Könnt ihr euch noch an die Amis von Defeater oder die Briten von Gallows erinnern? Ich frage nur, weil man ja von beiden in letzter Zeit nicht mehr ganz so viel gehört hat!

Für Fans beider Post-Hardcore-Bands und der leider mittlerweile bis auf weiteres pausierenden John Coffey gibt’s nämlich nun einen guten Pausenfüller, obwohl ich diese Bezeichnung direkt revidieren möchte. Kolari heißen die Herren, kommen aus Hamburg und müssen sich vor genannten Combos überhaupt nicht verstecken.

Aber bevor es ans Eingemachte geht, möchte ich kurz meine Begeisterung für das mir vorliegende CD-Layout teilen – nicht wissend, ob die Verkaufsversion ebenso schick über den Ladentisch gehen wird. Neben dem dezenten und ansprechenden Front-Cover ist das gute Stück auf der Rückseite nämlich mit einem Kolari-Siegel-Wachs-Abdruck versehen und verschlossen worden… mit sowas hat man mich natürlich sofort!

Aber was bringt die schönste Hülle, wenn nix gescheites drin verborgen ist?!

Hier kann ich aber gleich mal beruhigend eingreifen, die dreizehn Nummern sind durch die Bank ganz großes Tennis – wuchtig, aggressiv und mit gehörig Wumms… genau der richtige Punchingball in unerträglichen Zeiten!

Ab der ersten Sekunde geben die fünf Hamburger Vollgas, um das Ganze mal leicht untertrieben zu beschreiben – denn was Sänger Stefan einem schon beim Opener „Cupid’s Poisoned Arrow“ um die Ohren brüllt ist purer Hass… pure Aggression.

Aber nicht nur der Gesang lässt sich hören, auch Tim & Rob an den Gitarren sowie Basser Matze und Schlagzeug-Prügler Basti haben alles im Griff und lassen mich nicht merken, dass „Fear/Focus“ wirklich das Debüt-Album sein soll!

Schräge Melodiefolgen gehören ebenso zum Repertoire der Band wie Texte, die man zwar nicht immer auf Anhieb versteht, die sich aber bei genauem Hinhören ausschweifend über die Unzulänglichkeiten in der Welt auslassen.

Neben politischen Nummern wie „Rise Of The Indecent” geht es hauptsächlich um die sozialen und ökonomischen Probleme, die uns aktuell berühren und die Jungs haben einen Weg gefunden auf ihre Art und Weise damit umzugehen.

„Fear/Focus“ sind dreiundvierzig Minuten purer Zorn und Kampf – ansprechend abwechslungsreich, herrlich schnörkellos… und mit Wiedererkennungswert.

Wenn ich die Scheibe nicht schon hätte, ich würde sie mir kaufen!

Und wo wir gerade beim „wenn“ sind… ich glaube nicht nur, ich würde mich freuen, wenn wir in absehbarer Zeit einen gemeinsamen Gig von Kolari und John Coffey sehen dürften, oder? Deal?

Bis dahin schaut ihr euch Kolari einfach hier an:
18.-20.08.17 Großpösna – Highfield Festival
01.09.17 Söhlingen – E:A:O – Erntefest All Over
06.09.17 Berlin – Musik & Frieden
07.09.17 Frankfurt – Ponyhof
08.09.17 Hamburg – headCRASH Hamburg

 

Titel:
01. Cupid’s Poisoned Arrow
02. Too Big To Fail
03. Culling The Herd
04. The Anxiety Plan
05. (I) (Intro Rise)
06. Rise Of The Indecent
07. Bite & Sting
08. Mainline Your Job
09. Antimotivational
10. (II) (Intro Rant)
11. Pay The Rant
12. A Modest Proposal
13. All That Happens

Foto: Robin Helm – www.healthyandfat.com

BANDPAGE

Kolari – Fear/Focus (Sportklub Rotterdam/Indigo, 18.08.2017)
4.6Gesamtwertung