Iron Maiden – Senjutsu (Parlaphone Records/Warner, 03.09.2021)

Über zwei Jahre lang haben Iron Maiden ihr neues Album „Senjutsu“ unter Verschluss gehalten – Corona sei Dank. Und dann ging es auf einmal ganz schnell. Wie aus dem Nichts erschien die Single „The Writing On The Wall“. Kurz darauf folgte „Stratego“. Und jetzt der neue, rund 82 Minuten dauernde Doppeldecker.

Die beiden Appetithappen lockten dabei auf eine etwas falsche Fährte. Denn derart straight und hymnisch geht es auf dem Album nicht gerade zu. „Senjutsu“ präsentiert sich über die ganze Länge eher düster, immer wieder fast getragen bis balladesk. Und das natürlich im meist epischen Format, wie die ausgedehnten Songlängen klar machen. Man bleibt der mit „A Matter Of Life And Death“ eingeschlagenen Linie also weitergehend treu. Der die Platte einläutende, stimmungsvolle Titeltrack steht dabei viel mehr für das Ganze als zum Beispiel das mit Classic-Rock-Anklängen versehene „The Writing On The Wall“.

Von der Stimmung her dürfte sich der eine oder andere vielleicht etwas an das Dickinson-Comeback „Brave New World“ erinnert fühlen. Gerade die kürzeren Tracks – das oldschoolige, schnell auf Punkt kommende „Days Of Future Past“ sowie das eingängige, livetaugliche „Stratego“ – tragen eine angenehme Euphorie in sich, welche so manch längeren Titel, trotz der vorhandenen Klasse, nicht schaden würde. Gerade das über halbstündige Abschlusstriple „Death Of The Celts“, „The Parchment“, „Hell On Earth” zieht sich doch etwas und lässt das mitreißende Element altgedienter Epen wie „Sign Of The Cross“ oder „Alexander The Great“ etwas vermissen, selbst wenn die Nummern von zahlreichen feinen Momenten durchzogen werden (zum Beispiel der mächtige Refrain und die folkig wirkenden Melodien in „Death Of The Celts“).

„The Time Machine“ und „Darkest Hour” leben dafür von ihrer getragenen, melancholischen und unaufdringlichen Stimmung, was die Songs anfangs etwas unauffällig erscheinen lässt. Das lässt dich dafür von „Lost In A Lost World“ nicht sagen. Das neunminütige Stück ist ein auf den Gesang von Bruce Dickinson zugeschnittenes Wechselband der Gefühle.

Überhaupt Bruce Dickinson: Beim Vorabvideo wirkt seine tiefer gewordene Stimme noch etwas schwachbrüstig. Aber über die gesamte Laufzeit präsentiert sich der Brite immer noch gut in Form, wie überhaupt der Rest der Band – allen voran Drummer Nicko McBrain. Zwar waren insbesondere die drei Herren Gers, Murray und Smith auch schon mal etwas inspirierter unterwegs. Aber das wäre Jammern auf hohem Niveau.

Insgesamt weiß „Senjutsu“ durchaus zu gefallen, auch wenn man die Kritikpunkt der letzten Alben auch hier wieder vollends anbringen kann: zu lang gezogene Stücke mit gewissen Längen, schwachbrüstiger Sound. Das ändert aber nichts daran, dass es ein gutes Alterswerk einer immer noch lebendigen Band ist.

 

Trackliste:
1. Senjutsu
2. Stratego
3. The Writing On The Wall
4. Lost In A Lost World
5. Days Of Future Past
6. The Time Machine
7. Darkest Hour
8. Death Of The Celts
9. The Parchment
10. Hell On Earth

 

 

Photo-Credit: John McMurtrie

 

3.9