Dieses Review, liebe Leute, wird nicht einfach. Ich habe wochenlang überlegt ob ich das Album auf handwritten bespreche oder nicht. Ich stehe schon seit langer Zeit auf die Stimme von Songwriterin Lea. Aber das mit diesem Album ein lupenreines Pop-Album auf uns zukommt, war klar. Ich habe keine Berührungsängste in Sachen Pop. Aber ich habe Berührungsängste vor Songs die von einem Mark Forster produziert wurden, da dieser Typ mir zwar nicht persönlich bekannt ist, aber man sich eine Meinung bildet. Eine Meinung die auch auf Erfahrungen von anderen Schreibern beruht. Ich erinnere da nur an das Interview bezüglich seiner nicht selbst geschriebenen Songs, was dann am Ende radikal gestrichen wurde, da es so unbequeme Fragen an Board hatte. Das nervt und steht für so ziemlich alles, was ich am Pop nicht mag.

Auf der anderen Seite mag ich nicht nur die Stimme von Lea. Ich mag Aussagen wie, dass sie immer Indie sein wollte, aber selbst musikalisch einfach freier ist, seit sie sich auf den Pop eingelassen hat. Das ist ehrlich und wenn wir mal unsere Teenie-Attitüde „Das ist gar nicht Indie! Kommerz!“ abgelegt haben, gibt es im guten Pop viel zu entdecken. Auch da gibt es gute handgemachte Musik, die nicht immer mit Jogginghosen und Hipstergedöns zu tun haben muss.

Kommen wir nun also zu Lea und ihren Songs. Meine Tochter hat „Leiser“ zu unserem gemeinsamen Nenner erklärt. Diesen Song den jeder kennt, ob er ihn mag oder nicht. Wir mögen ihn. Mutter, Vater, Kind. Alles singt mit. Das passiert selten. Smilla ruft mir also von hinten „Papa, 5 von 5 Sternen“ zu und ich antworte „Du bist 5! Ruhe!“ Eingängige Melodien und einen Herzschmerz in der Stimme, der wenig anstrengend wirkt. Lea hat eine Farbe in ihrer Stimme die unglaublich erdig klingt.

Als Fan ihrer Stimme sind mir die Songs leider alle zuviel. Zuviel hipsteraffine Elektrobauteile, die man so schon zu oft gehört hat. Natürlich ist das Album fett produziert, aber genau das ist mein Problem. Mir ist bewusst, dass sich mit dem Erfolg auch die Zielgruppe geändert hat, aber eine Lea in akustisch ist mir einfach lieber, weil man viel mehr hat am Ende.

 

 

Es geht am Ende in dieser Review eigentlich viel zu wenig um das Album. Es geht um Geschmack. Wie immer bei Musik. Und das ist so mein Problem. Zur Musik kann ich nicht viel sagen, weil sie so austauschbar ist. Die Seite am Pop, die mir nicht gefällt. Nicht aber die Stimme und die Texte. Also liebe Lea, ich mag dich und deine Musik. Ich glaube, dass du mit diesem Album mehr als erfolgreich sein wirst. Was ich darüber darüber denke ist sowieso Wurst. Aber ich glaube wir sehen uns mit deinen Songs, einer Cola und einer Akustikgitarre irgendwann nochmal in einer kleinen Bar oder am Strand zu einem Konzert. Nur vor den großen Hallen mit den fett produzierten Pop-Songs werde ich irgendwann vielleicht meine Tochter absetzen und auf dem Parkplatz warten.

 

 

  1. Landebahn
  2. Zu Dir
  3. Blicke
  4. Halb So Viel
  5. Zwischen meinen Zeilen
  6. Heimweh nach Wir
  7. Lieber Allein
  8. Fahrtwind
  9. Wunderkerzenmensch
  10. Leiser
  11. Applaus
  12. Klavier
  13. Immer wenn wir uns sehen

 

 

Lea - Zwischen meinen Zeilen (Four Music, 14.09.2018)
3.5Gesamtwertung