Dieses gute Stück Musik rotiert nun schon eine ganze Weile in digitaler Form bei mir und vielen anderen Musikfans. Das offizielle Release musste aus organisatorischen Gründen immer wieder ein wenig verschoben werden, aber jetzt ist es soweit.

Mittlerweile dürfte der Wahl-Hamburger John Allen jedem Freund von akustischen Gitarren und schweren Pianosongs ein Begriff sein. Schon seit einer ganzen Weile dem folkigen Songwritersound entwachsen, hat sich Herr Allen auf dem letzten Album „Ghosts“ fast komplett dem von ihm so geliebten düsteren Sounds hingegeben und umso gespannter war ich auf die neue Platte. Schließlich hat sich auch privat bei der bärtigen Reibeisenstimme einiges verändert und in den meisten Fällen wirkt sich das auch auf den Sound aus.

Gleich mit dem Opener „New Morning“ hat man das Gefühl, als wäre der „Sad guy with guitar“ gar nicht mehr so „sad“. Der Sound kommt als knallige Fullband-Nummer im Karohemd-Flair um die Ecke und lässt mindestens die Füße wackeln. Wenn nicht mehr.

Und so zieht sich der rockigere und vollere Faden durch das gesamte Album. Mit einigen Songs („Hemingway“) mehr mit Blick Richtung Tom Petty und dann auch gerne mal ne Hard Rock Nummer („45 After Dark“). Großer Schritt und der Träumer John Allen macht das was er so gut kann und genau das, was zu ihm passt: Träumen! Eine ordentliche Portion Pathos, voller Sound und die so typische Stimme passen hier wie Arsch auf Eimer.

 

 

Da wir uns auch privat recht gut kennen, wusste ich zwar das John ein politischer Mensch ist, hätte hier an dieser Stelle aber keinen politischen Song erwartet. Und so kommt mit „Raise your Voice“ das „Leute, macht endlich das Maul auf!“ der Songwriter-Szene. Und das ist gut und richtig so. Position zu beziehen sollte für jeden Künstler mit entsprechender Reichweite mittlerweile ganz oben auf der „to Do“ Liste stehen. Und in Zeiten, in denen der Maßstab was man öffentlich so sagt auf der rechtspopulistischen Schiene so krass verschoben wurde, gibt es auch kein unpolitisch mehr. Es gibt ein Gewissen und das hat jeder Mensch. Hört darauf und macht den Mund auf! Danke, John!

 

Mit „What it takes“ gibt es übrigens auch ein schönes Piano-Stück auf der Platte. Herr Allen sitzt ganz gern mal am Klavier und zaubert traurig-schöne Songs. Und weil er das so gut kann, soll er das bitte auch so weitermachen! Auf dem Album ergänzt der Song mit großartiger Melodie das Gesamtpaket wunderbar.

Den ruhigen Abschluß gibt übrigens mit „Late Night Summer Serenade“ eine mega schöne Ballade. Unterstützt wird John Allen hier von Julika Salge. Und wie! Großartige Stimme für einen großartigen Abschluß.

Also man kann zu Songwriterplatten stehen wie man will, aber wenn einem so eine große und abwechslungsreiche Platte geboten wird, muss man zuschlagen. Und mit den Platten von John Allen wird es nie langeweilig, denn der sich treu bleibende Allen entwickelt sich weiter und nimmt den Hörer mit auf dieser Reise. Fühlbar! Großes Kino! Kaufempfehlung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  1. New Morning
  2. Friends & Other Strangers
  3. 45 After Dark
  4. Hemingway
  5. What It Takes
  6. Raise Your Voice
  7. Making Lists
  8. Northern Star
  9. Late Night Summer Serenade
John Allen - Friends & Other Strangers (Gunner Records, 26.04.2019)
4.8Gesamtwertung