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Sven:
1997 habt ihr euch in Göttingen gegründet. Das Juzi, das legendäre Parkplatzkonzert bei Nofx und die ganze DIY-Geschichte hat euch vermutlich geprägt. Denkst du, dass es ein Unterschied ist euren Start zu haben im Gegensatz zu Bands die gleich Vertrag und Label im Rücken haben?

Joshi:
Ich denke auf jeden Fall. Bands, die am Anfang Scheiße gefressen und die harte Tour gelernt haben, benehmen sich anders, als einige Bands heute, die alles in den Arsch geschoben bekommen. So ganz böse gesagt, aber es ist einfach so.
Wir haben früher bei Konzerten immer draufgezahlt, haben ohne Isomatte auf dem Boden irgendwelcher WGs oder auf der Bühne gepennt. Wir haben alles gemacht und mir kann nicht irgendein Hosenscheißer jetzt erzählen „Ihr seid aber nicht mehr Punk“. Leck mich am Arsch! Wir haben das alles gemacht und es war auch wunderbar. Ich bin aber auch froh, dass wir es jetzt anders machen können. Aber es hat uns sehr geprägt.
Viele viele Jahre gab es nicht viel Applaus bei Konzerten, sondern eher eine Flasche an den Kopf. Oder die Leute sind raus gegangen und wir haben dann für die 20 Leute gespielt, die geblieben sind. Da haben wir sehr viel Zeit, Energie und Kraft reingesteckt, was sich ja dann aber auch ausgezahlt hat. Das war und ist immer noch eine coole Zeit.
Die Leute die heute für und mit uns arbeiten, sind für uns wie eine große Familie. Auch wenn es nach Klischee klingt, aber ich will, dass es allen gut geht und alle zufrieden sind.

Sven:
Hat sich der Schritt zu dem was und wie ihr es heute macht irgendwie ausgewirkt? Habt ihr mehr Druck oder Einschränkungen durch Label, große Shows usw. ?

Joshi:
Natürlich gibt es mehr Druck wenn du große Festivals und Konzerte spielst. Da musst du halt auch abliefern. Da kann man nicht irgendwas verkacken oder betrunken sein. Die Leute zahlen 18 Euro Eintritt wenn wir spielen, da kann man dann nicht irgendwas Schlechtes liefern. Aber das find ich auch ok, weil das auch unser Anspruch an uns selber ist.
Was Platten und so angeht, hatten wir vom ersten Album an einen Produzenten. Wir bekommen soviele CDs und Tapes von jungen Bands zugeschickt und da ist immer wieder etwas dabei, wo ich mir sage „Das ist echt gut, aber leider so scheiße aufgenommen“. Der Standard heute ist sehr hoch, was die Qualität und Aufnahmequalität angeht. Du kannst einen super Song schreiben, aber wenn das nicht gut aufgenommen ist, ist das halt nicht gut.
Es war uns von Anfang an wichtig, dass Alles was von uns rausgeht, jedes Interview, jedes T-Shirt, jedes Albumcover, von uns in der Grundidee ausgesucht wird und wir uns dann die Leute suchen, die das umsetzen.
Alles was rausgeht soll so sein, dass, wenn ich selber Fan von uns wäre, sagen würde „Das ist geil!“.
Ab einer bestimmten Größe als Band, stößt du einfach an deine Grenze. Da muss man dann auch nicht so künstlich tun, als könnte man das alles machen. Der Tag hat nur 24 Stunden. Für mich als Musiker ist mein Job gute Musik zu schreiben und irgendwann ist es nicht mehr mein Job, dafür zu sorgen, dass meine CD in einem Saturnmarkt steht. Man muss die richtigen Leute finden, mit denen man dann zusammen arbeitet und die diese Jobs dann übernehmen.
Und wenn uns dadurch der DIY-Stempel verloren geht, dann ist das halt so. Da muss man halt realistisch sein.

Sven:
Ihr engangiert euch ja für einige Sachen und besonders „Kein Bock auf Nazis“ kennt ja jeder, der irgendwann mal auf Festivals war oder mit offenen Augen durch die Gegend läuft. Würdet ihr euch von anderen Bands mehr Initiative bei politischen Themen wünschen?

Joshi:
Ein Nazi aus Bovenden hat versucht sich das Wort „Hardcore“ als Marke sichern zu lassen. Da haben wir mit „Kein Bock auf Nazis“ ein riesen Fass aufgemacht und so lange gekämpft, bis das dann wirklich gecancelt wurde. Und da haben wir zum Teil sehr große deutsche Hardcorebands angefragt und gebeten als die großen Vertreter vom Hardcore da so zwei Sätze zu sagen und die haben dann eben gesagt „Nee, wir wollen uns nicht politisch äußern!“. Das ist dann natürlich schade.
Gerade jetzt wo überall die Scheiße so krass am Laufen ist, wo überall Anschläge auf Flüchtlingsheime verübt werden, habe ich das Gefühl, dass es auf eine Art einen positiven Nebeneffekt hat. Nämlich das sich viel mehr Bands wieder positionieren. Und ich glaub auch nicht das es nur ist, weil sie glauben, dass es so super ankommt, sondern bei 99% der Bands ist es wirklich ernst gemeint.
Die Kacke ist wirklich wieder am Dampfen und ich glaube es ist nur eine Frage der Zeit bis wieder Menschen sterben, wenn noch mehr Flüchtlingsunterkünfte angezündet werden. Und da engangieren sich wirklich viele Bands momentan. Mit „Kein Bock auf Nazis“ haben wir da auch wirklich viele positive Erfahrungen gemacht.
Vor so einem Festival schreiben wir verschiedene Bands an, ob die beim Stand von „Kein Bock auf Nazis“ vielleicht Autogramme schreiben, damit wir auch Kids ansprechen, die es vielleicht sonst nicht interessiert.
Ich glaub manchmal wird da von manchen Bands ein wenig zuviel erwartet. Nicht jede Band kann halt wenn es in Freital gerade kracht, dahin fahren und da ein Konzert spielen. Antilopengang haben das gemacht und das ist auch super.
Viele sagen sowas wie „Auf euren Konzerten rufen alle „Nazis raus“ und viele Kids tragen solche Shirts ja nur, weil sie es cool finden“. Ja genau! Die sollen es erstmal ruhig nur kaufen, weil sie es cool finden und ihre Kumpel auch so ein „Kein Bock auf Nazis“-Shirt tragen. Wir wollen ja das es cool ist Nazis zu blockieren und auf die Straße zu gehen. Man liest nicht gleich ein dickes Buch und denkt sich dann „Ah, ihr habt Recht!“, sondern man muss eine Stimmung schaffen, dass Engagement gegen Rechts wichtig, richtig und cool ist und alle da mitmachen.
Natürlich können z.B. die Toten Hosen nicht jedes Wochenende mit Nazis blockieren, aber da sie ab und zu bei uns mitmachen und ihr Statement geben, sagen sie den Kids, dass es wichtig und richtig ist und dass sie auch zu dieser Idee stehen. Und darum geht’s. Alles weitere kommt dann später. Nur so kann man junge Leute begeistern, für die das sonst eine gar nicht so große Rolle spielt.

 

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Sven:
Ihr habt jetzt mit Konzerten mit den Hosen, Donots, Bad Religion und vielen anderen Punkrockmäßig ganz oben mitgespielt….

Joshi:
Rancid! Ich bin so großer Rancid-Fan! Das wär noch super.
Aber ja. Wir haben so wahnsinnig viele Sachen mit der Band gemacht, von denen ich nie gewagt hätte zu träumen.
Sven:
Also hast du dir immer den kleinen Fanboy bewahrt?!

Joshi:
Ja, absolut. Zeit mit diesen Bands zu verbringen war großartig.
Bei vielen anderen großen Bands wird der Support vom Managment ausgesucht. Die Toten Hosen aber setzen sich z.B. hin, hören sich Bands an und sagen „Die finden wir gut! Die wollen wir dabei haben!“. Das ist irgendwie das größte Lob was man kriegen kann.
Das hat uns sehr sehr gefreut.

Sven:
Gibt es musikalisch noch irgendwas, was du unbedingt noch gemacht haben willst? Oder mit wem du noch gespielt haben willst?

Joshi:
Rancid und Rise Against! Aber Rancid kommen ja so selten nach Europa. Mit den Ramones werden wir wohl nicht mehr spielen können.
Und sonst wären die Ärzte noch gut. Das war mal geplant, hat aber nicht geklappt.
Sven:
Was steht als Nächstes bei euch an?

Joshi:
Wir machen im Winter eine Clubtour und nehmen diesen Sommer eine Live-DVD auf, die im Winter rauskommt. Das ist ein wahnsinniger Aufwand und dafür wird schon immer gefilmt.

Alter! Kannst du schnell Bier trinken….
Sven:
Ja, ich war ein wenig aufgeregt. Danke für das Interview und Prost!

 

Das Interview führte Sven und Fotos sind von Nico (honeymilk.de)