Nachdem mich die bei Gunner Records veröffentlichte EP „Am Ende war nicht alles schlecht“ tierisch begeistert hat, haben wir uns für eine handwritten session und ein kleines Interview mit Redensart aus Freiburg beim Hadeln Rocks Festival an der Elbe getroffen und ein wenig geplaudert.

 

Sven: Mit dem deutschsprachigen SongwriterFolkPop seid ihr ja in einer eher Poporientierten Ecke angekommen. Wenn ich das richtig weiß, kommt ihr aus einer anderen musikalischen Richtung, oder?

Gabbo: Also ursprünglich angefangen habe wir alle in Punkbands und spielen auch teilweise noch in Punksbands. So haben wir uns auch über die Jahre kennengelernt, sind gute Freunde geworden und das wurde dann ein Selbstläufer.

Sven: Und habt ihr euch dann überlegt, ihr wollt jetzt mal was anderes machen?

Danny: Ich glaub das war gar keine bewusste Entscheidung. Die Band ist ja im Grunde in einem Moment entstanden, wo wir nicht mehr Musik machen konnten wie wir es vorher gemacht haben. Wir sind auseinander gezogen und dann gab es die Punkband nicht mehr, in der ich ursprünglich mit Markus gespielt habe. Ich hab für mich dann angefangen neue Musik zu entdecken. Mit Akustikgitarre. Einfach auch andere Musik zu schreiben. Ich habe immer auch andere Musik gehört als Punk. Habe aber immer hauptsächlich Punkrock gespielt. Da es dann plötzlich keine Band mehr gab, ich aber weiter Musik machen wollte, hat sich das so entwickelt. Da ich weniger Leute aus der Poprichtung kannte, sondern nur Leute aus Punkbands, kam das so. Pop ist immer irgendwie so negativ behaftet. Es gibt auch supergute Musik, die unter Pop läuft, aber mega gut ist.

Laurin: Aber irgendwie auch nur für einige Leute. Wenn du so aus dem Punkrock kommst, ist das oft so „Pop ist halt scheiße“. Es hat ja schon einen Sinn das es Popmusik gibt. Ein großer Teil der Leute findet es halt auch cool.

Sven: Ich hätte es auch mit auf das Alter geschoben. Mit 18, Skateboard unter den Füßen und Punkrock im Ohr ist halt Pop scheiße. Das muss da so.

Laurin: Ich glaube schon das es so ne Entwicklungsgeschichte ist. Aber wir können uns ja alle noch mit den Sachen die wir früher gemacht oder gehört haben identifizieren. Das finden wir immer noch geil und würden es immer noch feiern. Und genauso das was wir noch in anderen Projekten machen. Es ist ja aber so, dass man älter wird und mehr Sachen sieht und mehr Sachen hört und sein Feld dadurch erweitert.

Sven: Wenn man nicht gerade Brian Fallon mit „Sailartattoos“ und „True Love“ und so ist, lässt man im Punk ja eher die Sau raus. Ist es vielleicht auch die Tatsache, dass ihr euch im Alter mehr Gedanken über das macht was so passiert? Also das man vielleicht mit Redensart Texte macht, die ihr mit euren Punkprojekten gar nicht machen würdet?

Danny: Darüber habe ich mir schon viele Gedanken gemacht, ehrlich gesagt. Auch ob in der Punkband, in der ich sonst mit Gabbo und Markus spiele und die deutsche Texte hat, Redensarttexte funktionieren würden. Können vielleicht andere besser beurteilen, aber ich merke nicht so einen krassen Unterschied. So zu der Art Texte zu schreiben. Ich kann da auch ganz schlecht trennen. Es sind so Themen, die einen beschäftigen und die kann man halt unterschiedlich verpacken.

Sven: Es gibt ja momentan haufenweise diese folkigen Songwriterbands und Songwriter. Die schreiben aber fast ausschließlich englische Texte. Ihr stecht da mit deutschen Texten ziemlich raus. Habt ihr mal über englische Texte nachgedacht oder war das nie Thema?

Markus: Also ich glaub für das Projekt Redensart nicht. Seit ich Danny kenne schreibt er für Bandprojekte deutsche Texte. Ich glaub da gab es nie so eine Entscheidung oder so. Es hat sich so wahrscheinlich immer gut angefühlt für ihn.

Gabbo: Ich find das auch irgendwie spannend, dass die Leute die unsere Punkbands gehört haben, auch Redensart cool finden. Die kommen, besonders in unserer Heimat, auch zu unseren Konzerten, haben sich äußerlich nun auch nicht unbedingt viel verändert, aber feiern das trotzdem ab.

Danny: Was auch wichtig ist, ist das es vor allem Live szeneübergreifend funktioniert. Einige Leute hören die Platte und mögen es, andere Leute können auf Platte nicht soviel damit anfangen. Aber live funktioniert es dann eben auch bei denen vielleicht und man vergisst dieses „Pop“ einfach.

Sven: Die Tour mit Tonbandgerät. Hat sich für euch als Band da etwas verändert? Mehr Anfragen oder Bandabläufe aus der Hand geben?

Danny: Wir haben schon zwei Jahre vorher mit Tonbandgerät in Freiburg gespielt und die da kennengelernt. Die Band hat sich über die Jahre ja schon entwickelt, aber das mit der Tour war dann schon so ein Moment, wo wir gedacht haben „Ok, krass. Wir können da echt ne große Tour spielen. Da werden uns verdammt viele Leute sehen“. Wir haben dann viel mit anderen Leuten zusammen gearbeitet. Felix von Flix (Anm. d. Red. Flix Agency) hat dann viel für uns gemacht, so Tourmäßig. Wir hatten dann schon Bock möglichst viel zu machen, aber wir machen noch immer den größten Teil irgendwie selber, wenn nicht gerad alles.

Laurin: Wir haben halt durch die Tour schon einige Sachen, die wir sonst nicht gehabt hätten. Shows die wir sonst nicht gespielt hätten. Tini (Organisatorin vom Hadeln Rocks Festival) hat uns z.B. auch so kennengelernt und dann gefragt ob wir Bock hätten hier zu spielen. Es ist halt was anderes als in unserer Heimat. Das sind unsere Freunde. Die kommen weil die uns mögen.

Danny: Gerade so der Moment wo wir dieses Jahr in Hannover gespielt haben. Wir haben zwar mega viele Konzerte gespielt dieses Jahr, aber in Hannover haben wir nach der Supportshow für Tonbandgerät eine Show gespielt und da kamen soviele Leute. Wir dachten dann schon „Ok, krass. Die kommen jetzt echt wegen der Mucke so hierher“.

Gabbo: Und das war übrigens das erste Mal unser Name auf einem Ticket!

Sven: Mit Gunnar und Gunner Records seid ihr ja auf einem schönen Punkrocklabel in Bremen gelandet. Ihr fallt auch da ja mit eurer Musik ein wenig aus dem Rahmen. Macht sich das bemerkbar?

Laurin: Mir Gunnar arbeiten ist super. Wir kennen uns, was wichtig ist, und wir schätzen die Arbeit die er macht. Er hat so ein paar Prinzipien, die wir als Band auch haben.

Sven: Was sind das denn für Prinzipien?

Laurin: Ja, wir machen viel selber, weil wir das wichtig finden. Wir wollen nicht so klingen, wie wir nicht klingen wollen. Wir wollen nicht irgendetwas aufsetzen, was wir dann kacke finden. Wir wollen wie wir selbst sein. Und solche Bands hat der Gunnar auch nur bei sich. Klar machen die eher Punkrock, weil das wohl auch eher so sein Ding ist, aber es ist gut mit ihm zu arbeiten, da er in vielen Dingen halt einfach denkt wie wir. Das ist schön.

Danny: Und dann wollte er die Platte mit uns rausbringen. Da hat schon Frank Turner eine Platte rausgebracht. Gaslight Anthem. Das sind halt alles Musiker, die wir total feiern. Deshalb ist das natürlich auch ein Stück weit eine Ehre, dass er das mit uns auch macht und scheinbar gut findet.

Sven: Was dürfen wir als nächsten Schritt erwarten?

Danny: Wir haben viele neue Songs, haben aber noch nichts in Richtung neue Platte geplant. Wir wollen erstmal viel live spielen. Neue Songs kommen, sind schon da, aber wie die veröffentlicht werden, steht noch nicht fest.

 

Vielen Dank Redensart! Prost!

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