Turbostaat haben eine neue Platte gemacht. Sie heißt „Uthlande“. Und sie ist wirklich klasse geworden. Wen wundert es daher, dass das Deutschpunkaltherrenquintett derweil einen gigantischen Ansturm auf ihre Tour verwalten muss. Die Lösung: Zusatzkonzerte.

In Hamburg wird daher nicht nur, wie ursprünglich geplant, ein Mittwochabend in der Markthalle bespielt, sondern auch der Dienstag. Und das zusammen mit anderen alten Bekannten in der Form von Captain Planet. Was für eine Kombination. Das können wir uns selbstredend nicht entgehen lassen.

Also, schnell die Sachen gepackt und gen Norden gefahren. Das Angenehme am Zusatztermin: Es ist nicht ganz so überfüllt. Platz zum Atmen, zum Tanzen, zum Genießen. Alles vorhanden. Besser kann es nicht laufen. Nur die auditive Ebene will zuerst nicht mitspielen. Captain Planet beginnen pünktlich ihr Set, haben aber zunächst einige Soundprobleme.

Ständige Rückkopplungen und ein zu leise eingestelltes Gesangsmikrofon sorgen zu Anfang des Sets für Kopfschmerzen. Die Band weiß es konsequent zu überspielen, im wahrsten Sinne des Wortes. Und diese Spielfreude zahlt sich aus, denn das Publikum geht mit. Sänger Jan Arne ist nur gesundheitlich leider etwas angeschlagen und muss mit der beeindruckend hohen Tonlage seiner Stimme kämpfen.

Hier und da muss eine Oktave tiefer genügen. Man fühlt mit, denn der Mann im alten, verwaschenen Bad Religion-Shirt wirkt geknickt. Es kann frustrierend sein einen schönen Gig spielen zu wollen, wenn die Stimmbänder nicht so wollen wie man selbst gern will. Gute Besserung an dieser Stelle, es hat trotzdem Riesenspaß gemacht und das Set sollte von alten Klassikern zu aktuellen Songs eine breite Palette Captain Planet-Liebe bereitstellen.

Dann betreten die Gastgeber des Abends die Bühne und werden inständig mit tosendem Applaus begrüßt. Die Leute haben Bock. Turbostaat scheinbar auch. So lange sind sie nun schon dabei und nichts haben sie eingebüßt von ihrer Authentizität, ihrer Spielfreude, ihrer Energie. Diese fünf teilweise sehr verschieden wirkenden Figuren auf der Bühne funktionieren gemeinsam wie eine große Emotionsmaschine.

Nur der Sound spielt auch hier Anfangs nicht ganz mit. Die Gitarren sind kaum hörbar und wieder gibt es Rückkopplungen. Ab der Hälfte des Sets löst sich das ganze aber glücklicherweise in Wohlgefallen auf. Ab hier kommt der Saal dann auch so richtig in Stimmung. Sänger Jan Windmeier kündigt an, dass die gesamte „Uthlande“-Scheibe im Laufe des Abends gespielt werde.

Sichtlich erfreut darüber, dass das Publikum schon sämtliche Texte der neuen Songs mitsingen kann wird die Frage in den Raum geworfen, ob es heimliche Textlerngruppen unter den Fans gebe. Und man muss feststellen: Die Songs der neuen Platte funktionieren live wirklich hervorragend. Hier besteht das Potential zu einer Menge Set-Favorites. Das Schöne daran die neue Platte komplett live zu hören besteht auch darin, ihre Dynamik hautnah mitzuerleben. Dazu gehört beispielsweise das herrlich entrückte Schlagzeugsolo bei „Stormi“, das die Aufmerksamkeit auch einmal auf Schlagzeuger Peter Carsten lenkt. Solche Momente lockern das Set deutlich auf und sorgen für eine abwechslungsreiche Dramaturgie.

Natürlich dürfen aber auch die vielen Hits, die die Band über die Jahre hervorgebracht hat, nicht fehlen. Egal ob ältere Schmankerl wie „18:09 Uhr. Mist. Verlaufen“ und „Schwan“ oder neuere Singles wie „Ruperts Grün“ und „Alles bleibt konfus“, der Backkatalog an hervorragenden Songs ist mittlerweile mehr als beeindruckend. Gegen Ende darf aber auch der größte Hit „Harm Rochel“ nicht fehlen. Einzig Songs wie „Die Tricks der Verlierer“ und „Haubentaucherwelpen“ vermisse ich schmerzlich. Ich schätze, sie sind für Tag 2 aufgespart worden.

Die Band wird am Ende des Sets auch für mehr als nur eine Zugabe zurück auf die Bühne zitiert. Ehrensache. Band sichtlich vergnügt und zufrieden, Publikum ebenso. Bis auf einen besoffenen, ewig stagedivenden Volltrottel ein rundum gelungener Abend. Turbostaat sind einfach eine Bank auf die immer Verlass ist. Getreu dem Grundsatz: „Kannste eigentlich immer hingehen, is nie schlecht“.