Wenig Zeit und ein Album welches sich im Gehörgang wie Beton festsetzt sind fatale Dinge im Leben eines Musikrezensenten. Beides wirkt sich darauf aus, dass sich ein kleiner Stau an noch zu besprechenden Alben bildet. Gut, dank der überragenden Leistung von 11 Männern im schwarz-weißen Trikot hat sich das mit der verfügbaren Zeit schlagartig etwas gebessert. Das mit dem festsitzenden Album wird allerdings etwas schwerer.

Schuld sind die Band Khemmis aus Denver und ihr famoses Album „Desolation“. Ich habe schon immer ein Faible für Doom Metal gehabt. Candlemass und Solitude Aerturnus gebe ich hier gerne mal als Genrereferenz an. In eine ähnliche, aber modernere Kerbe schlagen Khemmis. Auf ihrem inzwischen dritten Album verbindet die Band große Melodien, melancholische Grundstimmungen, gewaltige Gitarrenwände und ein gerüttelt Maß an Härte zu packenden Songs.

Schon die ersten Riffs von „Bloodletting“ geben die Richtung vor. Allerdings klingt das in den ersten Takten noch etwas unsortiert. Dies ändert sich aber sobald Sänger Ben Hutcherson loslegt und die instrumentale Wucht aus Colorado hinter sich vereint.

So richtig gehen die Ohren dann mit dem Song „Isolation“ auf. In der letzten Zeit habe ich es selten gehört, dass traditionelle Heavy Metal so überzeugend freigesetzt werden. Klasse!
Dazu gibt es die epischen Melodien und den absolut packenden Gesang.

Abgeschlossen wird „Desolation“ von der überlangen Hymne „From Ruin“. Hier greift die Band nochmal ganz tief in die Trickkiste und gräbt Riffs, Melodien und Rhythmen aus, welche auch in der großen Zeit der New Wave Of British Heavy Metal ihren festen Platz gehabt hätten.

Wer auf der Suche nach traditionellem Metal ist, der ohne Firlefanz auskommt, dafür aber auf handfeste und gute Musik setzt, der ist bei Khemmis genau richtig!

1. Bloodletting
2. Isolation
3. Flesh To Nothing
4. The Seer
6. Maw Of Time
7. From Ruin

http://www.khemmisdoom.com

Khemmis - Desolation (Nuclear Blast, 22.06.2018)
4.4Gesamtwertung