Nachdem ich von der kürzlich erschienenen Spielbergs-EP „Running All The Way Home“ schon restlos begeistert war, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, Spielbergs auf ihrer allerersten Deutschland-Tour zu besuchen und mir einen Live-Eindruck zu verschaffen.

Kurz vor dem Auftritt bleibt noch Zeit für ein kleines Pläuschchen im Backstage des LUX in Hannover, in dem sich für einen Dienstagabend doch einige Musikfreund_innen eingefunden haben. Was sie geboten bekommen, ist eine einzige Live-Perle von drei Norwegern, die wirklich wissen was sie dort tun und ihr Publikum mit schonungsloser Spielfreude und Energie überziehen.

Hier das Gespräch zwischen mir, Christian, Mads und Stian über Autobahntoiletten, Songwriting und Edgar Allen Poe:

Björn:
Hallo, schön euch zu sehen, eure Tour geht gerade erst los, richtig?

Christian:
Ja, am Samstag haben wir in Hamburg auf dem Booze Cruise Festival gespielt

Björn:
Das ist ein cooles Festival, hattet ihr Spaß?

Stian:
Es war super….

Christian:
….einfach perfekt, um eine Tour zu starten.

Björn:
Und das ist jetzt eure erste Deutschlandtour, richtig? Was erwartet ihr, was auf euch zukommt?

Christian:
Jap, das sind die allerersten Shows für uns hier. Hauptsächlich erwarten wir einfach eine gute Zeit. Das klappt bisher gut. Für uns ist es auch einfach eine Art Abenteuer, weil wir auch mit anderen Bands noch nie in Deutschland gespielt haben.

Mads:
Der Plan ist, den Leuten hier unsere Band zu zeigen und auf uns aufmerksam zu machen. Abgesehen davon trinken wir hoffentlich viel deutsches Bier und haben eine gute Zeit.

Björn:
Worauf freut ihr euch bei einer Tour am meisten und worauf am wenigsten?

Stian:
Am meisten Spaß machen natürlich einfach die Shows selbst.

Christian:
Leute kennen zu lernen und sich die Orte anzuschauen, wo man spielt, wenn mal ein Off-Tag dazwischen ist. Und am schlimmsten ist das Warten….

Stian:
Ja, auf Tour wartet man viel und das macht natürlich überhaupt keinen Spaß.

Mads:
Toiletten fällt mir noch ein, das ist manchmal ein schwieriges Thema. In Deutschland war es bisher auf den Autobahnen aber vergleichsweise angenehm. In England ist das manchmal etwas schwierig, da fehlen die Toilettenringe und sowas….

Christian:
Aber wir sind Überlebende. Toiletten-Überlebende. Mit Survival-Kit.

Mads:
Wir bringen einfach unsere eigenen Toiletten-Ringe mit….

Stian:
….klar, personalisiert und alles, mit Namen drauf.

Björn:
Stelle ich mir witzig vor auf einer Party….

*Wir lachen alle eine Runde*

Okok, also ihr habt in den letzten zwei Jahren einiges veröffentlicht. Zwei EPs und eine LP, um genau zu sein. Verlasst ihr eigentlich jemals das Studio?

Christian:
Es fühlt sich so an, als wären wir viel zu lange nicht da gewesen.

Mads:
Eigentlich wollen wir im Moment gerne wieder dahin zurück, weil wir dieses Jahr so viel Live unterwegs waren. Die Albumaufnahmen waren einfach sehr produktiv, da ist auch noch Material liegengeblieben, was jetzt auf der neuen EP gelandet ist. Aber wir haben eine Menge neuer Ideen, die wir jetzt so schnell wie möglich gern umsetzen möchten.

Björn:
Plant ihr ein Album oder noch eine EP?

Mads:
Definitiv ein neues Album.

Björn:
Wie kommt es dazu, dass ihr so viel Material in so kurzer Zeit schreibt? Wie sieht so ein Kreativprozess bei euch aus?

Mads:
Zuallererst haben wir ein Mantra in der Band: Wir machen immer einfach den Song, den wir gerade machen wollen und denken nicht so viel über Genres oder Zugehörigkeiten nach und doktern auch nicht so viel am Song rum. Im kreativen Prozess einfach das Material erstmal fertig stellen. Und dann kann man immer noch schauen, ob man noch etwas verändern möchte, oder wo es dazu passt.

Christian:
Mads und Stian schreiben manchmal komplette Songs und bringen sie dann zu einer Probe mit und wir spielen sie dann als Band. Bei den längeren Songs schreiben wir oft gemeinsam und jammen sehr viel. Wir haben auch sehr verschiedene Ansätze, was das anbetrifft.

Mads:
Die Popsongs, die wir haben, gehen eigentlich immer sehr schnell. Ein Freund hat mir mal von einem Paul Simon-Zitat erzählt, der wohl auch sowas ähnliches gesagt hat: Schreib einfach erstmal den Song. Und dann kann man immer noch schauen, was man damit macht.

Björn:
Und woher kommen die Inspirationen für die Songs und vor allen Dingen für euren Sound? Denn es ist ja nicht so ganz einfach zu sagen, wo man euch jetzt zuordnen möchte, da kommen viele Einflüsse zusammen. Was sind die Bands, die euch beeinflusst haben und wie war die musikalische Szene in eurer Heimatstadt Oslo?

Mads:
Es ist alles sehr wenig kalkuliert, wir planen nicht, wie es klingen soll. Aber natürlich werden wir von anderen beeinflusst, das geschieht aber mehr instinktiv, weil wir schon so lange Musik machen und in verschiedenen Bands gespielt haben. Aber du hast natürlich recht, wir hören unterschiedliche Sachen, Punk, Indie und Hardcore und werden davon beeinflusst oder haben sogar früher in Bands dieser Genres gespielt.

Christian:
Wir kommen auch alle aus der gleichen Szene und sind mit Bands aus den frühen 2000ern, die damals aus Norwegen kamen, in dieser Szene aufgewachsen. JR Ewing oder Amulet zum Beispiel.

Björn:
Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass der Titeltrack „This Is Not The End“ nicht auf dem Album enthalten ist? Das ist offensichtlich einer der Songs, die bei den Aufnahmesessions übriggeblieben sind. Als ich den Song jetzt als Teil der „Running All The Way Home“-EP gehört habe, dachte ich mir nur „Wow, warum haben die den nicht mit aufs Album gepackt, der ist saugut“?

Mads:
Es ist kompliziert…..haha, naja wir haben einfach so viel aufgenommen und als wir dann beraten haben, welche Songs aufs Album sollen, haben wir entschieden, dass wir nicht zu viele schnelle Punksongs auf dem Debüt haben wollten, und es mehr ausgeglichen gestalten wollten.

Christian:
Weil wir zeigen wollten, dass wir nicht nur Punksongs schreiben, sondern auch noch andere Seiten haben.

Mads:
Wir waren aber immer noch der Meinung, dass der Titel ein guter Albumtitel wäre, daher haben wir ihn einfach behalten.

Christian:
Und das Label wollte dann gerne, dass wir den Song als Teil der neuen EP mitveröffentlichen.

Mads:
Es gab außerdem auch noch ein Soundproblem beim Mixen und der Songs wäre auch nicht rechtzeitig fertig geworden. Auf der EP hatten wir dann die Zeit dazu.

Björn:
Hat der letzte Song eures Albums „Forevermore“ zufällig irgendwas mit dem Edgar Allen Poe-Gedicht zu tun? Ich hatte beim Hören das Gefühl, dass das thematisch zueinander passt, der Songs ist ja sehr emotional und melancholisch….

Mads:
….absolut richtig, ich muss aber zugeben, dass es da keine geplante oder tiefere Verbindung gibt. Aber der Titel „Forevermore“ war auf jeden Fall etwas, das mir im Hinterkopf rumschwirrte. Das erste Mal habe ich das Gedicht bei den Simpsons gehört, kennst du die Halloweenfolge, wo das gesamte Gedicht mit Simpsons-Charakteren nachgespielt wird?

Björn:
Haha, jau, kenn ich

Mads:
Naja und später habe ich ein Faible für Horrorliteratur entwickelt, Poe, H.P. Lovecraft und sowas und dadurch wurde ich wohl davon beeinflusst. „Forevermore“ ist aber kein Horrorsong in dem Sinne.

Björn:
Klar, ich verstehe, aber es hat halt diesen melancholischen Vibe….

Mads:
….ja, das ist cool, dass du das so wahrgenommen hast, danke.

Björn:
Was hält denn die Zukunft für die Spielbergs bereit, was habt ihr so geplant? Ich habe so das Gefühl, dass eine Menge Leute zurzeit auf euch aufmerksam werden und das Interesse wächst….

Christian:
Ja, das hat man uns auch schon erzählt.

Mads:
Also es gibt keinen konkreten Plan. Als nächstes wollen wir erstmal ein gutes, zweites Album schreiben….

Christian:
….und dabei auch auf uns selbst zu achten. Wir müssen das alles auch irgendwie balancieren, wir haben in Norwegen alle normale Full-Time-Jobs und Freunde und Familie, und das darf auch nicht vernachlässigt werden.

Deswegen haben wir vor, nächstes Jahr weniger Live zu spielen und uns mehr aufs neue Album zu konzentrieren. Wir wollen den Spaß am Musik machen nicht verlieren, das war ja der ursprüngliche Grund, warum wir mit dieser Band angefangen haben. Und das hier soll eine Band sein, die länger als ein Album und zwei EPs lang durchhält. Dann muss man aber darauf achten, nicht auszubrennen.

Mads:
Christian spricht im Moment mit einigen Leuten, die Interesse daran haben mit uns zusammenzuarbeiten, wir müssen einfach schauen was dabei rauskommt und was sich realisieren lässt. Wir sind auf jeden Fall sehr dankbar dafür, dass so ein Interesse besteht, denn das brauchen wir natürlich, um auf Tour sein zu können und unsere Musik zu veröffentlichen.