Zwei Engländer und zwei Australier tun sich zusammen und spielen uramerikanische Musik. So könnte man Jawbone kurz zusammenfassen. Im Kern ist das Quartett Keyboarder/Sänger Paddy Milner und dem bereits von seinen Soloarbeiten und vor allem als aktueller Frontmann von Ten Years After bekannte Gitarrist/Sänger Marcus Bonfanti. Komplettiert wird das Ganze von der Rhythmussektion aus „Down Under“, Bassist Rex Horan und Drummer Evan Jenkins.

Dass das Herz der vier Herren für gestrige Sounds schlägt, hört man gleich von Anfang. Aber gestrig klingt viel zu negativ. Bezeichnen wir es lieber als zeitlos. Rootsrock amerikanischer Prägung mit Swing, lässigem Flair, wenn es sich anbietet etwas verspielt und mit tollem Gesang. Letzterer prägt den Sound des Quartetts sehr. Milner und Bonfanti wechseln sich ab oder geben die Songs gleich um Duett zum Besten. So unterschiedlich die Stimmen auch sind (Milner gefällt mit seinem weichen Timbre, Bonfanti mit seinem kernig rauen Organ), so gut passen sie im Verbund zusammen. Die vielen feinen Harmonien sind es, welche die Stücke auszeichnen und voller Lust ins Ohr treiben.

Aber auch was sich dahinter abspielt klingt ziemlich fein. Warme Orgelsounds, bluesige Gitarren und die Rhythmustruppe, die stets den richtigen Groove zwischen Stampfen und lässigem Schwung findet, sorgen für Unterhaltung. Alle vier sind Könner an ihren Instrumenten, das hört man. Trotzdem drängt sich keiner nach vorne. Der Song steht immer im Vordergrund und wirklich verspielt wird es nur selten, wenn es passt. Die Musik von Jawbone lebt vom hervorragenden Songwriting (eine scheinbar aussterbende Kunst!) und nicht nur von der bloßen Spiellaune der Band, welche man live im eingefangen hat.

Wer möchte, kann Anklänge an die ganz großen Klassiker finden: The Band (von denen man sich den Bandnamen ausborgte), die Rolling Stones, Little Feat oder Crosby, Stills, Nash & Young. Und am Ende klingen Jawbone doch einfach nach Jawbone. Mal rockig, dann entspannt oder balladesk und stets positiv gestimmt, auch wenn es mal melancholische Momente, wie zum Beispiel beim ruhigen, leicht dramatisch anklingenden „Bet On Yesterday“, gibt. Als Anspieltipps seien mal das soulige „Ten Years Used To Mean So Much“, das gemütlich schlendernde „Two Billion Hearts“, die einnehmende Westcoast-Nummer „When Your Gun Is Loaded“ oder das dezent bluesige „Get What You Deserve“ genannt.

Eigentlich könnte man jede Nummer rausziehen. Denn das namenslose Debüt von Jawbone ist von vorne bis hinten eine äußerst feine Sache

 

Trackliste:
1. Leave No Traces
2. Get What You Deserve
3. When Your Gun Is Loaded
4. Family Man
5. Bet On Yesterday
6. Rolling On The Underground
7. Big Old Smoke
8. Sit Round The Table
9. Two Billion Heartbeats
10. The Years Used To Mean So Much

 

 

Im September gehen Jawbone bei uns auf Tour. Könnte gut werden!

22.09. Köln – MTC
23.09. Frankfurt – Nachtleben
24.09. München – Feierwerk, Orangehouse
25.09. Berlin – Musik & Frieden
26.09. Hamburg – HeadCrash

 

Jawbone - s/t (TLC Music, 12.04.2019)
4.3Gesamtwertung