Beim Deichbrand hatte ich die Gelegenheit im Artistbereich ein paar Worte mit Jonathan, Dallas, Garret und Ryan von Red City Radio zu wechseln.

Dazu muss ich sagen, dass „Red City Radio“ für mich eine der besten Punkrockplatten des Jahres ist und ich echt aufgeregt und für 20 Minuten wieder 16jähriger Fanboy war. Anschließend gab es noch nach kurzer Evakuierung eine großartige Punkrockshow, die Red City Radio für mich noch relevanter im Punkrock gemacht haben.

Hier also das Interview Fanboy trifft Punkrocker:

 

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Sven:
Mit der letzten Platte „Red City Radio“ ist die Fanbase enorm gewachsen und es gab auch hier in Deutschland eine Menge Aufmerksamkeit. In meinem lokalen Plattenladen war die Platte schnell ausverkauft….

– Kleine Jubelfeier der Band mit Highfive –

Sven:
Habt ihr Veränderungen bemerkt was die Größe der Läden angeht und ist der Druck von Außen größer geworden? Weniger Zeit, mehr Kohle, mehr Groupies?

Jonathan:
Das ist noch schwer zu sagen. Das ist das erste Mal, dass wir hier in Deutschland sind, seit die Platte draußen ist und wir spielen momentan mehr Festivals und sowas. Wir haben beim Spielen der Shows immer viel Kontakt mit den Leuten und bemerken schon, dass viele neue Leute dabei sind, die uns bisher nicht gesehen haben. Ich glaube wir haben einige neue Zuhörer durch die Platte bekommen.

Dallas:
Ich weiß nicht ob man es Druck nennen kann, aber wir haben sowieso schon immer das Bewusstsein gehabt, möglichst Professionell zu sein und eine gute Show zu bieten.

Garret:
Und bei Fans ist es immer eine Frage von Qualität oder Quantität. Aber wir begrüßen natürlich alle neuen Leute auf unseren Shows, wir freuen uns über jeden Menschen den wir treffen.

Sven:
Ihr spielt kleine oder große Clubshows und auch größere Festivals wie das Deichbrand heute. Was ist mehr euer Ding? Der direkte Kontakt bei kleinen Shows oder das dicke Festivalkonzert mit Menschenmassen vor der Bühne?

Garret:
Das ist echt eine schwierige Frage.

Ryan:
Ich denke, das sind so die zwei Seiten der Medaille. Wir haben eine ausverkaufte Show in London mit 150 Gästen gespielt oder auch wirklich kleine Shows wie z.B. in Barcelona oder Manchester. Aber bei diesen Shows kann jeder einzelne vor der Bühne jeden Song mitsingen, weil sie wegen uns gekommen sind. Und bei Festivals…

Dallas:
… du fühlst dich wie eine Rockband. Es ist deine Chance für eine Sekunde die Foo Fighters zu sein.

Jonathan:
Es ist beides super. Man kann eigentlich gar nicht sagen was cooler ist.

Garret:
Bei Festivals bist du die ganze Zeit irgendwie beschäftigt und du quatscht mit vielen Leuten. So wie wir jetzt mit dir quatschen. Bei Red City Radio Shows kommen die Leute um uns zu sehen. Und wir sind dann für die Leute da und sprechen mit ihnen über unsere Musik. Bei Festivals ist das halt nicht so. Aber das Catering bei Festivals ist immer so gut! Ich denke also es ist die Mischung von Beidem. Wir genießen einfach Musik machen zu können.

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Sven:
Die Punkrockszene in Deutschland und die in den Staaten – seht ihr da einen Unterschied?

Garret:
Ja. Da ist ein großer Unterschied. Ich glaube die Szene hier in Deutschland ist größer. Hier gibt es mehr Leute die auf Punkrockshows gehen und Punkrockplatten kaufen wollen. Ich würde nicht sagen, dass deutsche Fans leidenschaftlicher sind als die Amerikaner. Das wäre nicht fair.

Ryan:
Ich glaube sie schätzen einen mehr.

Garret:
Genau das meinte ich. Die Szene hier ist sehr nett und wir schätzen das wiederum sehr.

Jonathan:
Ich glaube die Szene ist ziemlich einzigartig. Wir haben das Glück hier rüberzukommen und sind sehr verbunden mit der deutschen Szene und den deutschen Fans. Manche Bands müssen da echt mehr kämpfen. Wir haben da in England gerade drüber gesprochen. Bands kommen von dort nach Deutschland und haben wirklich mehr zu kämpfen. England hat ein wenig länger gebraucht uns zu mögen. Ich denke überall wo du hinkommst ist es ein wenig anders.

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Sven:
Habt ihr während eurer Zeit in Deutschland Kontakte geknüpft und gehalten? Vielleicht auch zu deutschen Bands? Es geht am Ende im Punkrock ja immer auch um Freundschaft.

Jonathan:
Wir sind das fünfte Mal in Deutschland und natürlich spielen wir auch mittlerweile das zweite Mal mit Bands und freuen uns bekannte Gesichter zu treffen. Ich denke nicht nur im Punkrock, sondern auch darüber hinaus, geht es um Freundschaft und auch um Netzwerke.
Sven:
Momentan spricht jeder über Fluch und Segen vom Streaming. Für mich persönlich ist Vinyl das Medium was ich mir für Punkrock zuerst aussuchen würde. Wie sieht das bei euch aus?

Dallas:
Also bis auf Metallica oder die Foo Fighters macht sowieso kaum jemand Geld durch den Verkauf von Platten. Für eine Band wie uns ist es auch eine Chance, weil sich Leute, die sonst vielleicht nie dazu kommen würde, unsere Musik anhören können. Wir haben so den Zugang zu einer größeren Hörerschaft. Wir nutzen z.B. auch alle Sachen wie Spotify. Ich habe mir gerade einen Haufen AC/DC runtergeladen.

Jonathan:
Ich denke der Markt ändert sich und das macht auch meistens Sinn. Wir können viel darüber reden und auch meine Lieblingsart ist die Platte oder die CD, aber Sachen die du vielleicht irgendwo gehört hast, bringen dich vielleicht dazu in den Plattenladen zu gehen und genau diese Platte zu kaufen. Alles kann passieren. Wenn dir dein Kumpel sagt „Ey, die neue Pears-Platte ist geil!“und du setzt dich in dein Auto und ziehst sie dir von deinem Handy rein, dann ist das halt so. Für mich ist Musik Teilen & Erfahrungen.

Ryan:
Und die Platte solltest du dir danach dann kaufen gehen.

Jonathan:
Ja natürlich!

Ryan:
Wie Dallas es schon sagte, verdient heute keiner mehr Kohle durch Plattenverkäufe.

Dallas:
Wir kennen und nutzen alle die Streamingdienste, aber wir gehen alle natürlich auch los und kaufen uns Platten und kaufen uns Musik.

Garret:
Und außerdem sind Plattensammlungen cool!

Sven:
Vielen Dank für das Interview und sorry für die fünf Minuten Fanboyansprache in gebrochenem Englisch!

 

Das Interview führte Sven und die Fotos sind von Nico (honeymilk.de)