Es ist wieder Classic Zeit. Auch dieses mal musste ich nicht sonderlich lange überlegen. Allerdings möchte ich Johnny Cash – „American III: Solitary Man“ nur exemplarisch für die „American Recordings Serie“ vorstellen.

1994 erschien mit „American Recordings“ das erste Album aus der „American-Recordings“ Serie von Johnny Cash. Bis 2010 folgten mit „Unchained“, „American III: Solitary Man“, „American IV: The Man Comes Around“ und den beiden nach Johnny Cashs Tod veröffentlichten „American V: A Hundred Highways“ und „American VI: Ain’t No Grave“ fünf weitere Scheiben.
Vor der Zusammenarbeit mit Rick Rubin war Cash ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit verschwunden. Klar, „Ring of Fire“ oder „I Walk the Line“ waren nach wie vor sehr geläufige und bekannte Titel, aber Johnny Cash hatte bei weitem nicht mehr das Standing und die Popularität vergangener Tage.

Rick Rubin und Johnny Cash experimentierten bei den Aufnahmen ein wenig um einen authentischen und neuen Sound für Cash zu schaffen. Heraus kam ein minimalistisches Kunstwerk, dass nicht mehr braucht als Cashs Stimme und eine akustische Gitarre – einfach und ohne jegliches Tamtam.

Rubin ermutigte Cash dabei zu singen was er wollte, frei von jeglichen Genre- und Spartendenken. So finden sich auf „American Recordings“ neben eigenen Kompositionen Lieder von Leonard Cohen, Kris Kristofferson oder mit „Thirteen“ ein grandioser Song aus der Feder von Glenn Danzig.

Meine Lieblingsscheibe der Serie ist wohl „American III: Solitary Man.“ Auf dieser macht sich erstmalig die etwas brüchiger werdende Stimme Johnny Cashs bemerkbar, was der Stimmung der Songs allerdings kein Abbruch tut, ganz im Gegenteil.

„American III: Solitary Man“ umfasst insgesamt 14 Songs. Vier davon ursprünglich aus der Feder von Johnny Cash. Auf „American III: Solitary Man“ sind neben Cash auch einige Gastmusiker zu finden. So geben sich beispielsweise Tom Petty, Sheryl Crow und Larry Perkins die Ehre.
Die bekanntesten Songs der Platte sind vermutlich „Solitary Man“ (Neil Diamond), „One“ (U2) und „I Want Back down“ (Tom Petty).

Mein persönlicher Lieblingssong ist allerdings ein anderer – „I see a darkness“ von Will Oldman. Der einfache Sound und die Stimme von Johnny Cash schaffen eine düstere und ergreifende Atmosphäre, die so von kaum einem andere Künstler erzeugt wurde.

Die „American-Recordings“ Serie umfasst meiner Meinung nach einige der besten Cover Songs, die jemals aufgenommen worden sind. Es gibt kaum einen anderen Künstler, der es schafft sich fremde Lieder so anzueignen und sie so zu seinen Lieder zu machen.

Das beste Beispiel dafür ist „Hurt“, von der 2002 erschienenden „American IV: The Man Comes Around.“
Der Song stammt ursprünglich von den Nine Inch Nails, aber es werden wohl nur eingefleischte Fans der Band bei dem Titel an die Originalversion denken.
Die in diesem Song auffällig zerbrechliche Stimme Cashs, die beim Hören dennoch so tief in den Kopf oder wenn man will die Seele des Hörers eindringt, ist einfach einmalig.

Insbesondere im Zusammenhang mit dem grandiosen Video, das Mark Romanek umgesetzt hat, verursacht der Song bei mir bei jedem Hören nach wie vor Gänsehaut. Mit diesem Song und dem Video hat Johnny Cash sich selbst kurz vor seinem Tod einen einmaligen künstlerischen Nachruf geschaffen.

If I could start again
A million miles away
I would keep myself
I would find a way

 

  1. I Won’t Back Down
  2. Solitary Man
  3. That Lucky Old Sun (Just Rolls Around Heaven All Day)
  4. One
  5. Nobody
  6. I See a Darkness
  7. The Mercy Seat
  8. Would You Lay with Me (in a Field of Stone)
  9. Field of Diamonds
  10. Before My Time
  11. Country Trash
  12. Mary of the Wild Moor
  13. I’m Leaving Now
  14. Wayfaring Stranger