Fast genau zwei Jahre nachdem wir anlässlich der letzten Veröffentlichung schon ein paar Worte gewechselt hatten, freue ich mich sehr das die Herren von SONDASCHULE nochmal bereit waren, unserem Magazin die eine oder andere Frage zu beantworten.

Was Costa über das neue Album „Schere, Stein, Papier“, das anstehende eigene Open Air und die aktuelle Lage zu sagen hat? …schaut einfach hier!

 

Moin Costa… und vielen Dank, dass Du Dir quasi auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Interview wieder ein wenig Zeit für uns genommen hast!
Sehr gerne.

Euer neues Album „Schere, Stein, Papier“ steht ja jetzt seit gut sechs Wochen in den Regalen der Platten-Dealer. Wie zufrieden seid ihr mit der Resonanz… ich meine ein Platz 7 in den Deutschen-Albumcharts kann sich ja sehen lassen, oder?!
Wir sind absolut glücklich und mehr als nur zufrieden mit der Resonanz zu Schere, Stein, Papier“. Besonders freuen wir uns wie gut die Songs live funktionieren. Vor allem bei „Waffenschein bei Aldi“ und „Arschlochmensch“ rasten bisher alle Festivals komplett aus.

Ungelogen, mich hat wieder jede Nummer begeistert und auch unsere Jungs (mittlerweile 11 und 6) sind bei fast jedem Song laut singend dabei – die beiden haben sich übrigens deinen Tipp „Bleibt anders, bleibt frei!“ aus dem letzten Interview sehr zu Herzen genommen! 😉
Wann habt ihr eigentlich eure Liebe zu Amsterdam entdeckt?
Das war bereits sehr früh, da wir ja nur 50 Kilometer von der holländischen Grenze entfernt geboren und aufgewachsen sind. Da ist man dann als Kind mit den Eltern im Sommer immer mal nach Holland gefahren und später dann als Jugendlicher mit den Freunden Zelten und Skateboard fahren. Wir haben immer schon gerne die entspannte Lebensweise der Niederländer genossen. Mit 18, als wir dann einen Führerschein hatten, war Amsterdam die nächstgelegene Party-Metropole. Daher verbinde ich seit meiner Volljährigkeit sehr viele schöne Momente mit dieser Stadt. Vor allem Sylvester in Amsterdam kann ich allen nur empfehlen!

Mir ist aufgefallen, dass ihr – nachdem ihr euch auf dem letzten Album noch sehr mit der Heimat, also dem Ruhrpott beschäftigt hattet – nun sehr viele politische bzw. sozialkritische Inhalte mitbringt. Ich denke alleine nur an den „Waffenschein bei ALDI“ oder an „Ostberlin“ bzw. „Arschlochmensch“.
Wurde es Zeit, nun endlich Eure Wut über die ganzen „besorgten Bürger“ und die engstirnigen ewiggestrigen Vollidioten freien Lauf zu lassen, oder wie kam es dazu, dass ihr euer bisher politischstes Album der Bandgeschichte veröffentlicht habt?
Auf jeden Fall. Geplant war das allerdings nicht. Während der Zeit im Studio hat sich aber in der Welt um uns herum gefühlt einfach alles schlagartig verändert. Zuerst kam die Flüchtlingskrise, der auch einige in meinem Umfeld plötzlich kritisch gegenüberstanden, die AFD gewann konstant mehr Wählerstimmen, Donald Duck… ähh Trump wurde zum Präsidenten der USA ernannt und die CDU regiert mittlerweile NRW. Ich konnte das alles nicht so wirklich glauben. Und da mich diese Themen in der gesamten Schaffensphase des Albums begleitet haben und ich schon immer in meinen Texten einfach ausspreche was ich denke, ist das Album textlich zu dem geworden was es ist.

Das Leben ist „Zu kurz um lang zu denken“, weshalb man ja mittlerweile wegen dem ganzen Irrsinn um uns herum oftmals den Fernseher lieber auslässt. Die Idioten sind in den „Sozialen Medien“ aber so aktiv wie nie zuvor. Was meinst du, wie viel Einfluss hat man als Band? Oder anders gefragt, nutzen viel zu wenige Menschen aus der Öffentlichkeit ihre Möglichkeit, ihren Einfluss auf die noch nicht total verirrten Menschen auszuüben?
Ich sag mal so, natürlich würde ich mir wünschen, dass viel mehr Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, sich momentan klarer politisch positionieren würden. Vor allem Personen, von denen man weiß, dass sie haufenweise verirrte Menschen anziehen, sich aber absolut nicht positionieren und den Mantel des Schweigens über ihr komplettes Privatleben und ihre persönliche Meinung legen. Aber das ist auch völlig OK, denn es ist eine persönliche Entscheidung und man kann niemanden zwingen. Muss man auch nicht. Ich kann meine kleine Welt selbst ein Stück verändern mit dem was ich sage und tue. Was Helene Fische macht, kann und will ich nicht entscheiden.

Aber auch zwischenmenschliche bzw. persönliche Töne wie bei „Nicht immer leicht“ haben eine Platz gefunden… wer hatte denn hier während der Aufnahmen zu „Schere, Stein, Papier“ seinen Liebeskummer zu bekämpfen – wie ist das überhaupt bei euch, schreibst du ausschließlich die Texte, oder bringen die Anderen ihre Ideen auch mit ein?
Die Texte stammen allesamt aus meiner Feder und sind im Grunde alle autobiographisch. Auf diesem Album bin ich einfach noch einen Schritt weiter gegangen was persönliche Dinge angeht, aber warum auch nicht. Alle kennen und haben diese Gefühle, also warum nicht einfach mal die Eier auf den Tisch legen und seine Schwächen zugeben. Mir hilft es meistens die Dinge besser zu verarbeiten wenn ich sie der ganzen Welt erzähle.

Inhaltlich halten sich Licht und Schatten dieses Mal ja irgendwie die Waage und ihr habt zum Ausgleich für die ganzen Missstände eine ganze Menge Gold dabei, ich sage nur „Gold Digger“ oder die letzte Nummer „Goldene Tapete“ – wisst ihr nach den letzten Erfolgen nicht mehr wohin mit eurer Kohle? 😉
Hahaha, ganz so schlimm ist es nicht. Die „Goldene Tapete“ ist eine Homage an meine Lieblingskneipe in Mülheim. Da gibt es eine kleine Ecke am Stammtisch, die, seitdem ich denken kann, eine goldene Tapete hat. Vielleicht war die auch mal weiß vor 40 Jahren, man durfte ja bis vor ein paar Jahren noch in Kneipen rauchen!?

Letztes Jahr habe ich euch noch auf dem Deichbrand-Festival gesehen und dieses Jahr wurdet ihr von vielen Besuchern vermisst. 2018 erwarten wir euch also wieder hier oben… aber dieses Mal – wenn ich mir eure letzten Festival-Gigs anschaue, wo ihr Nachmittags vor Zehntausenden auf den großen Bühnen abgefeiert wurdet – hoffentlich nicht mehr donnerstags im Palastzelt, sondern auf den großen Bühnen, oder?!
Von uns aus sehr gerne! Wir haben Zeit!

Am 09.09.2017 steht ja nun eure große Geburtstags-Sause, das 15 JAHRE SONDASCHULE & FREUNDE OPEN AIR im Amphitheater in Gelsenkirchen an. Bei so vielen geilen Bands stellt sich immer auch die Frage, wer die Auswahl getroffen hat – sind das alles Lieblings-Bands von euch oder wie kam das Ganze überhaupt zustande?
Die Auswahl der Bands war relativ einfach. Normalerweise stehen bei einem solchen Großevent ja diverse Booking-Agenturen der verschiedenen Bands in Kontakt und alles geht über acht Ecken. Daher hab ich einfach zum Telefon gegriffen und alle Bands persönlich angerufen, von unserer Idee erzählt und alle hatten tierisch Bock drauf. Es ist ja jetzt so etwas wie ein Familientreffen. Alle Bands kennen wir seit 8 – 15 Jahren und wir haben alle schon unzählige Male miteinander gespielt, aber noch nie alle zusammen. Daher MUSS man das doch endlich mal machen.
Und wo sind eigentlich die Donots? 😉
Leider sind die alten Lausbuben zeitlich nicht alle verfügbar an dem Termin. Auch die Kassierer hatten wir eingeladen und sie wären gerne gekommen. Leider ist Nico an dem Wochenende im wohlverdienten Urlaub. Liebe Grüße an dieser Stelle.

Was kommt nach den großen Feierlichkeiten… wie sehen die Planungen für die nähere Zukunft aus? Wie wär’s denn mit einem schicken Tour-Film, die Pascows haben da ja bereits beeindruckend vorgelegt!
Wir sind da was am planen dran“ wie Schlucke so schön sagte. Genaues darf aber noch nicht verraten werden. Wir gehen jetzt erstmal im Oktober, November auf große „Schere, Stein, Papier“-Tour durch die Clubs des Landes und sitzen zu Hause schon wieder an den ersten neuen Songs. 2017 war schon gut, 2018 wird besser!

Zum Ende des Interviews bleibt mir eigentlich nur Dir für deine Zeit zu danken und mit der Frage, was du vielleicht später – in einigen vielen Jahren – mal über SONDASCHULE lesen möchtest, verabschiede ich mich und wünsche mir noch viele geile Alben und Auftritte von Euch!
Das überlasse ich lieber anderen! Von mir aus können alle über uns schreiben was sie wollen, die Hauptsache ist, wir können weiterhin das tun was wir lieben und sie schreiben in einigen vielen Jahren überhaupt noch über uns. Das würde mir schon reichen.

 

Titel:
1. Amsterdam
2. Waffenschein bei ALDI
3. Schere, Stein, Papier
4. Palermo
5. Mond
6. Ostberlin
7. Arschlochmensch
8. Gold Digger
9. Du und Ich
10. Nicht immer leicht
11. Zu kurz um lang zu denken
12. Mein Herz
13. Goldene Tapete

 

Und wer sich die Jungs noch nie live gegönnt hat, der sollte dies schnell nachholen… denn Sondaschule lohnt sich live immer!
09.09.2017 SONDASCHULE OPEN AIR – Gelsenkirchen – Amphitheater (Release-Party + 15 Jahre Live)
27.10.2017 Wiesbaden – Schlachthof
28.10.2017 Hamburg – Gruenspan
29.10.2017 Berlin, SO36
30.10.2017 Leipzig – Conne Island
31.10.2017 Nürnberg – Hirsch
02.11.2017 Stuttgart – Im Wizemann
03.11.2017 München – Technikum
04.11.2017 Wien – Flex Cafe
22.11.2017 Hannover – Faust
23.11.2017 Bremen – Lagerhaus
24.11.2017 Osnabrück – Kleine Freiheit

Fotos (C) Bastian Harting

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