Kafvka – Paroli (Zukunvt, 11.06.2021)

Ich erinnere mich noch an eine Party in meiner Stammkneipe, bei der ich aufgelegt habe und bei der ein Haufen Leute “Alle hassen Nazis” abgefeiert und mitgebrüllt haben. Dieses gemeinsame “Es gibt sie trotz aller scheiß Nachrichten noch, die guten Leute”-Gefühl verbinde ich seitdem mit Kafvka. Und genau diese Single war der Grund warum soviele Leute plötzlich diese Band kannten. Die Beschreibungen im Freundeskreis pendeln zwischen “HipHop”, “Zeckenrap”, “wenn Casper mit ZSK ne Platte machen würden” (was hoffentlich nie passiert) und immer wieder hört man auch Kraftklub. Aber am Ende ist es doch nicht das, mit dem ich diese Band treffend beschreiben würde.

So oder so kommt am 11.06.2021 mit “Paroli” das Album und das ist Grund genug einmal genauer hinzuhören.

Wenn wir mit dem mächtigen “Prolog” gestartet sind, geht es auch gleich mit “Paroli” los und da kommt alles zusammen, was ich erwartet hatte. Gute politische Lyrics mit Energie, die nicht nur Schubladen, sondern auch ganze Szene überwinden kann. Der Punkrocker, der seinen Geist nicht ganz eingefroren hat, kann hier genauso abgehen und den HipHop-Menschen von nebenan in die Arme schließen. Vorausgesetzt es handelt sich nicht um den sexistischen Mackerhoschi. Denn mit dieser Art HipHop haben Kafvka soviel zu tun wie die AfD mit Demokratie. Nüscht.

 

 

Man könnte im Verlauf der Platte vielleicht als Kritik anmerken, dass hier Parolen gedroschen werden, aber bringt man es auf den Punkt, stellt man fest wie genau diese Lyrics die Leute erreichen. Eine sozialwissenschaftliche Ausarbeitung der kapitalistischen Gesellschaft überlässt man dabei lieber der Hamburger Schule und baut den Soundtrack zur geballten Faust in der Luft.

Dabei bewegen sich Kafvka nicht auf Glatteis und schließen aus, sondern befeuern den Widerstand gegen Nazis mit Köpfchen. Hier wird niemand ausgeschlossen, sondern der Konsens “Wenn du gegen Rechts bist, bist du Teil meiner Crew” trifft genau das, was bei dem ganzen Szenegedöns in den Wohlfühlblasen einer Großstadtszene mit antifaschistischem Kiez viel zu oft vergessen wird.

Mit dem Remix von “Alle hassen Nazis” mit der großartigen Sookee und Roger Rekless kommt für mich persönlich sogar noch eine willkommene Überraschung um die Ecke. Ein bisschen den Punk raus, HipHop rein, aber die Energie bleibt gleich. Großes Kino!

Einige andere Songs von “Paroli” packen mich nicht so derbe wie die punkangehauchten Hits (wie z.B. “Wir gehen zu weit”), was aber lediglich Geschmackssache ist und am Ende die Wichtigkeit dieser Platte nicht schmälert.

Für Fans sowieso eine Kaufempfehlung und für Unentschlossene mindestens ein Reinhör-Tipp!

 

 

  1. Prolog
  2. Paroli
  3. Tanz deinen Schmerz weg
  4. Alle hassen Nazis
  5. SNL
  6. Ally
  7. Geschichte
  8. Geld Geld Geld
  9. Skip 2020
  10. Dorfjugend
  11. Alles was wir tun
  12. Wir gehen zu weit
  13. AHN FAQ
4.2