Wenn Kreator ein neues Album rausbringen, steht die einheimische Metalszene natürlich Gewehr bei Fuß bereit. Denn spätestens seit ihrem quasi Comeback „Violent Revolution“ (2001) haben Mille, Ventor & Co. endgültig den Thron in Sachen teutonischem Thrash Metal erobert.

Viereinhalb Jahre sind mittlerweile vergangen seit dem letzten Album der Band. „Phantom Antichrist“ überraschte damals mit einem verstärkten Hymnenfaktor und zahlreichen doppelstimmigen Gitarrenmelodien, der so manche Passage in Richtung Power Metal drückte. Und jetzt die unerfreuliche Nachricht für die Oldschooler, die Kreator lieber so roh wie in den frühen Jahren mögen: „Gods of Violence“ geht diesen Weg unbeirrbar weiter!

Kreator schaffen allerdings spielend den so gefährlichen Spagat zwischen Aggression und Erhabenheit. Die Platte gibt sich gleichermaßen melodiös und eingängig sowie technisch. Und man verliert auch nicht das eigene Habitat – puren nach vorne hämmernden Thrash Metal – ganz aus den Augen. Der Biss ist also keineswegs verloren gegangen – weder musikalisch und erst recht nicht textlich. Gesellschaftliche Miss- und Zustände werden nach wie vor beherzt angepackt.

Aber nun zurück zur Musik. Das Intro „Apocalypticon“ eröffnet das Album ungewohnt symphonisch. Hier haben die Italiener Fleshgod Apocalype Kreator etwas unter die Arme gegriffen. Und das nicht nur einmal. Auch der eigentlich gnadenlos nach vorne preschende Opner „World War Now“ und das straighte „Satan is Real“ bekamen ein paar klassische Farbtupfer. Aber das war es noch nicht mit (außergewöhnlichen) Gastauftritten. Der schweizer Schlagerbarde Dagobert verlieh „Fallen Brother“ mit seinen schwarzromantischen Versen etwas mehr Atmosphäre.

Sieht man noch von dem einen oder anderen akustischen Intro oder dem ungewöhnlich zwischen bluesigen Soli und düsterer Goth-Kante wanderndem Abschluss „Death Becomes My Light“ ab, haben wir es hier mit einem absolut typischen Kreator-Album der neuen Schule zu tun. Das Songwriting ist ausgeklügelt, Performance und Musikalität hoch. Hinten raus wird „Gods of Violence“ vielleicht etwas gewöhnlicher, bzw. weniger mitreißend. Bis dahin hat die Band allerdings genug guten Stoff zu bieten, um sagen zu können, dass wir es hier mit dem besten Kreator-Album seit „Enemy of God“ zu tun haben. Ist das mal nix?

Verteidigung des eigenen Status‘ somit gelungen.

Trackliste:
1. Apocalypticon
2. World War Now
3. Satan Is Real
4. Totalitarian Terror
5. Gods of Violence
6. Army of Storms
7. Hail to the Hordes
8. Lion with Eagle Wings
9. Fallen Brother
10. Side by Side
11. Death Becomes My Light

Kreator - Gods of Violence (27.01.2017, Nuclear Blast)
4.3Gesamtwertung