Passend zum morgen erscheinenden neuen Album „Choral vom Ende“ haben wir den Jungs von STAATSPUNKROTT ein paar Minuten ihrer kostbaren Zeit geraubt und meinem Namensvetter Jänz die eine oder andere Frage zu der nun beendeten Trilogie und zur aktuellen Lage gestellt… schaut was uns die Herren aus dem Süden der Republik Interessantes zu sagen haben:

 

Hallo und wunderschöne Grüße von der Küste nach Würzburg!
Jänz: Hallo an die sicher wunderschöne Küste!

Mit „Choral vom Ende“ erscheint am Freitag euer neues Album, welches gemeinsam mit „Phoenix Effekt“ und „Nordost“ Teil der nun abgeschlossenen Trilogie ist. Wie seid ihr vor sechs Jahren auf die Idee dazu gekommen… die vorherigen Alben hatten ja bis dahin eher wenig – bis gar keinen – Bezug zueinander?!
Jänz: Die „Phoenix Effekt“ war ja in vielerlei Hinsicht ein Neuanfang für uns. Wir hatten uns für dieses Album enorm viel Zeit genommen und unseren aktuellen Stil gefunden. Passend dazu hatte sich mit „Zerbechen/Neuanfang“ ein übergeordnetes Thema für diese Platte entwickelt. Daher lag nahe, dies auch auf den folgenden Veröffentlichung fortzuführen, was dann mit „Aufbruch“ bei der „Nordost“ und „Niedergang/Ende“ bei der „Choral vom Ende“ geschehen ist. Das Ganze war ein ziemliches Mammut-Projekt im Nachhinein, aber wir sind jetzt natürlich superfroh, drei Platten zu haben, die nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch eine runde Einheit bilden.

In den ersten Jahren von Staatspunkrott waren eigentlich immer alle Mitglieder in das Songwriting involviert und sangen diese auch selber. Spätestens seit Beginn eurer Trilogie bist du einziger Leadsänger… was hat sich seitdem geändert – musikalisch hat sich die Band seitdem ja durchaus den härteren und raueren Tönen verschrien, oder?!
Jänz: Ganz genau. Vor der „Phoenix Effekt“ bin ich von Gitarre und Gesang zum Hauptgesang ohne Instrument gewechselt, da auch das Songwriting immer anspruchsvoller wurde und sich das live so massiv besser umsetzen ließ.
Mit dieser Platte hatten wir dann auch unseren aktuellen Stil gefunden, der jetzt oftmals als deutschsprachiger Melodycore oder moderner Punkrock betitelt wird. Eine Einordnung, mit der wir übrigens super leben können! Damit einhergehend fanden dann auch immer mehr Schreianteile ihren Platz in unserer Musik. Nach wie vor sind wir musikalisch sehr zufrieden mit der eingeschlagenen Richtung seit der ersten Platte unserer Trilogie und ich denke, dieser Stil wird auch richtungsweisend für unsere musikalische Zukunft sein.

Wenn man sich das neue Album anschaut fällt auf, dass ihr euch große Gedanken und Sorgen um das Land und die Welt macht… wie schafft ihr es immer wieder, diese Themen ohne erhobenen Zeigefinger und phrasenfrei, aber dann doch genau dosiert auf den Punkt zu bringen – um hier nur mal „Umrissmensch“ oder „Herz in Hand“ zu erwähnen!
Jänz: Zunächst ein Mal vielen Dank für das Lob, es bedeutet uns immer sehr viel, wenn der Eindruck ist, dass das gelingt! Es ist in der Tat immer ein Drahtseilakt, solche wichtigen Themen, die derzeit ja sehr umtreiben, so zu verpacken, dass man ihnen gerecht wird. Auf der anderen Seite hat man in Songtexten ja nur ein sehr begrenztes Maß an Platz, was gar nicht zulässt, Themen differenziert von allen Seiten auszuleuchten und die Gefahr birgt, in die von euch angesprochenen Phrasen abzurutschen. Wir gehen an diese Themen daher sehr gern introspektiv heran und versuchen das Ganze nicht als Beobachter von außen zu beschreiben und zu werten, sondern aus Sicht der betroffenen Menschen zu erzählen und zu beschreiben, was so etwas mit ihnen anrichtet. Somit sind das eher Bestandsaufnahmen, die eine Wertung dem Hörer überlasst und diese nicht mit erhobenen Zeigefinger vorgibt. Darüber hinaus ist eine Wertung bei Themen wie „Herz in Hand“ ja auch gar nicht von Nöten. Wann immer Menschen für ihre Überzeugungen, ihre Herkunft oder ihre persönliche Lebensweise Gewalt angetan wird, ist das hochgradig falsch – Punkt. Das ist dann auch keine Frage von politischer Einstellung, sondern von Menschlichkeit!

Gerade „Herz in Hand“ rechnet mit den ganzen hasserfüllten Voll-Spacken der heutigen Zeit ab, wie sehr werdet ihr außerhalb der Medien mit diesen sogenannten „Wutbürgern“ konfrontiert – und was kann man eurer Meinung nach tun? Die in „#Apologet“ besungene allgemeine Ausbeutung spielt diesen Honks ja einwandfrei in ihre braun versifften Finger, oder?!
Jänz: Am Erschreckendsten finden wir, in welche Teile unserer Gesellschaft solche Positionen mittlerweile Einzug gehalten haben und was man vermeintlich wieder „alles sagen darf.“ Da fliegen einem zum Teil menschenverachtende Aussagen um die Ohren und das von Menschen, die sich politisch für gemäßigt oder die Mitte halten. Wir denken, wichtig ist, sich dem Diskurs nicht zu verweigern – vor allem bei den Menschen, die sich diesbezüglich noch nicht aufgegeben haben. Man kann in Gesprächen oftmals schon etwas bewirken, wenn man sich dieser Standpunkte annimmt und ganz sachlich versucht für einen Perspektivwechsel zu sorgen. Hierbei ist es wichtig aufzuzeigen, dass an vielen Stellen sachliche Dinge entgegen stehen, die diese Positionen nicht haltbar machen. Fatal wäre all diese Standpunkte und Themen denjenigen zu überlassen, die diese dankend abfangen, um damit politisch zu zündeln.

Mit „Monokel für zwei Augen“ ist ja gerade erst euer neues Video heraus gekommen, bei welchem es um die Zerstörung des Planeten bzw. der Umwelt geht. Wie sehr beschäftigt ihr euch außerhalb der Musik mit solchen Themen bzw. seid ihr diesbezüglich in irgendeiner Weise aktiv?
Jänz: Themen, mit denen wir uns nicht auch persönlich beschäftigen, finden ja nicht den Weg in unsere Texte. Die unfassbare Ignoranz und der Egoismus,mit dem wir die Ressourcen unserer Erde aufbrauchen, ist etwas, dass uns aktuell sehr umtreibt. Wir alle wissen ja um den Umstand, dass durch unsere Lebensweise massiv mehr verbraucht wird als uns und vor allem unserer Umwelt gut tut. Hier etwas zu tun und zu bewirken, fängt aber zum Glück schon im Kleinen an und zwar da, wo es um unsere eigenen Lebensgewohnheiten geht und man vielleicht auch die eigene Komfortzone etwas verlassen muss. Hier hilft schon, darauf zu achten, was man wo kauft, wo es herkommt und ob es wirklich von Nöten ist. Davon, hier nicht immer verantwortungsvoll zu handeln, ist natürlich niemand frei, aber wenn alle nur ein bisschen bewusster darauf achten, ist im Großen schon viel bewirkt.

Besonders im deutschsprachigen Bereich sprießen ja aktuell unzählige sehr gute Punk-Bands aus dem Boden und bilden gemeinsam mit den bereits seit Jahren bekannten bzw. etablierten Bands eine breite Front gegen das Establishment – schlechte Zeiten gab es ja schon immer… warum sind es eurer Meinung nach aktuell so unsagbar viele?
Jänz: Vermutlich ist das eine Folge daraus, was gerade in der Welt passiert. Allein was wir bis hierhin besprochen haben zeigt ja, dass wir uns in politisch stürmischen Zeiten befinden. Dies hat natürlich auch zur Folge, dass man sich momentan positionieren muss, um gewissen Dingen die Stirn zu bieten. Wenn es wieder vermeintlich normal zu sein scheint, dass man sich über andere Menschen stellen, auf diese herabblicken, diese ablehnen, verurteilen und im schlimmsten Fall hassen darf, ist es umso wichtiger, dass man gesellschaftlich in breiter Front zeigt „Nein! Wir sind uns einig, dass alle Menschen – unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Glauben oder ihrer persönlichen Lebensweise – den gleichen Wert haben.“ Dass diese Themen dann natürlich auch wieder mehr Einzug in die Musik finden, ist natürlich begrüßenswert.

Ich persönlich ordne Staatspunkrott im Platten-Regal immer neben Bands wie Massendefekt, der Alex Mofa Gang oder den Donots ein… kommt ihr damit klar, oder muss ich hier nochmal neu sortieren – würdet ihr euch selber lieber woanders sehen?
Jänz: Na, zwischen Slayer und Stevie Wonder, die schreiben sich doch auch mit S! Nein ganz im Ernst, gerade jetzt aktuell in den Besprechungen der neuen Veröffentlichung tauchen natürlich immer die gleichen Bands auf und das hat schon seine Richtigkeit. Es ist eben moderner Punkrock mit deutschsprachigen Texten und genau da gehören wir auch hin. Zwischen oben genannten Bands fühlen wir uns also im CD Regal sehr wohl, zumal das auch allesamt menschlich sehr angenehme Typen sind!

Ab Samstag präsentiert ihr „Choral vom Ende“ ja dann auf eurer Tour quer durch die Republik. Auf welche Location freut ihr euch besonders?
Jänz: Tatsächlich auf jede! Wir haben das große Glück, auf dieser Tour in klasse Locations spielen zu dürfen, in denen wir schon fantastische Konzerte hatten oder an denen noch ein „Da würde ich gern mal spielen“-Haken fehlt. Wir sind wirklich wahnsinnig dankbar, was für eine tolle Tour das geworden ist. Highlights werden aber mit Sicherheit die beiden Heimspiele im Würzburger Labyrinth und der Moritzbastei in Leipzig sein.

Apropos Tour, mit welchen Bands hattet ihr bisher die coolsten Erlebnisse… welche Gigs sind euch besonders in Erinnerung geblieben?
Jänz: In Erinnerung bleibt natürlich immer, die Bühne mit Bands zu teilen, deren Musik man selbst feiert. Wenn diese sich dann noch als coole Dudes heraus stellen, mit denen man auch abseits der Bühne eine gute Zeit hat, obwohl Welten zwischen den Bands liegen, ist das immer was ganz besonderes. Sick of it all und A Wilhelm Scream sind da als ganz krasse Positivbeispiele zu nennen. Von den Gigs bleibt eigentlich jeder in besonderer Erinnerung. Livespielen ist immer was besonders krasses, die Leute, die da hinkommen, haben halt wirklich Bock auf deine Musik und sind gekommen, um sie zu hören – das freut einen bei jeder einzelnen Show und sollte sich auch nicht verlieren! Dementsprechend waren das allein bei der vergangenen Tour unnennbar viele.

Zum Abschluss möchte ich wie bei jedem Interview noch kurz ein paar Worte in den Raum werfen… vielleicht fällt dir ja spontan noch die eine oder andere kurze Antwort ein?!
Würzburg… Unsere Homebase und tatsächlich eine der schönsten Städte in Deutschland, wir haben verglichen.
Nordsee… Wahnsinnig gern dort! Der Norden ist generell super.
AfD… Ungern dort, nicht so super!
Trump… Kommuniziert häufig in 140 Zeichen!
Lieblingsessen… Sushi!
Familie… der wichtigste Dreh- und Angelpunkt des Lebens!
Lieblingsband… mittlerweile zu viele um sich auf eine festzulegen.

Vielen Dank für deine Zeit und die ausführlichen Antworten. Wir wünschen euch nun viel Spaß und Erfolg mit dem neuen Album und der anstehenden Tour… vielleicht sieht man sich ja mal bei einem der nächsten Gigs?!
Jänz: Das würde uns wahnsinnig freuen, wir sind auch im hohen Norden – kommt rum. Habt vielen Dank für euer Interesse und das nette Gespräch!

 

Titel:
1. Richtung Horizont
2. Monokel für zwei Augen
3. Eis//Meer
4. Umrissmensch
5. K-Moll
6. Choral vom Ende
7. Herz in Hand
8. #Apologet
9. Vom Glück
10. Hardest Goodbye
11. Der letzte Salut (Nordost, Pt. II)
12. Socius

 

Auf Tour könnt ihr euch Staatspunkrott ab Anfang März hier unterstützen:

04.03.17 Würzburg – Labyrinth (Releaseparty)
10.03.17 Stuttgart – Zwölfzehn
11.03.17 Dresden – Konk Klub
17.03.17 Oberhausen – Druckluft
18.03.17 Köln – Underground
31.03.17 Berlin – Badehaus
07.04.17 Hamburg – Hafenklang
08.04.17 Leipzig – Moritzbastei

BANDPAGE