By the pricking of my thumbs, something wicked this way comes…

Es war das Jahr 2002, Bang Your Head!!! Festival im baden-württembergischen Balingen. Im Nachmittagsprogramm sollte eine Band namens Jag Panzer spielen. Ja, Jagdpanzer ohne d. Klingt dämlich. Ich weiß. Typisch Amis halt. Ich dachte das wäre auch nur mal wieder so eine langweilige Powermetal-Band. Wobei man bedenken muss, dass Powermetal damals ein ziemliches Schimpfwort war, das man (fälschlicherweise) mit Nähmaschinenrhythmen sowie kitschigem Gedudel im Kinderliedniveau in Verbindung brachte. Also mit solcher Mucke wie Freedom Call. Okay, irgendwie tut man das leider nach wie vor noch. Aber ich schweife ab.

Jedenfalls blies mich die Band aus Colorado ziemlich weg. Knackiger Metalsound mit teils hymnischen Melodien und einem ausdrucksstarken Frontmann. Die Typen kamen total bodenständig rüber und spielten nebenbei ziemlich geile Musik. Ganz klar, dass meine Plattensammlung mit ein paar CDs von den Herren gefüllt werden musste. Ohne viel Infos machten das damals aktuelle und gerne unterschätze „Mechanized Warfare“ und „Thane To The Throne“ noch auf dem Festivalgelände das Rennen. Weitere Platten sollten folgen. Natürlich auch das im Underground etwas arg überschätzte Debüt „Ample Destruction“.

Am meisten fasziniert mich bis heute aber immer noch dieses Konzeptalbum aus dem Jahr 2000. Wie Titel und Cover schon andeuten, dreht sich der rund 65-minütige Rundling um die Shakespeare-Tragödie „Macbeth“. Dieser zeitlose Stoff voller Drama, Verrat und Missgunst, Machtstreben und übertriebener Männlichkeit bietet sich auch irgendwie an von einer Metalband vertont zu werden. Und Jag Panzer ist das ziemlich gut gelungen. Ganz ohne überzogenem Kitsch, dafür voller Atmosphäre und packenden Stimmungen.

 

Und das liegt zum großen Teil am Gesang von Harry Conklin. Der Tyrant – so sein Spitzname – lebt sich in die Rollen ein und füllt sie mit vielen Emotionen aus. Die Band zimmert starke Songs dazu, die wunderbar für sich selbst stehen können. Denn abgesehen von ein paar instrumentalen Überleitungen würde gar nicht auffallen, dass es sich um ein Konzeptalbum handelt. Doch mit der zusätzlichen textlichen Ebene gewinnen die Stücke ungemein und man verschmerzt dann auch ein paar unauffälligere Songs wie zum Beispiel „Treachery’s Stain“.

Die meisten der vorwiegend im Midtempo agierenden Nummern leben von ihren packenden Rhythmen und vor allem von ihren einnehmenden Melodien und Gesangslinien. Gerade Herr Conklin reißt mit seiner Vorstellung und seinem Gespür für Stimmungen immer wieder mit. Songs wie das fast weiche, aber dann wieder im Positiven einlullende „Thane Of Cawdor“, das geradlinige, Richtung Powermetal schielende „King At A Price“, das theatralische „Three Voices Of Fate“, das kämpferisch-hymnische „Fate’s Triumph“ oder der epische Abschluss „Tragedy of Macbeth“ wissen sofort zu gefallen und verlieren auch nach Jahren nichts von ihrer Anziehungskraft.

Aufgepeppt wird der Sound immer wieder von geschmackvollen, unkitschigen Geigenklängen, Marschtrommeln oder sinnvoll gesetzten Backgroundchören. Die von Jim Morris gefahrene Produktion klingt zeitlos und voll. Lediglich über das trashige Coverartwork lässt sich streiten. Kaum zu glaub, dass Travis Smith hier seine Finger im Spiel gehabt haben soll. Ansonsten ist „Thane To The Throne“ auch 17 Jahre später immer noch eine runde Sache. Ein starkes Konzeptalbum das gar nicht so prätentiös klingt, wie man bei der schweren Thematik vermuten würde.

Und vielleicht veranlasst es den einen oder anderen auch, mal etwas klassische englische Literatur in die Hände zu nehmen. Beim Autor war es jedenfalls so.

Trackliste:
1. Thane of Cawdor
2. King at a Price
3. Bloody Crime
4. The Premonitions
5. Treachery’s Stain
6. Spectres of the Past
7. Banquo’s Final Rest
8. Three Voices of Fate
9. Hell to Pay
10. The Prophecies (Fugue in D Minor)
11. Insanity’s Mind
12. Requiem for Lady Macbeth
13. Face of Fear
14. Fall of Dunsinane
15. Fate’s Triumph
16. The Downward Fall
17. Tragedy of Macbeth