Kaipa – Sommargryningsljus (InsideOut Music, 28.06.2024)

Die Geschichte der schwedischen Band Kaipa reicht sehr lange zurück. Sie wurde vor über 50 Lenzen gegründet, lag aber zwischenzeitlich ab den frühen 80er-Jahren fast zwei Jahrzehnte lang auf Eis. Seit 2002 veröffentlicht man aber wieder regelmäßig frische Musik und weiß mit seinem folklastigen Progressive Rock immer wieder zu gefallen.

„Sommargryningsljus“ heißt das neue Werk und behandelt thematisch die Zeit zwischen Sonnenuntergang und –aufgang. Dabei klingt das gute Stück gar nicht so düster, wie man vielleicht erwartet, sondern eher heimelig und freundlich, auch wenn zwischendurch auch mal etwas Düsternis und Melancholie durchscheinen mag. Erdverbunden, wie ein gemütlicher Waldspaziergang im langsam entschwindenen Licht des uns sonst wärmenden Sterns. Am Ende ist die nächtliche Odyssee eine Art Metapher für den Zustand zwischen Tod und Wiedergeburt oder als Allegorie des Lebens in umgekehrter Reihenfolge zu sehen.

Soweit, so gut. Verpackt wird das Thema in acht meist überlange Stücke, die sich Zeit lassen sich zu entwickeln, man aber auch bereit sein muss, sich darauf einzulassen, da man teilweise trotz spielerischer Kabinettstücke fast etwas unauffällig musiziert. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Melodien stets schön sind, sich aber nicht so stark durchsetzen können, bzw. einprägsam sind. Am ehesten, wenn Sängerin Aleena Gibson sie mit ihrer bezaubernden Stimme vorträgt. Ihrem männlichen Widerpart Patrik Lundström fehlt es leider etwas an Charisma.

Wer darüber hinwegsehen kann und möchte, wird allerdings von vielen, teils recht verspielten Instrumentalparts verwöhnt, bei denen der sonst aus dem Metalbereiche bekannte Gitarrist Per Nilsson (Scar Symmetry, Meschuggah) neben Bandgründer und Tastenmann Hans Lundin besonders glänzt. Jazzige Versatzstücke, folkige Melodien und Streicher- und Flötentöne sorgen für Abwechslung und machen Stücke wie „Revelationview“, oder das Yes-lastige „Like Thousand Dawns“ besonders spannend.

Mit 80 Minuten Spielzeit ist das fünfzehnte Kaipa-Album ein besonders langes Vergnügen. Aber auch eines, bei dem sich ab der Mitte, trotz seiner liebevollen Ausgestaltung, auch dezente Ermüdungserscheinungen einsetzen können. Aber ist das nicht auch mit dem Verschwinden der letzten Lichtstrahlen durchaus auch so? Von dem her sind die Schweden durchaus passend im Thema.

Gutes, aber nicht überragendes Retrog-Album mit modernen Anflügen.

 

Trackliste:
1. Sommarskymningsljus
2. Seven Birds
3. Like Thousand Dawns
4. Revelationview
5. Chased by Wolves And Burned by The Sun
6. Spiderweb Train
7. Songs In Our Hands
8. Sommargryningsljus
9. Sommargryningsljus (Single Edit)

 

3.9