Nachdem ich die ROGERS in den letzten beiden Jahren jeweils auf dem Deichbrand-Festival gesehen und ich mir auch eine Meinung zu ihrem letzten Album „Nichts zu verlieren“ gebildet hatte, wurde es nun anlässlich ihrer neuen Veröffentlichung „Augen auf“ – die am 08.09.17 an den Start geht – Zeit mal das eine oder andere Wort mit Chri, dem Sänger der Düsseldorfer Punkrocker zu wechseln!

Na dann mal Augen auf und ab dafür!

 

Moin, schön dass du dir ein paar Minuten Zeit für uns nimmst – und das obwohl ihr ja dank der vielen Festivals die ihr im Moment spielt beim Thema Zeit durchaus mal ins Straucheln kommen könntet, oder?
Hallo zusammen!
Achja, aber du vergisst diese gähnend langen Autofahrten. Da kommt so ein Interview doch ganz nett daher.

Gibt es überhaupt ein größeres Festival, auf dem ihr dieses Jahr nicht gespielt habt? Was hattet ihr diesen Festival-Sommer für Erlebnisse, an die ihr euch vielleicht in der bald anstehenden ruhigeren Zeit bei einer Tasse Glühwein nochmal zurück erinnern werdet? Gibt es Highlights, was lief anders als erwartet?
Ich denke, dass die wichtigsten und schönstes Highlights im Sommer die gemeinsame Zeit mit der Crew und der Band sind. Laue, betrunkene Sommernächte zu feiern und wieder ein Stück zusammen und weiter wachsen, Spaß zu haben, neue Leute kennen zu lernen und Sorgen mal am Eingang abzustellen.

Normalerweise treten Bands ja immer höchstens alle zwei Jahre bei uns hier oben auf dem Deichbrand auf, ihr habt die Hütte direkt zweimal hintereinander gerockt – wie kam`s?
‚Wenn das Leben dir Zitronen gibt…‘

Nun steht ja mit „Augen auf“ das neue Album in den Startlöchern. Ich durfte bereits rein hören und bin sehr begeistert von den neuen Nummern! Wie würdet ihr euren Fans die neue Scheibe in kurzen knappen Worten erklären wollen?
Die Geschichten der Songs sind greifbarer geworden, hier und dort auch erzählerischer und emotionaler, aber ohne an Punkrock verloren zu haben.

Schon der Opener „Nie euer Land“ zeigt einem, dass ihr unsagbar wütend seid… auf die ganzen engstirnigen ewig Gestrigen, die ihren verkappten Stolz – auf was auch immer – spazieren tragen. Schon immer politisch, legt ihr noch eine ordentliche Schüppe drauf… wie so manch andere Band mittlerweile zum Glück auch, oder?!
Wird nicht auch – gerade wenn man sich die einflussreichen Personen im öffentlichen Leben anschaut – immer noch viel zu wenig Stellung gegen Rassismus und Ausgrenzung jeglicher Art bezogen? Was muss denn noch passieren, damit endlich was „passiert“?

Oha, das ist eine harte Weltverbessererfrage, darüber könnte man Bücher schreiben. Ich für meinen Teil denke, und das ist eigentlich sehr schade, dass es den Menschen in Deutschland viel zu gut geht und sich hart einscheißen würden, müssten sie mit einer möglichen Konsequenz ihres Handelns und ihrer Weltvorstellung leben. Die Menschen müssten erst einmal ihren eigenen Frieden finden. Jeder für sich.

Irgendwie wollten wir ja alle schon immer „Helden sein“… wie habt ihr denn Sebastian Madsen für diese Helden-Hymne, diesen Ohrwurm gewonnen?
Angerufen… Telefon… dieses Ding aus den 90ern.

Nachdem die „Nachbarn von Oben“ den Auszug abfeiern, stellt ihr eindrucksvoll klar, dass ihr gerne gegen die gesellschaftlichen Zwängen rebelliert, anders kann man „Einen Scheiss muss ich“ ja eigentlich auch nicht verstehen. Ist das quasi durch die Blume ein Aufruf zur Revolte? 😉
Wir würden niemals nicht dazu aufrufen nicht das zu tun, was man nicht gerne nicht tun würde.

Wohin“ es „Mit mir“ geht ist ja auch egal, denn irgendwann ist eh alles „Vorbei“… woher kommt überhaupt die Motivation immer wieder neue Songs zu schreiben, wenn doch eh alles den Bach runter geht?
Das es den Bach runtergeht kannst du eh nicht verändern. So kannst du dir wenigstens den Frust von der Seele schreiben.

Hört man sich alle Songs an, dann kann man sagen, dass „Augen auf“ neben der politischen Komponente bisher mit Abstand eure sozial- und gesellschaftskritischste Scheibe – noch mal eben „Mensch“ als Beispiel eingeworfen – geworden ist, oder?!
Zwischen den Zeilen war das ja schon immer da, aber dieses mal wollten wir es den Leuten direkt ins Gesicht klatschen und nicht alles durch die Blume zu schreien.

Da ich euch schon seit einigen Jahren verfolge, sehe ich gelegentlich musikalische Parallelen zu den Jungs von Massendefekt. Kennt ihr euch… oder teilt ihr euch vielleicht sogar den Proberaum? 😉
Massendefekt… Nee, nie gehört.

Eure drei Release-Shows sind jetzt schon komplett ausverkauft. Mit Datenschmutz, Vollkommen Egal und NORDN sind drei geile Bands dabei… wie kam es genau zu diesen Combos, Wunsch oder Zufall?
Wunsch! Datenschmutz sind gute Jungs, haben wir über unseren Fanclub kennengelernt, dazu machen sie noch echt gute Musik und trinkfest sind sie auch. Vollkommen Egal sind richtig alte, gute Freunde, und wir haben uns vor urlanger Zeit mal einen Proberaum geteilt und mit NORDN wollten wir mal was Punkrockuntypisches auf die Leute loslassen und freuen uns sehr, dass die Jungs dabei sind.

Im Januar startet ja dann eure „Einen Scheiss Muss Ich“ Tour. Könnt bzw. wollt ihr schon verraten, wer euch supporten wird?
Nein. Aber wird gut. Bestimmt.

Apropos Tour, ihr seid ja ständig unterwegs. Mit welchen Bands könnt ihr besonders gut… mit wem trinkt ihr immer ganz besonders gerne Backstage genüsslich ein „Feierabend-Bierchen“?
Die Traumbandfreundschaft der Herzen ist und bleibt unsere romantische Beziehung mit Radio Havanna. Aber wir trinken mit jedem gerne, der nicht komplett verquere Ansichten hat.

Mit der Schlagzahl, mit der ihr unterwegs seid können Arbeitgeber ja in der Regel nicht umgehen. Wie kriegt man den Spagat zwischen Job und Musik hin, oder könnt ihr mittlerweile dank des Erfolges auf die klassischen „Nine-To-Five“ Jobs verzichten und trotzdem eure Miete bezahlen?
Es ist hier und da manchmal nicht leicht, zum Beispiel wenn man viel lieber schlafen möchte, als Interviews zu beantworten. Aber dieses Feuer was in einem brennt will einfach nicht ausgehen und deswegen schafft man alles was man möchte. Auch Miete zahlen.

Zum Ende hin würde ich gerne noch ein paar kurze Sätze in den Raum werfen, die ihr ganz nach Belieben spontan ergänzen könnt…

Düsseldorf ist von jeher eine geile Musikerstadt (DTH, Broilers, Massendefekt, Callejon, Rogers usw.), weil… alle auf Absprache die gleichen drei Akkorde in verschiedenen Reihenfolgen immer wieder spielen. Aber das ist geheim.

Eine Frage die im Bezug zu eurer Heimatstadt nicht fehlen darf: Alt oder Pils… oder gar Kölsch? 😉 Gatzweilers Alt.

In den letzten beiden Jahren haben sich sehr viele geile Musiker für immer vom Globus verabschiedet… wessen Tod hat euch ganz besonders getroffen bzw. betroffen gemacht?
Puh, bin ich raus. Lemmy fand ich traurig, der war bestimmt ne gute Type.

Was würdet ihr gerne am Abend des 24. September (Bundestagswahl 2017) als Schlagzeile lesen?
Politik leider heute aus, dafür Eiscreme für alle.

Und abschließend vielleicht noch ein paar liebe Worte für den allseits beliebten Herrn Trump? 😀
Doch keine Eiscreme für alle.

Das war`s auch schon… vielen Dank für eure Zeit und ich hoffe wir sehen uns nächstes Jahr wieder beim Deichbrand-Festival… dann aber auf ein Bierchen, gell?! Denn alle guten Dingen sind ja bekanntlich Drei!
Wir freuen uns sehr! Bis dahin auf wiedergesehen.

 

Demnächst gibt es dann auch noch mehr Futter zum neuen Album… hier schon einmal in Kürze:

Titel:
1. Nie euer Land
2. Augen auf
3. Helden sein – Rogers feat. Sebastian Madsen
4. Die Nachbarn von Oben
5. Einen Scheiss muss ich
6. Wohin
7. Vorbei
8. Sie hören zu
9. Unter Tränen
10. Mit mir
11. Tagesschau
12. Mensch
13. Früher

… und hier die bereits feststehenden Tourdaten der „Einen Scheiss Muss Ich“ Tour:

25.01.18 Bremen – Tower Musikclub
26.01.18 Münster – Sputnikhalle Münster
27.01.18 Köln – Gebäude 9
31.01.18 Wien – ARENA WIEN
01.02.18 München – Backstage München
02.02.18 Stuttgart – Goldmark’s
03.02.18 Wiesbaden – Schlachthof Wiesbaden
05.02.18 Secret Gig
06.02.18 Saarbrücken – Kleiner Klub
07.02.18 Zürich – Dynamo Zürich (offiziell)
08.02.18 Nürnberg – Z-Bau
09.02.18 Leipzig – Conne Island
10.02.18 Berlin – Musik & Frieden
15.02.18 Hannover – MusikZentrum Hannover
16.02.18 Hamburg – Logo Hamburg

 

Bandfotos: Dana Blex – Küstenfuchs Photographie

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