Als wir gefragt worden sind ob wir ein Interview mit den Jungs von VAN HOLZEN machen wollen, war die Antwort natürlich sofort klar… im Gegensatz zu den bisherigen Interviews entschieden wir uns aber dieses Mal – dank Sven´s Idee – für einen für uns neuen Weg und luden die Ulmer während ihres Aufenthaltes bei den netten Menschen von Warner in Köln zu einem Facebook-Plauderkasten-Gespräch ein.

Somit werdet ihr heute Zeuge einer Handwritten Premiere… also dann viel Spaß mit Flo von VAN HOLZEN – und mit meiner Wenigkeit!

 

Hallo und direkt erstmal schicke Grüße aus dem Watt in den Süden! Wir vom Handwritten Mag beobachten euer Schaffen jetzt schon eine gewisse Zeit und würden euch deshalb heute gerne die eine oder andere Frage stellen… wenn es recht ist?!
Hallo! Grüße zurück aus Köln! Freut uns, gerne doch!

Mal ganz philosophisch angefangen, in der Biographie auf eurer Homepage schreibt ihr von einem Evolutionsprozess in welchem sich die deutsche Musiklandschaft aktuell befindet und wodurch sich Anomalien entwickeln bzw. Mutationen entstehen… wie meint ihr das genau?
Das ist gut! 😉
Naja, Anomalie ist für uns ein Abbild der auf uns wirkenden Einflüsse. Musikalisch wie auch textlich und stimmungsmäßig! Da die Musiklandschaft sich in Deutschland gerade verändert, wie wir finden, sind diese „Mutationen“ der Musikbranche auch ein Einfluss auf uns und unsere Musik. Wir haben das Gefühl, dass vor allem wieder handgemachte Musik Aufmerksamkeit bekommt, was wir sehr schön finden und genau in unseren Evolutionsplan passt 😉
Also wieder weg von den ganzen Computer gemachten Sachen und wieder hin zu den „richtigen“ Instrumenten?
Genau. Klar, es gibt auch super gut gemachte DJ Musik (siehe Flume!!!), aber es wäre wünschenswert wenn wieder durchdachte Musik mit echten Instrumenten passiert. Ob das nun wirklich der Fall sein wird die nächsten Jahre weiß leider niemand. Aber wir geben die Hoffnung ja nicht auf! 😉
Auf keinen Fall… ich auch nicht, bin ich doch Verfechter der guten alten Gitarren-Sachen mit ordentlich Schmackes!
Richtig so!

Erst letzten Sommer habt ihr eure erste EP „Van Holzen“ veröffentlicht, die fast nur gute Kritiken bekommen hatte… besonders die Songs „Scheintot“ und „Wüste“ wurden von den Fans (und besonders von mir) förmlich verschlungen. Gibt es einen Grund, warum die Nummern nicht auch nochmal auf dem im März erscheinenden Debüt-Album „Anomalie“ zu finden sind – andere Bands nehmen ja gerne mal den einen oder anderen bereits veröffentlichten Song mit auf die Studioalben?
Freut uns, Danke dir! Wir wollten mit Anomalie eine neue eigene Welt erschaffen. Wir sind immer noch selbst Fans der EP, keine Frage. Aber wir fanden dass sie nach unserer Entwicklung letztes Jahr diese kleine Anomalie Welt ein wenig rausreißen würden. Und live werden sie immer noch präsentiert 🙂
Kurz gefasst: Im Kontext des Albums haben wir die EP Songs einfach nicht gefühlt.
Also Fan werde ich auch bleiben… keine Frage!
Sehr schön 🙂

Nachdem im November bereits das Video zu der düsteren und bedrückenden Nummer „Herr der Welt“ erschienen ist, blicken alle gespannt auf euer neues Album. Ich durfte ja bereits reinhören und bin absolut begeistert von den zwölf Songs. Da ich ungern vorgreifen möchte, wollt ihr etwas zu den Nummern auf „Anomalie“ sagen… die bereits bei erwähntem „Herr der Welt“ angedeutete Revolution und Titel wie „Schüsse“, „Kopfgeld“, oder besonders „Leichenschmaus“ schreien ja förmlich nach Erklärungen!
Herr der Welt hast du schonmal richtig eingeordnet.
Das Album beschäftigt sich vor allem textlich mit den großen Themen Tod, Missverstanden sein, Erfolgsgeilheit, und ein bisschen Liebe 😉
Aus „Kopfgeld“ zum Beispiel spricht der reinste Hass gegen eine bestimmte Person. „Leichenschmaus“ beschäftigt sich mit den kleinen Toden die man jeden Tag sterben muss. „Schüsse“ ist spannend – und kompliziert zu erklären. Es geht um den Versuch an höhere Autoritären* heran zu kommen. Dort anzuklopfen, nach Anhörung zu bitten. Und daran zu scheitern. Aber nicht aufzugeben! – *autoritäre Personen meinte ich 😉

Zum Thema Tod würde dann direkt meine nächste Frage passen!
Gern!

Euren Stil als besonders lebensbejahend zu bezeichnen wäre eher selbstmörderisch, denn Textzeilen wie „schieß mir in den Kopf und dann bleib bei mir…!“ (wie bei „Karneval“) oder „spürst du diesen Druck, ich breche dir das Gesicht…“ („Masquerade“) haben ja durchaus ein (selbst)zerstörerisches Potential in sich… woher kommt dieser Dunkelheit, bzw. anders gefragt, wie oder wodurch inspiriert ihr euch beim Schreiben bzw. komponieren?
Vorerst muss ich sagen dass wir drei sehr glückliche Menschen sind, die große Lebensfreude haben! Nicht dass wir depressiv wirken oder so… 😉
Allerdings sieht das textlich ein wenig anders aus. Ich kann negative Gefühle deutlich besser und intensiver beschreiben als positive. Inspiration ist ja leider nach diesem scheiss Jahr 2016 genug da. Ich fasse Erlebnisse aus meinem Umfeld oder aus den Nachrichten auf und verfasse sie als extreme Gefühlsbilder in Form von Texten. Da intensiviert sich dann alles nochmal und ich überschlage mich oft in diese düstere Stimmung. Und genau so entstehen dann zum Beispiel die oben genannten Songs!
Ja, da sagst du was… 2016 konnte man auf beinahe allen Ebenen vergessen!
Japp!
Aber das mit der privaten Lebensfreude kenne ich… ich habe doch früher auch die düstersten Texte gesungen und lebe immer noch… hahaha
Dann weißt du ja von was ich spreche 😉

Mir ist aufgefallen, dass sich die Cover-Gestaltung der bisherigen Veröffentlichungen vom Stil her kaum unterscheiden. Wer ist für die meiner Meinung nach sehr gelungenen Cover verantwortlich und wie entstehen die Ideen hierzu?
Freut mich! Die Cover Motive kommen aus der Feder von Rocket&Wink, mit den Jungs überlegen wir uns immer was zur Musik und unserem Stil passt. Ideen kommen oft aus Bildern die wir oder R&W im Kopf haben wenn wir das Album so durchhören. Und dann basteln wir da in Zusammenarbeitet mit R&W schöne Motive.
Auf jeden Fall sehr schick… ich hoffe die Zusammenarbeit geht die nächsten Jahre so weiter!
Hoffe ich auch 🙂

Auch wenn ich ungern Vergleiche ziehe, aber ihr haut musikalisch in dieselbe Kerbe wie die Jungs von Heisskalt – treibende derbe Riffs, hämmernde Drum-Beats und dann der klare eingängige Gesang! Gibt es da irgendwelche Verbindungen zu den Stuttgartern, oder entwickelt sich da eher zufällig ein neuer Musikstil aus Richtung Süden?
Da gibt es Verbindungen!
Philipp Koch, der Gitarrist von Heisskalt, hat die EP und jetzt auch Anomalie produziert. Wir sind gut befreundet mit den Jungs und haben großen Respekt vor ihrer Arbeit. Das bewegt sich natürlich beides in der Deutschrock Richtung, unterscheidet sich allerdings seit Anomalie in entscheidenden Bereichen von der Musik die die Jungs machen. Wir sind aber trotzdem gegenseitige Fans, denke ich jedenfalls… 😉
Das trifft sich gut, da ich erstens auch Fan von beiden Bands bin… und zweitens auch schon mit den Jungs von Heisskalt damals im Tower in Bremen ein Interview führen durfte. Sehr nette Typen 🙂!
Ganz liebe Menschen, ja!! 🙂

Eigentlich kann man euch trotz eures jungen Alters ja bereits als „alte Hasen“ im Musikgeschäft bezeichnen, habt ihr doch vor VAN HOLZEN bereits weit über 250 Konzerte gemeinsam gespielt. Wie kam es damals zu der Umbenennung und wann habt ihr gemerkt, dass man mit dem was man macht so gut ankommt, dass man sich zukünftig nur noch um die Musik kümmern will bzw. vielleicht mal davon leben kann?
Wir wollten einfach neue Musik machen. Dazu passte der alte Name und Look einfach nicht mehr. So langsam merken wir dass es Menschen gibt denen unsere Musik gefällt und das freut uns sehr. Ob wir davon leben können, werden wir nach unserem Abi sehen… 😉

Ach so kurz zwischendurch… habt ihr überhaupt noch Zeit, sind auch nur noch zwei/drei Fragen auf meinem Zettel!
Müssen leider jetzt zum nächsten Termin! 😞 strammes Programm 🙂 hat mich gefreut, hat Spaß gemacht und Danke für durchdachte Fragen!
Okay, danke sehr… hat mir auch sehr viel Spaß gemacht!
Vielleicht sieht man sich ja mal auf ner Show im März!
Grüße auch von den Jungs!
Schönen Abend!

Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß mit dem neuen Album und der anstehenden Tour, ich feiere die Scheibe jetzt schon ab! Vielleicht besucht ihr uns ja auch auf dem diesjährigen Deichbrand Festival hier oben in Cuxhaven… würde sich neben Love A, Turbostaat und Fjørt doch sehr gut machen, oder?!
Ganz bestimmt, wir werden sehen… 😉

 

Näheres zum am 03.03.2017 erscheinenden Debüt-Album „Anomalie“ werdet ihr demnächst hier erfahren, wer die Jungs von VAN HOLZEN in nächster Zeit live sehen mag sollte sich noch folgende Tourdaten merken:

Anomalie Release Tour:
01.03.2017 Berlin – Musik & Frieden
02.03.2017 Hamburg – Hafenklang
03.03.2017 Köln – Blue Shell
04.03.2017 Ulm – Club Schilli

Festivals:
03.08-05.08.2017 Elend – Rocken am Brocken
09.08-13.08.2017 Eschwege – Open Flair Festival

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