Nachdem es Bandboss Daniel Leopold mit seiner Folk-Combo Cowboy And Indian harmonisch angehen lässt, wird jetzt wieder die verzerrte Klampfe ausgepackt. „Darling Destroyer“ ist das vierte Album von Leopold And His Fiction, der zweiten Band des gebürtigen Detroiters.

Die Band bietet knarzenden Garage Rock im Fahrwasser der White Stripes mit bluesiger Breitseite. Klingt irgendwie retro und so ein paar Einflüsse von Soul- und Motown-Mucke sind ebenfalls zu spüren. Während man beim knackigen, eingängigen Opener „Cowboy“ noch denkt, das sei ein klares Ding – fuzzy Grundriff, nach vorne schiebender Rhythmus, ausgelassene Stimmung -, merkt man recht bald, dass hier noch mehr geht.

Bluesiger Boogie mit leicht psychigen Harmonien („I’m Caving in“)? Ne folkige Ballade („Who Am I“)? Ein gemütlicher, im Abgang melodischer Schieber („Better Off Alone“)? Eine Reminiszenz an die ruhige Seite von Led Zeppelin („Ride“)? Oder einfach lässig nach vorne scheppernd („It’s How I Feel“)? Alles irgendwo drin in diesem Ding, was „Darling Destroyer“ zu einem recht abwechslungsreichen Album macht.

Für Kurzweil ist auf jeden Fall gesorgt, das muss man schon sagen. Doch so richtig packt es einen doch nicht ganz. Vielleicht liegt es an der irgendwie etwas distanzierten Art? Wie auch immer, solange Jack White nicht wieder mit vernünftiger Musik um die Ecke kommt, ist Leopold And His Fiction mehr als nur eine passable Ersatzdroge.

Trackliste:
1. Cowboy
2. It’s How I Feel (Free)
3. I’m Caving In
4. Waves (Golden)
5. Ride
6. Saturday
7. Better Off Alone
8. Who Am I
9. Flowers
10. If You Gotta Go, Go Now

Leopold And His Fiction - Darling Destroyer (ILA/Native Fiction, 27.01.2017)
3.5Gesamtwertung