Man kennt das ja irgendwie: Da gibt es so Veröffentlichungen, die einen schon anmachen würden, sie man aber von zu Hause aus einfach zu groß und zu teuer findet. Dann hält man so ein Ding plötzlich bei einem Stand auf einem Festival in den Händen und aufgrund seiner Euphorie (oder dem vorher beseitigtem Bierdurst…) kann man doch nicht anders, als zuzugreifen. So beim Rezensenten mit der „Historical Battles“-Box von Jag Panzer passiert. Rund 80,- € teuer, zweieinhalb Kilo schwer und auf 500 Stück limitiert. Ein mit schwarzen Lederimitat ausgeschlagener Karton mit vier Picture Discs, einem 16-seitigen Booklet sowie einem großen 80-seitigen Hardcover-Buch. Macht sich gut im Regal!

Aber alleine der musikalische Inhalt hat es in sich. Es sind vor allem die Debüt-EP „Tyrants“ (1983) und das erste Full-Length-Album „Ample Destruction“ (1984), welche die Gralshüter des (US-)Metal auch drei Jahrzehnte nach der Erstveröffentlichung zum Jubeln bringen. Lange waren diese Schätzchen nicht mehr erhältlich und Originalversionen erzielten Bestpreise auf Plattenbörsen und eBay. 2013 schaffte es High Roller Records allerdings, diese Veröffentlichungen remastered wieder neu heraus zu bringen – auf Vinyl, wie auf CD. Und genau diese Scheiben sind mit ein paar Bonustracks hierin enthalten. „Tyrants“ kommt statt mir vier, jetzt gleich mit zwölf Nummern daher und „Ample Destruction“ mit dem Demo-Bonus „Black Sunday“.

Doch das ist nicht alles. Das offiziell bisher nicht erhältliche Demo „Shadow Thief“ (1986), das das zweite Album mit Gottsänger Harry Conklin werden sollte, wird jetzt – wo es das vorher nur als Bootleg gab – offiziell veröffentlicht. Seinem Vorgänger steht es in nicht viel nach. Platte Nummer vier ist das ebenfalls unter gegangene und mit Ersatz-Sänger Bob Parduba eingesungene „Chain of Command“ (1987), das allerdings vor einigen Jahren offiziell bei Century Media auf CD erschien.

Das beiliegende A4-Booklet ist die Replik eines alten Tourflyers aus den 80ern und das Buch enthält hauptsächlich alte Fotos der Band sowie Ablichtungen der verschiedensten Versionen der enthaltenen LPs. Vielleicht nicht essenziell, für den Fan allemal eine schmucke Sache. Wie überhaupt die ganze Box. Wir bisher nur auf Bootlegs der alten Alben zurückgreifen musste, kommt nun in den offiziellen Genuss dieser Kleinode, die heute zwar wirklich etwas angestaubt klingen, aber trotzdem ein Stück amerikanische Metalgeschichte darstellen.

Dessen ist sich auch die Band selbst bewusst. Hat man sich doch immer wieder an den alten Songs, speziell der beiden unveröffentlichten Alben auf aktuelleren Releases probiert. Es wäre aber auch traurig gewesen, hätte man in der Zwischenzeit Klassiker-Songs wie „Chain of Command“, „Take the pain away“ oder „Shadow Thief“ nicht zu hören bekommen. Dies hier ist allerdings der wahre Stoff im Originalsound!

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