denn “Bei Jobs, die man nicht erklären kann, fließt das Geld entlang” – da lohnt es auch nicht, lange um den heißen Brei herum zu reden. Denn alles ist endlich und wenn man von einer tödlichen Krankheit heimgesucht wird, dann weiß man nicht, ob es noch “Sechs” Mal funktioniert, so stark zu sein – die Nummer ist in seiner Form übrigens exterm berührend und macht mich nachdenklich. Ganz groß Jungs! Final wird dann noch zielsicher mit den Ewig-Gestrigen und konservativ Zurückgebliebenen abgerechnet, hört “Blackbox Lost” und ihr wisst was ich meine.

„Leben und tot“ beschreibt die Angst und Verletzlichkeit in der heutigen Zeit – ruppig, hart und durchgehend energiegeladen schippern Leto durch die 11 Songs. Gesanglich wird hier ordentlich auf die Kacke gehauen… aber wer sanft will, der kaufe sich doch einfach die neuste Kuschelrock-CD 😉

Freunde von Fjort, Lygo oder Heißkalt werden hier ihre wahre Freude haben – wahrscheinlich bin ich auch deshalb so angetan vom “Leben und Tot”!

 

Titel:
1. Süchtig nach allem
2. Der tote Baron
3. Pronomina
4. 31 Fehler
5. Wandsbek bei Regen
6. Sechs
7. Bei Jobs, die man nicht erklären kann, fließt das Geld entlang
8. Alles ist Resonanz
9. Ostfriesland
10. Blackbox lost
11. Infarkt

 

Live:
02.12.23 Kiel, Schaubude
08.12.23 Bonn, Bla
26.01.24 Wilhelmshaven, Kling Klang
27.01.24 Hannover, Stumpf
01.02.24 Jena, Café Wagner
03.02.24 Husum, Speicher
17.02.24 Oberhausen, Druckluft

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4.5