Kevin Devine aus Brooklyn ist auf viele Arten ein sympathischer Kerl. Nicht nur das er Herzblutmusiker und wie ich 36 ist, sich den Arsch abspielt, seinen musikalischen Rahmen einfach mal aufbricht und einfach von intimen Songwritermomenten bis dicken Rocksongs alles kann, so bringt er auch am 18.11. sein mittlerweile neuntes Studioalbum „Instigator“ raus.

Die ersten Proberunden im Player sagen mir, dass auch hier wieder nichts festgefahren oder musikalisch in Schubladen zu stecken ist. Wir haben hier intime und gezupfte Momente, die bei „Freddie Gray Blues“ besonders unter die Haut gehen. Freddie Gray ist durch die anhaltende Polizeigewalt in Baltimore 2015 zu Tode gekommen und Kevin Devine widmet ihm einen Song, der im Angesicht der anhaltenden Unruhen und Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit den amerikanischen Verhältnissen besonders berührt.

Der fließende Übergang zum super melodischen „No History“ passt dabei wie Faust auf Auge und hält sich die intime Stimmung, packt sie warm ein und trägt dich weiter, um in einer Rocknummer zu eskalieren, die irgendwo zwischen Emo-Momenten, Stadionrock (im positiven Sinne) und wütendem Indie zu finden ist. Großes Kino und einer meiner Anspieltipps! Das sich der Song aus persönlichen Eindrücken zum 11.September 2001 zusammen setzt, macht das alles noch persönlicher und großartiger.

Songs wie „No Why“ erinnern mich persönlich dann wiederum mit Weezer-Momenten an die großen einer anderen Richtung und genau das ist es, was dieses Album ausmacht. Kevin Devine scheint überall irgendwie Zuhause zu sein. Und zwar nicht so ein „Ich kann von allem ein bisschen“, sondern ich mach einfach was ich will und das dann aber mit Herzblut. Und das hört man. Das spürt man. Davon würde ich gern viel öfter berichten können!

„No One Says You Have To“ ist wieder gezupftes Songwriterkino, das mit der weichen Stimme von Kevin Devine zum Gänsehautgaranten wird.

Ingesamt scheint Kevin Devine  das scheinbar perfekte Album für die momentane Lage der USA geschrieben zu haben. Klar scheint gerade alles vor die Hunde zu gehen, aber da sind dann noch diese großen persönlichen Momente, die dich oben halten. Großes Kino! Danke Kevin Devine! Kaufempfehlung für Freunde von guten Rockplatten, die nicht beliebig sind!

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  1. No Why
  2. Instigator
  3. Magic Magnet
  4. Freddie Gray Blues
  5. No History
  6. Daydrunk
  7. Both Ways
  8. No One Says You Have To
  9. Guard Your Gates
  10. Before You`re Here
  11. I Was Alive Back Then

 

Mit seiner GODDAMN BAND ist der Herr übrigens auch im neuen Jahr auf Tour bei uns. Und zwar hier:

 

16.01.17 – Köln – Underground

17.01.17 – Hamburg – Nochtspeicher

18.01.17 – Berlin – Kantine am Berghain

20.01.17 – Wiesbaden – Schlachthof

21.01.17 – Schorndorf – Manufaktur

 

Kevin Devine - Instigator (Big Scary Monster, 18.11.2016)
4.3Gesamtwertung