Passend zur Mitte März beginnenden „Winter Überstanden“ Tour standen uns Simon, Jan und Daniel von LYGO liebenswürdigerweise für ein ausführliches Interview zur Verfügung. Was ihnen zur anstehenden Tour, zu nervigen Bandkollegen und diversen anderen Themen der Zeit eingefallen ist könnt ihr hier gerne nachlesen!

Viel Spaß damit…:

 

Vor nicht einmal 1 ½ Jahren hattet ihr euer hochgelobtes und grandios abgefeiertes Debüt-Album „Sturzflug“ veröffentlicht und quasi ein halbes Jahr später folgte dann bereits die EP „Misere“, welche erneut in aller Munde war. Erst kürzlich habt ihr die komplette EP dann auch noch als Livesession eingespielt… wie kam es dazu und wie gestalteten sich die Aufnahmen zu der Session.

Simon: Wir haben die Misere im Proberaum ohne Pause durchgekloppt und hatten dann alle den Gedanken, dass das eine gute Idee für eine Livesession wäre. Dann haben wir mit unserem Produzenten Nico Vetter grob geplant, wie wir das technisch hinbekommen, dass Bild und Ton gleichzeitig aufgenommen werden und haben relativ kurzfristig Location und Kameraleute organisiert. Das war eine ziemliche Hauruck-Aktion.

Jan: Unser Album „Sturzflug“ haben wir schon 2014 in Eigenregie auf CD rausgebracht. Nachdem wir mit Kidnap Music das Album nochmal auf Vinyl rausgebracht haben, gab es neue Reichweite und es fühlte sich für uns auch nochmal an, wie eine neue Veröffentlichung. Dass wir im Anschluss die Misere veröffentlichen, war vorher nicht geplant.

 

Scheinbar trefft ihr mit eurer Mischung aus Punk und Hardcore – neben diversen anderen Bands wie Fjørt oder auch die Stuttgarter von Heisskalt, oder Pascow & Van Holzen – aktuell den Nerv vieler Hörer! Speziell die beiden erstgenannten Bands hattet ihr ja bereits auf deren letztjährigen Touren begleitet… wie war`s und was für besondere Erlebnisse werden euch für immer in Erinnerung bleiben!

Jan: Die Tour im Herbst mit Heisskalt war unsere erste zusammenhängende Tour. Wir waren sehr gespannt, ob wir die komplette Tour körperlich durchhalten. Nach der Tour haben wir aber sofort beschlossen, dass wir Lust auf weitere und eigene Touren haben. Ein besonderes Erlebnis auf der Tour war das Konzert im Gloria Theater in Köln. Das war bisher das größte Publikum, vor dem wir gespielt haben. Das Gloria Theater ist außerdem eine beeindruckende Location.

Simon: Auf der Tour mit Fjørt haben wir zum ersten Mal in Österreich und in der Schweiz gespielt. Wien und Zürich waren auch beides besondere Konzerte, was die Stimmung angeht. Wir hatten auf beiden Touren kaum feste Schlafplätze und sind oft bei Menschen untergekommen, die wir vorher überhaupt nicht kannten und die uns trotzdem Schlafplätze angeboten haben. Das haben wir in sehr guter Erinnerung behalten.

 

Musikalisch verbreitet ihr ja trotz der Tatsache, dass ihr lediglich als Trio mit einer Gitarre, Bass und dem Schlagzeug unterwegs seid, ordentlich Krach. Wie schafft ihr es, den Druck so hoch zu halten und eure gesungene Wut bzw. Verzweiflung auch auf die Sounds zu übertragen? Und wie überhaupt gestaltet sich das Komponieren der Stücke… erst die Texte, dann die Musik – oder wie war das noch mit dem Huhn und dem Ei?

Daniel: Als wir begonnen haben zusammen Musik zu machen, waren wir uns einig, einen energiereichen Sound zu spielen und haben das auch immer nur als Trio getan. Daher ist jedem von uns bewusst, dass es viel Hingabe und LYGOLeidenschaft verlangt, um diese Energie auf das Instrument zu übertragen. Alles so druckvoll auf Platte zu bringen haben wir Nico Vetter zu verdanken.

Jan: Beim Schreiben der Songs gibt es leider keine universelle Regel oder Vorgehensweise. Ich denke, wenn wir ein Ideal hätten, hätten wir schon wesentlich mehr veröffentlicht. Meistens gibt es eine Textidee oder irgendetwas auf der Gitarre. Oft versuchen wir dann zusammen einen kompletten Song drum herum zu bauen. An manchen Tagen kommen die Ideen, mit denen alle zufrieden sind von alleine, an anderen müssen wir sogar lange drüber Diskutieren. Aber am Ende sind wir mit dem Ergebnis zufrieden.

 

Nun aber erstmal zurück zum Aktuellen, im März startet ihr mit eurer ersten Headliner-Tour und es wird quer durch die Republik gehen. Habt ihr als Bonner gezielt Köln als ersten Auftrittsort gewählt, oder war das eher Zufall?

Daniel: Die Show in Köln findet schon 11 Tage vor der restlichen zusammenhängenden Tour statt. Wir wollen die Show als „Warm up“ nutzen und haben dazu einen nahegelegenen Veranstaltungsort gesucht.

 

Wer wird euch während der Tour als Support begleiten, oder anders gefragt, gab es vorher quasi so etwas wie ein „Support-Wunschliste“ bei euch… so ala „also wenn wir irgendwann mal Headliner sind, dann müssen aber XXX unbedingt mit“?

Jan: Es gab durchaus vorher diese Wunschbands. Und wir freuen uns, dass es geklappt hat, alle Bands mit an Bord zu haben. „Ein Gutes Pferd“ und „Blut Hirn Schranke“ fahren jeweils die Hälfte der Tour mit. Witzigerweise haben wir damals beide Bands am gleichen Abend kennen gelernt. Es sind gute Freunde geworden und deshalb freuen wir uns umso mehr, mit den Bands unterwegs zu sein.

Simon: LIRR. haben wir letztes Jahr auf der Tour mit Heisskalt kennengelernt. Die finden wir alle super und die kommen aus dem Norden, deswegen passt das in Hamburg gut, um mal ein gemeinsames Konzert zu spielen.

 

Da ihr ja jetzt bereits dank vielzähliger Gigs einige Zeit miteinander verbringen durftet, jetzt mal Hand aufs Herz… bleibt ja unter uns:
Was nervt euch untereinander beim Touren denn eigentlich so richtig (z.B. offene Zahnpastatube, die klassische „Socken“ Geschichte usw. :D)… und noch viel wichtiger wie vertreibt ihr euch die nervige Wartezeit bis zum Auftritt?

Simon: Mich nervt es, wenn ich als nüchterner Fahrer ungefähr um 3.29 Uhr alle Schnapsgesichter zum losfahren motivieren muss und dann unterschwellig vorgeworfen bekomme, ich würde den Abend verderben. Außerdem nervt mich, dass wir zu geizig für ein richtiges Navi sind und deswegen Smartphones benutzen. Die verlieren dann immer an den entscheidenden Stellen das GPS-Signal, was uns schon so viele Fahrtkosten durch Umwege verursacht hat, dass wir davon ein richtiges Navi hätten kaufen können.

Daniel: Wenn wir eine lange Zeit zusammen im Auto sitzen können wir uns gegenseitig schon ziemlich auf den Sack gehen. Meist verfällt man in einen Zustand, indem man unüberlegte Sachen sagt. Dann können es schon Kleinigkeiten sein, die einen von uns zur Weißglut treiben.

Jan: Vor allem wenn man nach einer ätzend langen Fahrt endlich ankommen will und wir die Location nicht finden. Dann liegen oft die Nerven blank und außenstehende würden denken, dass wir uns hassen würden. Nervig ist auch der nüchterne Fahrer des Vorabends, der morgens zeitig los möchte und einen, mit dezenten Kopfschmerzen, von seiner Isomatte scheucht, damit man am Ende der Autofahrt nicht wieder auf den letzten Drücker genervt die Location suchen muss.

 

Wie sieht eigentlich die nähere Zukunft aus… was kommt nach der Tour?
Was macht ihr während der Festival-Saison… dürfen wir euch da vielleicht sogar auf dem Deichbrand Festival hier oben erwarten – da gäbe es dann ein Wiedersehen mit Fjørt?

Jan: Da wir viel Zeit brauchen, um mit dem Songs schreiben voran zu kommen, haben wir uns die Zeit abseits der Tour freigehalten, um an einem neuen Album zu schreiben.

Daniel: Wir werden aber dieses Jahr einige Festivals spielen. Eine paar Termine stehen schon. So freuen wir uns besonders, beim 10. Green Juice Festival in Bonn dabei zu sein. Das Deichbrand Festival steht bei uns noch nicht im Kalender. Bock hätten wir jedenfalls.

Und noch viel wichtiger… wann kommt das neue Album?

Simon: Wir haben da noch keinen genauen Plan, aber dieses Jahr wird das nichts mehr.

 

Anderes Thema:
Politik ist ja gerade im Moment ein schwieriges Thema, eigentlich müsste man doch bei den Entwicklungen in unserem Land und auf der Welt in absolute Depressionen verfallen! Andere Bands schreien aktuell ihre Wut z.B. über Trump, die sinnlosen Kriege oder den unkontrollierten Hass auf alles und jeden und den ganzen Müll um uns herum direkt und voller Kraft heraus – Ihr beschäftigt euch in den Songs auch sehr viel mit diesen Thematiken, aber eher verschachtelter und weniger konfrontativ… warum?

Jan: Ich finde, dass die Politik, die auf nationaler und internationaler Ebene stattgefunden hat immer schon ein schwieriges Thema war. Wichtig ist, dass unsere alltäglichen Handlungen politisch sein können und sind. Egal, ob wir am Wochenende auf Demos gehen, über Probleme schreiben oder mit unseren Freunden über Sexismus, Rassismus oder sonstige Themen diskutieren.

Simon: Mir fällt es auch einfach nicht leicht, explizite Texte zu politischen Themen zu schreiben, mit denen ich zufrieden bin. Ich finde es aber super, dass es auch Bands gibt, die da in ihren Texten sehr konkret werden. Haltung haben und zeigen kann man so oder so, denke ich.

 

Zum Abschluss möchte ich noch – wie eigentlich bei jedem Interview – kurz ein paar Worte in den Raum werfen… vielleicht fällt euch ja spontan noch die eine oder andere kurze Antwort darauf ein?!

Bonn…?
Simon: BLA, Vilich-Müldorf, Bonner Loch!
Nordsee…?
Daniel: Häufiges Urlaubsziel
Trump…?
Daniel: Dazu fällt mir nichts mehr ein.
Familie…?
Simon: „Mensch Meier, bezahl doch einfach mit deinem guten Namen!“
Lieblingsband…?
Jan: Muff Potter
AfD…?
Jan: Nein, Danke.

Vielen Dank für das Interview und eure Zeit! Ich freue mich schon auf die Tour – ich glaube den Gig in Hamburg oder Münster werde ich mir nicht entgehen lassen!

 

 

Hier noch einmal explizit die Tourdaten der im März beginnenden „WINTER ÜBERSTANDEN TOUR 2017″… mit ein wenig Glück könnt ihr bis zum 22.02.2017 über unsere Facebook-Seite 2×2 Karten für einen der anstehenden Gigs gewinnen! 🙂

17.03.2017 Köln, (Privat)
28.03.2017 Kiel, Schaubude
29.03.2017 Hamburg, Asta Stube
30.03.2017 Berlin, Cassiopeia
31.03.2017 Hannover, Lux
01.04.2017 Leipzig, Atari
02.04.2017 Nürnberg, Desi
04.04.2017 Stuttgart, Goldmarks
05.04.2017 München, Sunny Red
06.04.2017 Trier, Lucky’s Luke
07.04.2017 Wuppertal, Die Börse
08.04.2017 Münster, Gleis22

FACEBOOK

(Quelle der Tourdaten: Landstreicher Booking)