Laurent Saïet – After The Wave (Trace, 19.06.2021)

Der französische Multiinstrumentalist Laurent Saïet arbeitet meistens komplett alleine, für sein neues, inzwischen achtes Album „After The Wave“ hat er sich jedoch mit einem illustren Kreis an Musikern der Alternativeszene umgeben. Dazu ist zu sagen, dass „After The Wave“ bereits vor Beginn der Pandemie begonnen wurde, letztlich aber deutlich davon beeinflusst und inspiriert wurde.

Laurent Saïet nahm seine Stücke quasi komplett mit seinem großem Instrumentarium auf und schickte die Bänder dann an Edward Ka-Spel (Legendary Pink Dots) der zu zwei Stücken Texte schrieb und diese dann auch einsang, Paul Percheron (Stamp), der Schlagzeug zu den meisten Stücken spielte, Ben Ritter (Begin Says), der Gesang und Klarinette beisteuerte, Quentin Rollet (Nurse With Wound) addierte Gesang und Klarinette und zu guter Letzt gab auch noch Thierry Müller (Itch, Ruth) der Synthesizer und Gitarre hinzu. Das Ergebnis ist eine wundervolle Mischung aus dunklem Ambient, Dark Wave, elektroakustischer Musik mit Postrock, Jazz und Freejazz-Einlagen.

Eröffnet von dem von Edward Ka-Spel gesungenem „Bypass“ das ein typischer melancholischer Elektrwave-Song ist, wie er auch auf jedes Ka-Spel Album passen würde, folgt das verquere Elektro-Jazz-Monster „The first Wave“ das mich wunderbar an Tuxedomoon erinnert. Dieser Vergleich passt durchaus öfter bei diesem Album. Es folgt eine ambiehte Soundlandschaft durchzogen von südamerikanischer Perkussion. Das bombastische „The second Wave“ ist großartiger elektronischer Dark Wave, durchzogen von ambienten Klängen, tollen Beats und einer packenden E-Gitarre.

Auf „Lost on the Highway“ setzt dann ein stoisches Postrock-Schlagzeug ein und wird dann von dunklen Ambientsounds dominiert. Kalte elektronische Klänge verbinden sich mit dunklem Bass und melancholischen Wavemelodien. „Hell Ride“ rockt dann mit treibendem Schlagzeug und einer feinen Rockgitarre. Überzogen wird der Song von dunklen Soundlandschaften mit feinen dunklen psychedelischen Anklängen. Psychedelisch dunkle Elektrosounds tauchen auch in „Solar Eclipse“ auf, dominiert von den schön schwurbelnden Mellotron-Sounds. In diese passt sich die Klarinette wunderbar ein und die später einsetzende Perkussion macht auch dieses dunkle Stück zusammen mit den klasse Bassparts sehr eingängig und beeindruckend.

„The Third Wave“ setzt dann auf perlende Gitarrenklänge, angetrieben von einer Mantra-ähnlichen Perkussion. Dunkle Ambientsounds und psychedelische Elektronik machen diese letzte Welle zu einem Strudel. Das zweite von Edward Ka-Spel gesungene Stück würde wiederum auf jedes seiner eigenen Alben oder eines seiner Projekte passen, aber das ist eigentlich immer so. Dieses Mal ist es jedoch ein fast gänzlich nichtelektronisches Stück, geführt von einem jazzigen Bass, plus ein ebensolches Schlagzeug, einer coolen, perlenden Gitarre und elektronisch erzeugten Streichern. Die sensationelle Klarinette setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Abschließend gibt es mit dem über sieben Minuten langen Titelstück noch ein stimmungsvolles Finale.

Es bleibt mir bei diesem Knüller-Album nur die Höchstnote zugeben. Hier wird nichts wirklich neu erfunden, aber so spannend und erfrischend mit unterschiedlichen Stilen gespielt, dass ein einfach nur grandioses Album entsteht. Mit vielen experimentellen Klängen durchsetzt, gelingt es dem Album trotzdem von der ersten bis zur letzten Note eingängig und spannend zu sein. Wer erst einmal in die Klänge geglitten ist, wird hier keinen Song skippen.

Ganz starkes Album mit hohem Potenzial für mein Album des Jahres 2021!

 

Trackliste:
1. Bypass (feat. Edward Ka-Spel)
2. The first wave
3. Lunar Eclipse
4. Mambo of the 21st Century
5. The second wave
6. Lost on the highway (feat. Ben Ritter)
7. Hell Ride
8. Solar Eclipse
9. The third wave
10. From the rocks (feat. Edward Ka-Spel)
11. After the wave

 

Review von Gastautor WOLFGANG KABSCH

 

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