Vor dem Konzert im Musikzentrum Hannover, zur Tour des neuen Albums Couleur, durfte ich ein ausgiebiges und sehr unterhaltsames Interview mit David und Chris über ihre Tour, Himbeer-Sorbet und den musikalischen Werdegang der beiden Sänger reden.

 

Lucas: Ihr seid gerade in die Tour gestartet, vorgestern und gestern wart ihr in Münster, zweimal ausverkauft – die einzige Stadt in der ihr zwei Termine habt. Wie fühlt ihr euch jetzt am Anfang der Tour, wie waren die beiden ersten Konzerte?

Chris: Irre…

David: Das war schon krass. Das erste Konzert war noch so ein bisschen Beschnuppern, auch für uns weil es einfach der erste Termin der Tour mit einem neuen Album war. Gestern konnten wir dann aber komplett den Kopf ausschalten und das war einfach Wahnsinn.

Chris: Ja wir haben ja auch neue Songs und vor allem neue Sounds zum ersten mal live ausprobiert. Aber das war schon krass und die Leute kennen ja auch jetzt schon die Songs von dem neuen Album.

 

Lucas: Habt ihr eine bestimmte Verbindung zu Münster?

Chris: In Münster war einfach das Ding, dass wir die Tour angekündigt haben und die Show in Münster war einfach so schnell ausverkauft… innerhalb von drei, vier Wochen oder so. Das war einfach so krass, weil wir noch ungefähr drei Monate bis zur Tour hatten und viele Leute kriegen das einfach nicht so schnell mit und haben sich geärgert, dass sie keine Karte mehr gekriegt haben. Wir fanden das in dem Fall einfach sinnvoll zwei Termine zu machen.

David: Das ist dann immer so die Frage… macht man’s in ’nem größeren Club oder macht man einen zweiten Termin und das hat einfach gepasst und Frank vom Gleis 22 in Münster hat einfach gesagt „Komm lass uns das einfach den Tag vorher nochmal machen“. Das hat sich einfach gut angefühlt den Leuten da noch einmal eine Möglichkeit zu geben. War für uns aber auch ein bisschen ungewöhnlich.

 

Lucas: Habt ihr das vorher schonmal gemacht?

David: Nee. Überhaupt noch nie. Aber das hat sich sehr gut angefühlt den Leuten so nicht vor den Kopf zu stoßen. Sehr glücklich auch weil es der erste Termin der Tour war, mittendrin wär das ja gar nicht gegangen.

 

Lucas: Gibt es noch andere Termine oder Städte auf die ihr euch besonders freut?

Chris: Nach der Tour haben wir noch eine Show im Palladium in Köln mit Boysetsfire, was natürlich super krass ist, weil die Bühne einfach zehn Mal größer ist als die auf denen wir sonst spielen und weil’s einfach wahnsinnig schön ist dass ’ne Band wie Boysetsfire sagt: „Hier die Jungs find ich cool“ und nehmen dann einfach uns kleine Pimpfe ins Lineup mit rein. Zusammen mit Dave Hause und AYS… das ist schon krass.

David: Vor allem die Besucherzahlen hauen uns aber auch auf dieser Tour bei jedem einzelnen Termin um. Vor zwei drei Jahren haben wir noch vor 40 Leuten gespielt und das war auch echt cool und heute sind irgendwie 500 Mann hier und haben sich Tickets für die Show gekauft. Das haben wir uns gar nicht gedacht als wir dieses Projekt gestartet haben. Jede Show ist spannend für uns und wir freuen uns auf jeden Abend. Ich hoffe wir halten durch (lacht) so gesundheitlich und so.

 

Lucas: Was sind eure liebsten Momente auf Tour? Gibt es auch Situationen in denen ihr lieber eine Auszeit hättet?

Chris: Ich glaub solche Momente gibt es nicht wirklich bei uns. Also, das was wir hier machen, mit unserer Crew, das sind alles Freunde. Das ist wie eine Reise mit guten Freunden und das ist absolut großartig, dass wir das machen dürfen. Wir denken eigentlich nie, „nee, ich will jetzt nach Hause“, weil wir genau das machen was wir wollen, darauf haben wir ja hingearbeitet. Von vorne bis hinten macht es einfach Spaß. Ein besonders schöner Moment ist, wenn man nach der Show mit der Crew nochmal zusammensitzt, mit einem kalten Getränk in der Hand und einfach nochmal alles Revue passieren lässt und merkt was für eine geile Sache wir hier auf die Beine gestellt haben, bei der alle zusammen gearbeitet haben, Licht und Sound zum Beispiel.

David: Negatives gibts da eigentlich gar nicht. Wir können unterwegs sein, unsere Musik spielen. Guck mal was die hier aufgebaut haben für uns. (zeigt auf das Catering im Backstagebereich)

Chris: Es fehlt halt einfach an nichts.

 

Lucas: Als Musiker in der Öffentlichkeit kriegt man immer Feedback, manchmal auch unaufgefordert. Über welches Feedback hab ihr euch in der Vergangenheit besonders gefreut? Gibt es Feedback das ihr nicht gerne hört, oder so oft hört, dass es nervt?

David: Wir haben ein sehr, sehr ausgewogenes und gediegenes Publikum, das sehr respektvoll auch mit uns umgeht und eher vorsichtig ist und ’nen echt netten Umgangston hat, gerade wenn’s um Feedback geht. Eine Geschichte die uns aber immer im Kopf geblieben ist, war in München, als ein Typ zu uns gekommen ist, so um die 50 Jahre alt und gesagt hat: „Ey, ich hab‘ alle großen Bands gesehen, ich hab‘ The Who gesehen, ich hab Doors gesehen. Mich hat die letzten 10 Jahre keine Band mehr abgeholt, aber das was ihr hier gemacht habt, das ist unfassbar! Ich bin kein Freund von geschriener Musik, aber was ihr hier für eine Energie rüberbringt, das ist Wahnsinn!“ Und das sind so die Statements, die sind wie bei ’nem großen Indianerstamm, wenn der Häuptling oder Dorfälteste was sagt. Der hat einfach viel gesehen in seinem Leben und wenn so jemand uns so etwas sagt dann, hat das natürlich nochmal ein ganz anderes Gewicht.

Chris: Ja, das Schöne ist, das sind so verschiedene Leute die uns Feedback geben. Zum Beispiel jetzt gestern… oder vorgestern war eine Dame da, die hatte Geburtstag…

David: Die Ute!

Chris: Ja, genau und die ist halt an ihrem 50. Geburtstag einfach auf ’ne Fjørt-Show gegangen und mit der haben wir auch hinterher noch geschnackt und das ist einfach so cool, dass auch so jemand auf dich zu kommt.

David: Unser Publikum ist genauso, wie man es sich eigentlich wünscht. Wir haben durchdrehende Kids, ’nen guten mittelalten Block und hinten stehen meistens so etwas die betuchteren Leute. Das ist echt geil so.

 

Lucas: Jeder Musiker hat so seine eigenen Mikrofon-Präferenzen, wie kam es bei dir David, dass du bevorzugt Richtung Boden brüllst?

David: Ich weiß es nicht so genau, das mache ich schon sehr lange. Ich glaube es hat auch damit zu tun, dass ich so sehr gut auf meine Saiten gucken kann und dann kommt vielleicht noch dazu, dass wir früher sehr viel in kleineren Jugendzentren und so gespielt haben und da gab es selten diese Mikroständer mit Gabelung und dann hab‘ ich die halt einfach genommen und hingestellt und das passte schon irgendwie. Du machst das relativ gerade, oder? (an Chris)

Chris: Ja, bei mir ist das aber auch ausgefuchst, weil ich ja auch krass viel aufs Griffbrett gucken muss. Der Winkel muss genau stimmen

 

Lucas: Davids Mutter spielt auf der Platte und bei der Hotel-Session Klavier und hat Musik studiert soweit ich weiß. Hast du dadurch zur Musik gefunden?

David: Ja, schon, ich hab so ganz klassisch mit Blockflöte angefangen und irgendwann durfte ich mir so’n größeres Instrument aussuchen und hab dann tatsächlich Klarinette und Saxophon gespielt und irgendwann habe ich mir dann mal bei meiner Schwester die Greenday „Dookie“ geklaut und dann war klar: Ich will dieses Instrument lernen, was da so Dampf macht. Meine Ma hat dann gesagt, was ich pädagogisch auch sehr gut fand: „ja das ist in Ordnung, wir bezahlen dir Unterricht, aber wenn du so ein Instrument haben willst musst du’s dir selbst kaufen“. Und das war ganz geil, weil durch diesen Faktor, dass ich das unbedingt wollte und so lange dafür sparen musste mir endlich diese E-Gitarre und den Verstärker zu kaufen, hat das für mich nochmal ’ne ganz andere Wertigkeit gekriegt. Heutzutage ist das oftmals so: Kind kriegt irgendwas hingestellt und drei Wochen später ist das nächste Ding da. Und am Ende glaube ich das ist der Grund warum ich so lang dabeigeblieben bin.

 

Lucas: Gibt es eine Person, Album, Band oder ein Ereignis, dass euer persönliches Verhältnis zur Musik maßgeblich geprägt hat?

David: Bei mir wars die „Dookie“! (lacht) War auch die einzige CD die’s gab im Haus.

Chris: Meine Mutter hat früher oft Aerosmith gehört und da habe ich schon immer im Wohnzimmer als kleiner Pimpf zu performt. Aber was mich wirklich zur Rockmusik gebracht hat war glaube ich Linkin Park. Mein bester Kumpel hat mir irgendwann nach der Schule die „Hybrid Theory“ gezeigt und das war so der „Spark“ und dann ging’s eigentlich los bei mir mit härterer Musik, Slipknot, Korn und so. Ja und irgendwann hat sich das halt noch weiter geöffnet. Mein erstes Instrument war dann das Klavier, ein wunderschönes Instrument und ich spiel es sehr gerne, nur leider viel zu selten mittlerweile. Ab und zu kann ich es aber gut bei Fjørt einbringen. Hat mir auch sehr viel beigebracht.

 

Lucas: Mit deutschen Texten wart ihr, als ihr angefangen habt 2012, eher die Ausnahme in der Szene. Wie kam es, dass ihr euch für diesen Schritt entschieden habt?

Chris: Ich hab‘ auch lange in anderen Bands gespielt in denen wir englische Texte hatten, aber ich habe schon immer parallel deutsche Texte geschrieben, sowas wie Gedichte. Das waren eigentlich so die Dinge, die ich cool fand und die ich irgendwie ausdrücken wollte, aber es passte einfach nicht in die Rockband in der ich gespielt habe. Das haben wir dann einfach mal bei Fjørt ausprobiert und sofort gemerkt, dass man sich so viel besser ausdrücken kann und viel deutlicher Gefühle und Gedanken formulieren kann. Ich würde jetzt im Nachhinein nie wieder auf Englisch schreiben.

 

Lucas: Ihr scheint eine Vorliebe für französische Albentitel zu haben – „Demontage“ ist ein aus dem Französischen geliehenes Wort, „D’accord“ und „Couleur“ reines Französisch. Nur Kontakt ist eine Ausnahme. Was steckt dahinter?

David: Ich glaub das liegt einfach an unserem Umland, wir haben ja auch so’n bisschen diesen Öcher-Slang wo ja auch immer viel Französisches einfließt. Und Französisch ist auch eine sehr schöne Sprache. Die Titel haben für uns einfach die Platte gut zusammengefasst und wir mussten da auch nicht lange drüber nachdenken. Wir haben aber nicht gesagt, dass das jetzt zwangläufig ein französischer Titel sein muss. Vielleicht heißt die nächste ja „Himbeer-Sorbet“.

Chris: Da ist ja dann aber auch schon wieder was Französisches drin. (lacht)

Lucas: Ist das ’ne Ankündigung? (lacht)

 

Lucas: Letzte Frage bevor es nachher losgeht! Habt ihr ein Ritual vor jeder Show? Etwas das jeder einzelne für sich oder ihr alle zusammen macht, bevor ihr nachher hier im Musikzentrum Hannover auf die Bühne geht?

David: Frank hat ’n Ritual, der frisst fünf Bananen vor der Show. Sechs dann noch währenddessen.

(Frank kommt in diesen Moment grinsend in den Raum… mit einer Banane in der Hand).

Chris: Wir sind alle so ’n bisschen nervös vorher und versuchen so ein bisschen in unseren Tunnel zu kommen. Aber wir haben jetzt kein…

David: … Wir kommen jetzt nicht in ’nem Kreis zusammen und rufen irgendwie „Alles geil“ oder so. Aber so ein Fäustchen haben wir.

Chris: Genau, wir geben uns alle einmal die Faust vorher.

Lucas: Geil, mehr habe ich nicht auf dem Zettel, vielen Dank euch und viel Spaß beim Konzert später!

 

 

An alle kurz entschlossenen: Wenn ihr irgendwie die Chance habt die Jungs noch auf Tour zu sehen, dann tut es!

Es lohnt sich.

Hier nochmal alle Tourdaten:

Tourdaten – FJØRT:

18.01. Münster – Gleis 22 | ausverkauft

19.01. Münster – Gleis 22 | ausverkauft

20.01. Hannover – Musikzentrum | ausverkauft

21.01. Berlin – Lido | ausverkauft

22.01. Dresden – Beatpol

23.01. Leipzig – Werk 2

24.01. Wien – Chelsea

25.01. München – Strom

26.01. Stuttgart – Universum | ausverkauft

27.01. Saarbrücken – JUZ Försterstraße

28.01. Wiesbaden – Kesselhaus | ausverkauft

29.01. Köln – Gebäude 9 | ausverkauft

30.01. Hamburg – Knust | ausverkauft

02.02. Köln – Family First Festival | ausverkauft

14.04. Zürich – Dynamo