Welches ist das wohl am meisten erwartete Metal-Album 2015? Ganz klar: „The Book of Souls“ von Iron Maiden! Dass die Mainstreampresse im Gegensatz zu Motörhead, Metallica und AC/DC die eisernen Jungfrauen links liegen lässt, beweist, dass die Briten stets und ausschließlich in ihrer angestammten Szene verhaftet sind und waren und kein vollkommenes Massenphänomen sind. Kein Wunder also, dass sie dort um so inniger geliebt werden.

Hier ist es nun also, Studioplatte Nr. 16. Ein kleines Ding der Superlative soll es noch dazu sein: mit 92 Minuten nicht nur das längste Album der Bandgeschichte, mit dem 18-minütigen „Empire of the Clouds“ befindet sich auch noch der längste Maiden-Song ever darauf. Soviel zu den nackten Fakten. Was bekommt man nun auf den beiden Scheiben geboten? Vor allem Iron Maiden pur!

Auf „The Book of Souls“ arbeitet sich die Band natürlich wieder stark an den Vorlagen der letzten beiden Alben ab und breitet ihre Songs nicht selten in episches Format aus. Trotzdem wagt man immer wieder einen kleinen Blick zurück in die Tage von „Seventh Son of a Seventh Son“ und „Somewhere in Time“. „Shadows of the Valley“ wartet gar mit einem „Wasted Years“-Gedächtnisriff auf. Auch sonst spielt man vermehrt mit unterstützenden Keyboard-Flächen, selbst wenn diese meist recht unauffällig die Songs untermalen. Konsequenz ist ein atmosphärisch wie selten klingendes Album.

Das anfangs etwas unauffällig wirkende „The Red and the Black“ oder der mit eine dezent eingeflochtenen orientalischen Melodie und so an „Powerslave“ erinnernde Titeltrack sind zwei sehr gute Beispiele dafür. Ebenso der ruhig beginnende und sich hymnisch entwickelnde Opener „If Eternity Should Fail“. Ganz haben Iron Maiden den Sinn für einfachere, mitreißende Songs glücklicherweise auch nicht verloren. „Speed of Light“ kennt man ja schon als vorab veröffentlichen Appetithappen. Ein Stück peppiger ist allerdings „When the River Runs Deep“. Dafür kann man das arg einfach geratene „Death or Glory“ schon fast als Ausfall sehen. Ebenfalls kürzer geraten ist das melodische „The Man of Sorrows“. Die Hommage an Robin Williams gefällt vor allem durch seinen zurückhaltenden Charme und stellt dadurch einen guten Kontrastpunkt zu den teils opulenten restlichen Nummern da.

Doch wo das Sextett sich in epische Strukturen versteigt, setzt das abschließende „Empire of the Clouds“ noch einen drauf. Der als Pianoballade daher kommende Start ist vor allem durch den leidenschaftlichen Gesang grandios. Auch hier setzen Iron Maiden wieder zum großen Angriff an, übertreffen die restlichen Songs allerdings in Sachen Atmosphäre, Dramatik und Spannungsaufbau, selbst wenn ein bisschen Straffung der Nummer nicht schlecht getan hätte. Etwas das ebenso für so manch anderen Titel auf „The Book of Souls“ gilt.

Eine Tatsache die leider bei auch schon bei „A Matter of Life and Death“ sowie „The Final Frontier“ bereits zutraf. Auch merkt man Bruce Dickinson seine Lebensjahre langsam zweifelsohne an, auch wenn er nach wie vor mit einer ganzen Tonne Charisma mitreißt. Ein paar Höhen weniger hätten dem Ganzen sicher nicht schlecht getan. Dafür überzeugt der viel gescholtene Sound von Kevin Shirley. Auch wenn es nicht so „knallt“, wie es sich der eine oder andere wünschen würde, gefällt der Klang mit seiner Natürlichkeit.

Am Ende bleibt „The Book of Souls“ trotz der Kritikpunkte ein gutes Album, das mit großer Musikalität und feinen Melodien überzeugt, selbst wenn sie anfangs nicht so eindringlich wirken. So bleibt nur noch zu sagen: Up the Irons!

Iron Maiden - The Book of Souls

CD1:
1. If Eternity Should Fail
2. Speed Of Light
3. The Great Unknown
4. The Red And The Black
5. When The River Runs Deep
6. The Book Of Souls

CD2:
1. Death Or Glory
2. Shadows Of The Valley
3. Tears Of A Clown
4. The Man Of Sorrows
5. Empire Of The Clouds

Iron Maiden - The Book of Souls (Parlaphone/Warner, 04.09.2015)
4.2Gesamtwertung