Postrock muss nicht instrumental sein. Besonders nicht an der Schnittstelle zum Indie und/oder Alternative. Das beweisen auch diverse Kapellen aus Übersee wie zum Beispiel Moving Mountains, Prawn oder The Appleseed Cast.

Diese Freiheit nimmt sich auch das (wirklich) junge Duo Into The Fray aus Stuttgart. Instrumental durchaus im Klangfarbenbereich einschlägiger 00er-Postrock-Produktionen verhaftet, durch den Gesang jedoch mit einer gewissen Struktur versehen, die die Band auch in den Indie- oder den Slowcore-Bereich verweisen könnte.

Der Release in Eigenregie kommt in einem wirklich stimmigen Digipak, inklusive wunderschönem Artwork, bestehend aus schlichten, Schwarz-Weiß gehaltenen Naturaufnahmen, das einen beim Betrachten schon in eine melancholische, sehnsüchtige Grundstimmung versetzt. Das passt hervorragend zum ersten Stück „Fragile“, in dessen Finale die typischen, reverberierenden Tremolo-Flächen natürlich nicht fehlen dürfen.

In den ruhigeren Passagen klingen die Gitarren weit und groß und sind mit dem typisch warmen Platten-Hall versehen. Viel Hall findet sich auch auf Sänger Lukas Klotzbachs Stimme. In Kombination sorgt das für verwaschene Klangflächen, die immer wieder in rockigere Passagen mit Druck und einigem an Overdrive auf den Gitarren münden. Die verträumte, teilweise fast schon shoegazige Stimmung wird trotzdem stets beibehalten durch die Vocals.

Die Gast-Stimme in „These Waters“ erinnert mich persönlich an die Pop-Emo-Core-Phase der 00er-Jahre, vornehmlich an Saosin. Ob das gefällt oder nicht, ist eine reine Geschmackssache. Ich persönlich bin wesentlich mehr angetan von der instrumentalen Energie des Stückes und von den interessanten Tape-Modulationen zu Beginn und zum Ende. Letztlich sollte sich da aber jeder selbst ein akustisches Bild machen.

Zu Anfang von „The Maze“ sorgen schöne Swells für einige Ambient-Momente. Auch das gefällt sehr. Into The Fray haben wesentliche Postrock-Konzepte und –techniken verstanden und wissen diese gekonnt zu implementieren. So darf natürlich auch ein Voice-Sample nicht fehlen.

Die EP schließt mit einem längeren Stück, das sich bis zum Ende in einer gelungenen Klimax entlädt und danach noch ein Outro folgen lässt. Auf ein langes Gitarrenfeedback folgt eine Raumaufnahme, bei dem das Gitarrenleitmotiv aus dem ersten Stück durch eine Akustikgitarre wieder aufgegriffen wird. In dieser Variante, und mit einem dazu einsetzenden Chorgesang, erinnert dieses Ende stark an den Earth-Teil der Alchemy Index-Saga von Thrice, der, besonders durch die Raumcharakteristik der Aufnahme, ähnliche Klangfarben anbietet. Für mich als Alchemy Index-Fan eine schöne Hommage, ob beabsichtigt oder nicht.

Alles in allem präsentiert das junge Stuttgarter Duo einen guten Release mit viel Liebe zum Detail, guter Produktion und funktionierender Atmosphäre. Gern mehr.

Into the Fray_CD_Cover

1. Fragile
2. These Waters (feat. Maik Czymara)
3. The Maze
4. Scars & Scratches

Into The Fray - s/t (Self-Released, 30.04.2016)
4.7Gesamtwertung