Gerade die Debut-EP rausgebracht (hier unser Review dazu) und schon auf dicker Tour. Freunde jeglicher Form von Punkrock und insbesondere von Melodic-Punkrock sollten auf jeden Fall eine der zahlreichen Shows besuchen, welche die vier Münsteraner von Shoreline in den kommenden Wochen, unter anderem als Support für Great Collapse, spielen. Unfassbar gut! Geht da hin!
(Alle Tourdates weiter unten!)

Ich durfte mich vor dem Konzert im B58 in Braunschweig mit Sänger Hansol und Drummer Martin ein bisschen über die Tour und die neue Platte „You used to be a Safe Place“ unterhalten:

 

Lucas: Ihr habt gerade eure Debut-EP über Uncle M released, aufgenommmen im Kapputmacher Studio, auf Vinyl gepresst und jetzt auf Tour mit Great Collapse insgesamt 8 Shows und danach eine Europa-Tour mit 22 Shows in Deutschland, Österreich, Tschechien, England, Belgien Slowenien und Kroatien. Besser kann man wohl kaum eine EP rausbringen. Wie fühlt ihr euch jetzt am Anfang von alledem?

Martin: Man hat jetzt vier bis fünf Monate auf das alles hingearbeitet und jetzt auf einmal ist das alles da und real und wir spielen jetzt mit unseren Jugendidolen zusammen und sehen die eine Woche lang jeden Abend. Das ist nach ‘nem halben Jahr das erste Mal, dass wir endlich wieder länger als nur zwei Tage am Stück zusammen unterwegs sind.

Hansol:  Jau. Das ist superschön! So zusammenfassend.

 

Lucas: Wie war der Tourstart gestern in Wermelskirchen?

Hansol: Mega gut. Waren viel mehr Leute da als wir ursprünglich dachten… so um die 120?! Keiner von uns kannte den Laden so richtig und das war einfach alles noch größer als wir dachten. Uns war klar, dass die Shows jetzt nicht „mini“ werden, aber das hätte ich jetzt so nicht erwartet. Aber wir wissen ja auch noch nicht wie so die nächsten Wochen werden, das war ja gestern gerade erst die erste Show. Also super cool… aber uns wurden zwei T-shirts geklaut… nicht so cool!

 

Lucas: Ihr seid jetzt ’ne ganze Weile unterwegs, gibt es ein Konzert, ’nen Trip auf den ihr euch besonders freut?

Martin: Also ich bin echt gespannt auf Osteuropa, Kroatien und Slowenien, weil das einfach so ‘ne Ecke ist wo wir noch gar nicht waren. Ich bin echt gespannt wie die Leute da so sind.

Hansol: Ich freu mich vor allem auf die Konzerte ab Prag, weil wir dann eigentlich nur noch Shows spielen wo wir vorher schonmal waren und Leute kennen.

Martin: Genau. Am Ende sind wir dann ja in England und da spielen wir nochmal ähm…7 (?) Shows mit Blankets zusammen. Das sind einfach supergute Freunde von uns aus Münster und das wird auf jeden Fall ’ne gute Zeit!

 

Lucas: Was ist die verrückteste oder merkwürdigste Tourgeschichte die ihr erzählen könnt?

Martin: Merkwürdig ist oft unser Routing, weil wir immer so viele Wege doppelt fahren müssen. (lacht) Aber diesmal haben wir da Glück!

Hansol: Wir waren letzten September auf Tour und da waren wir in den Niederlanden in Utrecht, wo wir in so ‘nem besetzten Haus gespielt haben… nur das war halt kein besetztes Haus, sondern eine besetzte Autohalle. Das war unfassbar groß, drei oder vier so leerstehende Hallen aneinander gereiht und überall standen Marihuanapflanzen rum. War auch ‘n bisschen gruselig. Aber die Leute waren saunett. Es gab aber auch keinen Strom und wir haben dann über einen Generator gespielt… aber die Show war richtig gut, waren auch echt viele Leute da.

Martin: Ja, über den Winter hatten da irgendwie auch die ganzen Zirkusleute ihre Wagen stehen und haben da gewohnt oder kamen wieder an dem Wochenende.

Hansol: Ich glaub auch relativ viele Studenten. Utrecht ist glaube ich auch ‘ne richtig große Studentenstadt.

 

Lucas: „You used to be a safe Place“ ist eine Themen-EP mit vier Songs. Worum geht es bei der Platte?

Hansol: Alle Songs sind so in dem Zeitraum 2016 entstanden und das war irgendwie ein komisches Jahr für mich. Ich hatte viel Stress mit einer sehr ungesunden Beziehung und musste gleichzeitig noch mein Staatsexamen schreiben. Da kam einfach sehr viel zusammen und in der Zeit sind die meisten Songs entstanden, die jetzt auf der Platte sind. Allgemein geht’s darum, dass man Konflikte mit Menschen hat, die man sehr, sehr gerne hat, gepaart mit… schlechtem Timing.

 

Lucas: Wusstet ihr von Anfang an, dass ihr eine Themenplatte machen wollt?

Martin: Nee, wir haben einfach nur geguckt welche Songs musikalisch am besten hintereinander passen und später hat sich dann erst rausgestellt, dass die Songs eine Geschichte erzählen, nur in der eigentlich „verkehrten“ Reihenfolge.

Lucas: Und als ihr Shoreline gegründet habt, wusstet ihr da, dass ihr so klingen wollt wie ihr jetzt auf der Platte klingt, oder hat sich das über die Zeit einfach so ergeben?

Martin: Also, wir wollten schon immer melodischen Punkrock machen, die meisten Einflüsse haben Hansol und Julius reingebracht und hatten mich dann als Drummer dazu geholt und mich wieder ein bisschen in Richtung Punkrock getrieben.

Lucas: Was hast du vorher gemacht?

Martin: Vorher hab ich in einer Hardcore-Band gespielt, bisschen mehr Midtempo-Geballer und so. Aber konkret zum Sound auf der Platte, da hat viel auch einfach Jochen vom Kaputtmacher Studio gemacht. Wir haben mit ihm an unseren Demos gearbeitet und so einfach das Maximum rausholen können.

 

Lucas: Habt ihr einen Lieblingssong von der Platte? Welcher macht besonders Bock live?

Hansol: „Sad Kids to the Front“. Das ist zwar nicht die Single geworden, aber rein vom Spielen her gefällt der mir am besten.

Martin: Ich glaub‘ für mich ist es eher „Recovery“, der bringt so ein paar mehr Hardcore-Aspekte mit ein und geht besser nach vorne.

 

Lucas: Gerade als junge Band muss man sich um viele Sachen gleichzeitig kümmern – Booking, Sound, Songwriting, Fotos, Artwork-Design, Videos, Social-Media usw. Stoßt ihr da manchmal an eure Grenzen? Wie ist die Aufgabenverteilung bei euch?

Martin: Ehrlich gesagt macht Hansol da super viel. Man versucht ihn immer zu entlasten, aber das ist schwierig da rein zu kommen, weil Hansol hat da einfach ein ganz klares Konzept und macht das auch immer, wenn er dann gerade Zeit dafür hat. Gerade das Booking. Auf Konzerten ist er dann immer so der Socializer, der neue Kontakte und Menschen kennenlernt, sich stundenlang hinsetzt und E-Mails schreibt und auch den Kontakt jetzt zu Uncle M hergestellt hat.

Hansol: Das schwierige ist, dass viel darauf hinausläuft, dass wenn man jemanden kennen lernt, zum Beispiel von einer anderen Band, dann ist das oft so, dass diese Person nicht nur Booking macht, sondern gleich noch drei, vier andere Sachen und dann ist es immer gut wenn der, der Kontakt aufnimmt, direkt auch alle diese Sachen macht. Auch nach außen hin ist es einfacher eine konkrete Ansprechperson zu haben. Aber ich mach auch nicht alles. Layoutkram macht Martin zum Beispiel viel und solche Sachen die man schnell unterschätzt wie Merch-Koordination oder so das machen die anderen auch alles.

 

Lucas: Ihr kommt aus Münster und Umgebung, die Punkrock-Szene in Münster blüht auf wie kaum eine andere in Deutschland, warum glaubt ihr, ist das so?

Martin: Ich glaub einerseits weil´s einfach ‘ne Studentenstadt ist und dann haben wir auch das Proberaumzentrum am Güterbahnhof, wo jeder einfach jeden kennt. Dann haben wir noch die Baracke, die man als Veranstalter einfach super günstig mieten kann und ohne großes Risiko Bands aus Amerika oder England einladen kann. Und dann gibt es irgendwie einfach super viele motivierte Menschen, die Spaß daran haben und die Musik feiern. Vielleicht ist es mittlerweile auch ein Selbstläufer geworden, dass Leute hören: „Münster ist cool für diese Musikrichtung“, sodass mehr Menschen mit dem gleichen Geschmack vielleicht auch danach entscheiden nach Münster zu kommen.

Lucas: Letzte Frage: Wie nehmt ihr die Zeit in der Venue vor dem Auftritt wahr? Was macht ihr, abgesehen vom Soundcheck und so.

Hansol: Wir haben mal versucht ein Ritual zu etablieren bei dem wir uns alle gleichzeitig auf die Wange küssen. (lacht) Aber das hat sich nicht durchgesetzt.

Lucas: Geile Idee! (lacht)

Hansol: Mittlerweile mache ich viel so liegen gebliebenen Laptopkram. Wenn wir Zeit haben gucken wir uns aber auch gerne mal die jeweilige Stadt an in der wir sind und essen was zusammen… nichts Außergewöhnliches eigentlich.

Lucas: Hat sich denn ein anderes Ritual etabliert?

Martin: Nee, ich glaube vor allem weil wir ja auch oft Supportshows spielen und nur Zeit für ‘nen kurzen Linecheck haben. Danach bleiben wir dann meist direkt auf der Bühne und fangen an… das wär irgendwie dämlich dann vorher nochmal extra Backstage zu gehen um dann irgendein Ritual oder so abzuziehen.

Lucas: Definitiv… aber jetzt habt ihr ja auf der Tour sogar jemanden für Sound dabei und habt mehr Zeit. Vielleicht ändert sich das dann ja. (lacht) Vielen Dank euch!

 

Shoreline sind ab Mitte Februar auf Headline Tour durch Europa:
16.02. DE – Münster – Gleis 22
17.02. DE – Bielefeld – AJZ +
18.02. DE – Lüneburg – Anna & Arthur
19.02. DE – Hannover – K38
20.02. DE – Wiesbaden – Kreativfabrik
21.02. DE – Saarlouis – JZ Utopia
22.02. DE – Karlsruhe – P8
23.02. DE – Freiburg – White Rabbit
24.02. CH – Salavaux – Le Trou
25.02. CH – Luzern – Privat
28.02. SLO – Ajdovscina – Tongue Chainsaw
01.03. HRV – Zagreb – Route 66
02.03. A – Graz – Sub
03.03. A – Innsbruck – Jellyfish
04.03. A – Salzburg – Sub
06.03. CZ – Prag – Café Na Pul Cesty
09.03. DE – Braunschweig – B58 #
10.03. DE – Lennestadt – OT Grevenbrück
11.03. BEL – Erpe Mere – JH Dido
13.03. UK – Cardiff – The Undertone
14.03. UK – Worcester – Paradiddles +
15.03. UK – Nottingham – Old Salutation Inn +
16.03. UK – Manchester – The Blossoms (Stockport) +
17.03. UK – London – Private Space +
+ mit Blankets
# mit Antillectual & Fights And Fires

Davor gibt es noch eine Handvoll Daten als Support von Great Collapse:
26.01. DE – Wermelskirchen – Ajz Bahndamm Wermelskirchen
27.01. DE – Braunschweig – B58
28.01. DE – Zwiesel – Jugendcafe Zwiesel
29.01. DE – Leipzig – Conne Island
31.01. DE – Berlin – Badehaus Berlin
01.02. DE – Nürnberg – Zentralcafé (ohne Great Collapse)
03.02. DE – Neunkirchen – Stummsche Reithalle