Die Franzosen von Last Train haben trotz ihres jugendlichen Alters in den letzten drei Jahren eine unfassbare Entwicklung durchgemacht. 350 Konzerte in Frankreich, Asien und den Vereinigten Staaten sprechen eine deutliche Sprache. Umso größer war der innere Knall beim Ziehen der Notbremse 2018. Man konnte sich für wichtige Dinge, für schöne Dinge und vor allem für die Musik Zeit nehmen. Raus kam dabei mit „The Big Picture“ ein großes Stück leidenschaftliche Rockmusik!

Mich persönlich haben die ersten Berührungspunkte mit Last Train an die glorreichen Zeiten von Silverchair und Co. erinnert. Allerdings mit mehr Experimenten und weniger Beliebigkeit. Schon das Video zu dem großartigen „Disappointed“ hat gezeigt, dass wir es hier mit einem Rockalbum zu tun bekommen. Ohne richtig greifbar für Vergleiche und Schubladen zu sein und vor allem ohne das zu wollen. Verzweifelter Gesang, der an beste Grungezeiten erinnert und Gitarren die dir die Haare automatisch bis zum Hintern wachsen lassen.

 

 

Und so zieht es sich durch das gesamte Album. Eine verzweifelte Leidenschaft, die gelegentlich Platz für ein kleines Tänzchen auf den Indie-Partys dieser Welt lassen wollen und das auch grandios schaffen, wie z.B. in „I Only Bet On Myself“.

Im melancholisch startenden „The Idea of Someone“ können wir uns anhören, wie gut ein Songaufbau funktionieren kann. Das langsam und eher träge erste Drittel steigert sich ganz langsam und unaufhaltsam zu einem Orkan, der im letzten Drittel dann unter dröhnenden Gitarren eskaliert. Großes Kino!

Später meinen wir dann ein Schema erkennen zu können, werden aber mit „Tired since 1994“ eines besseren belehrt. Denn hier wird aus dem ruhigen Rocksong plötzlich eine Art Filmmusik, was großartig neu ist, mich aber musikalisch irgendwie nicht mitnimmt. Ist aber auch nicht schlimm, denn alles ist besser als das Erwartete.

Aber keine Sorge. Direkt mit „Right were we belong“ geht es mit einem saustarken Rocksong weiter, der mich auch sofort wieder an früher erinnert, ohne angestaubt zu wirken. Und ich frage mich unweigerlich wo Last Train ihre Inspiration gezogen haben. Denn wir haben es hier offensichtlich mit so unterschiedlichen Einflüssen zu tun, die ihre Quelle in den klassischen Grunge-/Alternative-/Rockalben der 90er haben. Allerdings haben die jungen Franzosen ihr eigenes Ding daraus gemacht und den Sound in die Gegenwart transportiert, so dass der ewige Vergleich eigentlich gar nicht gerecht wird. So oder so haben sie ein Album gemacht, über das man reden wird. Das man hören wird. Und das man abfeiern wird. Empfehlung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. All Alone
  2. Scars
  3. On Our Knees
  4. I Only Bet On Myself
  5. The Idea of Someone
  6. Disappointed
  7. Tired Since 1994
  8. Right Were We Belong
  9. A Step Further Down
  10. The Big Picture

 

Live 2020

29.02. München, Milla

04.03. Köln, Sonic Ballroom

05.03. Hannover, Bei Chez Heinz

06.03. Hamburg, Hafenklang

07.03. Berlin, Badehaus

Last Train - The Big Picture (Radicalis Music, 13.09.2019)
4.5Gesamtwertung