Vor ziemlich genau zehn Jahren habe ich zum ersten Mal eine meiner bis heute absoluten Lieblingsbands live gesehen. Vor ein paar Tagen durfte ich Thrice zum ersten Mal für das Handwritten anschauen. Schöner kann man eine Live-Dekade kaum begehen.

Das Quartett aus Anaheim gastiert in der Live Music Hall zu Köln. Bereits auf ihrer Comeback-Tour machte die Band hier halt und ich erinnere mich noch gut an das fantastische Gefühl, die Band nach ihrem Hiatus endlich wieder live zu erleben. Damals hatten Thrice aus der Live Music Hall ziemliches Kleinholz gemacht. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch.

Und werden nicht enttäuscht. Leider dauert der Einlass etwas lange und wir bekommen die Vorband Brutus aus Belgien nur aus den letzten Reihen mit mäßig gut abgemischtem Sound mit. Für den Hauptact können wir uns aber bessere Plätze ergattern und werden alsbald direkt mit der moshwütigen Meute des Pits konfrontiert.

Mit tosendem Applaus werden die Kalifornier auf der Bühne empfangen und beginnen ihr Set mit „Hurricane“, dem Opener des Comeback-Albums „To Be Everywhere Is To Be Nowhere“. Bis hierhin herrscht ein ruhiger Auftakt, der vereinzelt Kopfnicken hervorruft und vor allen Dingen viele glückliche, grinsende Gesichter.

Dann feuern Thrice ein drückendes Hitfeuerwerk der Oberklasse ab. Im ersten Takt von „Silhouette“ ist die Masse nicht mehr zu halten. Der Moshpit öffnet sich und wird in variierender Intensität bis zum Ende der Show bestehen. Es folgt „Of Dust And Nations“, „All The World Is Mad” sowie eine Mischung aus den Hits der „The Artist In The Ambulance“ und der „To Be Everywhere Is To Be Nowhere”. Auf dieser Kombination scheint tatsächlich der Fokus des Sets zu liegen, da es sich dabei irgendwo auch um Publikumslieblinge handelt.

Über mangelnden Fanservice können sich also eigentlich nur die ganz alten Fans der allerersten Stunde beklagen, die auf ein Stück vom Debüt „Identity Crisis“ verzichten und vom metalesquen „The Illusion Of Safety“ nur „Deadbolt“ am Ende als Zugabe geliefert bekommen. Abgesehen davon ist das Quartett aber sichtlich darum bemüht das Publikum zufrieden zu stellen. Entscheidende Hits wie „Stare At The Sun“, „The Artist In The Ambulance”, “Hold Fast Hope” oder “Black Honey” sind mit an Bord.

Das geht jedoch zu Lasten einiger Band-Highlights, die mir persönlich fehlen. Leider sind „Music Box“, „Trust“, „Beggars“, „Words In The Water“ oder “Anthology” nicht im Set enthalten. Umso mehr freue ich mich aber über „The Weight“, „In Exile“, „Firebreather“ und „Daedalus“. Im Laufe des Konzerts präsentieren Thrice natürlich auch den neuen Song „The Grey“, der mir live wesentlich besser gefällt als die Studioversion. Mehr neues Material des kommenden Albums auf Epitaph geben die Kalifornier noch nicht preis.

Mit „The Long Defeat“ verabschiedet sich die Band passend in die Verlängerung, die dann endgültig und traditionell mit „The Earth Will Shake“ beendet wird. Viele Hits waren dabei, der ein oder andere Song hat mir persönlich gefehlt, die zu erwartenden Highlights waren aber allesamt an Bord und alles in allem verlassen wir glücklich und zufrieden mit dem Rest des Publikums die Live Music Hall und sind auf den neuen Langspieler, der zwar noch dieses Jahr erscheinen wird, von dem aber noch nicht viel zu hören war, gespannt.