Konzertbericht Pascow – Z-Bau (Nürnberg, 05.07.2024)

Während sich die halbe Nation, vorzugsweise die fussballverrückte, auf den Weg nach Stuttgart oder zu irgendeinem Public Viewing macht um das EM-Viertelfinale zu schauen, kann man diesen Tag aber auch anders verbringen. Nämlich einen großen Bogen darum machen und einen wunderbaren Konzertabend als Gegenentwurf zu dem wilden Treiben zwischen Toren und VARs verleben. Pascow haben in den Nürnberger Z-Bau gerufen, um ihr Album „Sieben“ noch einmal zu betouren, bevor sie sich zurückziehen und mit den Arbeiten am Nachfolger beginnen. Mit eingeladen haben sie sich an diesem Abend die Deutschpunks von Todeskommando Atomsturm aus München.

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Zugegeben, leicht haben es Todeskommando Atomsturm an diesem Abend nicht, müssen sie doch zu Beginn ihres Sets gegen das wunderbare Sommerflair des Abends anspielen und die Leute erst einmal davon überzeugen, vom schönen Biergarten des Z-Baus in den Saal zu wechseln. Kriegen die Münchener aber hin. Die Band und allen voran Sängerin Lea zündet ihr Energiefeuerwerk von Sekunde eins an. Einige Menschen im Publikum sind bereits text- und pogosicher, bei allen anderen hinterlässt diese Band auf jeden Fall den Eindruck, das unbedingt nachholen zu müssen.

Die ersten Töne des Intros „Blueprint“ ertönen und Pascow entern die Bühne. Als ob das Publikum nur auf diesen Startschuss gewartet hat fliegen abwechselnd Bierbecher und Stagediver durch den Saal, manchmal sogar gleichzeitig. Es ist so schön zu sehen, dass die Security einen hervorragenden Job macht, die Leute wieder auf die Beine stellt und sie sich mit einem Strahlen im Gesicht wieder ins Getümmel stürzen. Das ist zu keiner Sekunde unangenehm stressig.

Die Tour steht ja unter dem Motto Pascow & Gäste, und so wurde es mitunter ganz schön voll auf der Bühne: Jenny unterstützt immer wieder am Gesang, sowohl bei den Backings als auch im Duett bei “Königreiche im Winter”. An der Geige spielt Laura und gibt Songs wie „Marie“ oder „Mailand“ noch einmal einen ganz neuen Vibe. Bei „Spraypaint the Walls“ kommt niemand Geringeres als Rodi, der ehemalige Sänger von 100 Kilo Herz, auf die Bühne, um den Song zu performen. Damit ist der Friends-Circle aber noch nicht abgeschlossen, eine Widmung an Friese, den kürzlich verstorbenen Mercher, beschließt diesen Kreis. Schön.

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Mittlerweile tropft sowohl Band als auch Publikum und Schlagzeuger Ollo hätte gerne eine „Luftpause“ – aber trotzdem geht es Vollgas weiter. Manchmal wirbeln die drei Bandmitglieder vorne so umher dass es nur haarscharf – oder gekonnt, ganz nach Sichtweise – ohne Kollision geht.

Doch einmal wird es für einen Moment ganz still. Alex weist auf das Banner „Free Hanna“ hin, das gut sichtbar rechts am Verstärker hängt und bittet Sarah von Akne Kid Joe auf die Bühne. Sie erklärt kurz den sogenannten Budapest Komplex, prangert den Skandal an, der sich gerade um Maja abspielt, die nach Ungarn ausgeliefert wurde, und dass es in Nürnberg einen ganz ähnlich gelagerten Fall um Hanna gibt. Auch an dieser Stelle: Informiert euch und helft mit, die Auslieferung zu verhindern. Um hiermit noch mal Todeskommando Atomsturm zu zitieren „Was muss passieren damit wir unsere Ärsche hoch kriegen?“

Zu „Wenn Mila schläft“ recken sich die Fäuste nach oben der Saal brüllt die Textzeilen mit. Pascow wirbeln weiter umher, schrauben sich und das Publikum gegenseitig hoch und doch läutet „Trampen nach Norden“ endgültig das Ende der Show ein. Auf dem Weg zur U-Bahn hört man nicht nur einmal ein begeistertes „Jedes Mal. Die reißen einfach jedes Mal ab.“ Stimmt. Als an der U-Bahnstation die Bahn bereits einfährt und es einen ziemlichen Sprint erfordert um in den Zug zu gelangen (NACH einem Konzert. Nicht nett. Wirklich nicht nett.) wird mit einem „sind alle drin?“ aufeinander geachtet. Besser kann man den Abend nicht ausdrücken.

Fotocredit: Mariana S. Mayer

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