Vor kurzem durfte ich bereits über das erste Album (King to God) der Dortmunder Jungs von Fitches berichten. Und kaum verdaut beeindrucken sie uns mit ihrer experimentellen Konzept-EP „Gods and Demons“. Auf dieser sind 5 fabelhaften Songs zwischen knarzenden, rauen Gitarren und treibenden Schlagzeug Beats… wie immer – als Highlight – der unverwechselbare Gesang, der wieder einmal mehr zeigt, dass Fitches mehr können als nur einem „Genre“ zu entsprechen.
Kurz nach der Veröffentlichung stand mir Sandro (Schlagzeug) Rede und Antwort 🙂

Dana:
Moin Sandro, eine Frage vorweg: Wer von euch beantwortet eigentlich am liebsten Interviewfragen?
Sandro:
Hey Dana. Im Grunde sagt derjenige etwas, der als erstes was – in seinen Augen – völlig interessantes und sinnvolles zu sagen hat. Ob das aber immer die beste Entscheidung ist, würde ich gerade nicht unbedingt bestätigen. Aber so machen wir das hier nunmal.
Naja, wir schauen mal wie es heute läuft.

Dana:
Wie ergänzt ihr euch sonst untereinander? Beschreibt euch doch mal gegenseitig.
Sandro:
Ganz ehrlich?! Die anderen Typen hier, egal ob mehr oder weniger behaart, sind einfach meine Freunde.
Wir kennen uns jetzt ungefähr 15 Jahre, haben uns die meiste Zeit davon fast täglich gesehen. Klar braucht auch jeder mal seine Zeit für sich, aber eigentlich können und konnten wir noch nie ohneeinander!
Und als es dann im Januar 2014 dieses Wiedersehen gab, in genau dem Proberaum in dem alles begann, wir das erste mal seit langer Zeit nicht nur zusammen abgehangen und getrunken, sondern gejammt haben, war eigentlich allen klar was das bedeutet. Die Band bedeutet uns alles und vom ersten Tag an ist das auch der Grund dafür, dass jeder Einzelne weiß, wie er sich am besten einbringt, egal ob auf oder abseits der Bühne. Es funktioniert einfach.

Dana:
Nun zu „Gods and Demons“. Wow, ich bin wirklich beeindruckt. Wie kam es zu der Idee eine Konzept-EP zu machen?
Sandro:
Schuldig! Ich steh steh total auf Konzeptplatten, finde `Pink Floyd` super, die „Colors“ von `Between The Buried And Me` lief bei mir Tage, oder sogar Wochen am Stück und was `The Ocean` seit Jahren fabrizieren, sucht auch seinesgleichen!
Wie ein Album oder eine EP eine Geschichte erzählt, wie Songtexte aufeinander aufbauen, wenn allein das Artwork dich fesselt, wie Melodien, Töne, oder einfach einzelne Phrasen Fitches-Bushsongübergreifend wiederholt werden bis sie dich fast nerven – ich steh einfach drauf!
Aus diesem Grund habe ich auch mit meinem vorangegangenen Projekt ´Hysterix And His T-Rex´, schon zwei Concept-EPs veröffentlicht.
Auch Peter hat mit seiner alten Band ´Caplan´ zum Schluss noch mal ein Konzeptalbum raus gehauen. Die Liebe zu diesem großen Ganzen, das ist es.
Beim Fitches Debüt-Album war das in der Form leider nicht möglich.
Nach der Gründung ging einfach alles zu schnell. Wir spielten nach einem Monat schon die ersten Konzerte und es wurden schnell mehr und da brauchten wir natürlich Material.
Also haben wir uns ein schönes Live-Programm zusammengestellt aus dem dann erst unsere Demo-EP „The King Is Born“ und später dann das erste Album „King To God“ hervorgingen.
Und wie man deiner Frage entnimmt, heißt die aktuelle EP „Gods And Demons“.
O.K., vielleicht lässt sich da auch ein Konzept erkennen, aber dabei geht es wohl eher um den Stellenwert, den diese Band bei jedem von uns hat.
Sie war und ist unser Baby, wurde schnell zu unserem Herrscher, zu dem was uns antreibt und leitet.

Dana:
Innerhalb der ersten halben Minute kam mir direkt „Primus & the chocolat factory“ in den Sinn. Kennt ihr das Album und lasst ihr euch den Vergleich gefallen?
Sandro:
Wo wir schon wieder bei einem Konzeptalbum wären.
Aber mal Hand aufs Herz: wer sich einen Vergleich mit Primus nicht gefallen lässt, ist entweder so sehr davon überzeugt, dass er die beste, innovativste, anspruchsvollste oder vielleicht auch härteste Musik auf diesem Planeten macht – oder er mag Primus einfach nicht.
Also mir gefällt es gerade, ein mal kurz mit Primus verglichen zu werden.
Wobei man selbstverständlich direkt anfügen oder zugeben muss, dass es sich weder um kein typisches oder klassisches Primus-Album handelt, noch dass unser Opener „That Green“ dem typischen Fitches-Sound entspricht.
Wenn wir so wollen, ist es der Prolog unserer Story und mit dem was da aus den Boxen kommt wollen wir dem Hörer die Atmosphäre der Situation übermitteln,
so als würden man nach einer durchlebten Nacht selbst neben unserem Protagonisten an einem unbekannten Strand erwachen.

Dana:
Die ersten 3 Songs sind sehr experimentell wohingegen „Bang your drums“ euren „Stil“ durchblicken lässt. Gab es einen roten Faden oder hat sich die EP während der Aufnahmen einfach so entwickelt?
Sandro:
In unserer Geschichte gibt es viele Hochs und Tiefs. Wenn die Hauptfigur unserer EP nach einem hartem Sturz denkt er hätte sich wieder gefangen, dass es von nun an nur noch bergauf gehen kann, kommt der nächste Fall noch bevor er den Gipfel überhaupt erahnt hat.
„Bang Your Drums“ entstand relativ früh, was wohl auch der Grund dafür ist, dass er dich am meisten an Fitches erinnert.
Aber da war nun diese Idee, dieses Konzept. Und so kam es einfach,Fitches  © der nöBär : Bildergraphy Die Fotos dürfen gerne v
dass wir gemerkt haben wann ein Song für diese EP entsteht.
„Gods And Demons“ ist nicht mit der Brechstange geschrieben worden.
Wie schon erwähnt verbringen wir sehr viel Zeit miteinander. Sei es im Proberaum, auf Tour, oder einfach auf Partys mit Freuden. All das hat uns inspiriert, man kann sogar sagen, dass Ausschnitte durchaus autobiografischer Natur sind.
Wenn also einer von uns mit einem angefangen Song, einem Textfetzen oder einfach nur mit einem Riff in den Proberaum kam und der Band vorstellte, wussten wir direkt: „Das ist der Sound, das klingt nach unserer Geschichte! Bam!“
Und wenn wir das nicht gedacht oder gefühlt haben dann wurde der Song halt „geparkt“, oder kam in den Ordner „Next Album…maybe“.

Dana:
Wem entspringen bei euch allgemein die Texte? Wie kann ich mir das vorstellen wenn neue Songs entstehen?
Sandro:
Hauptsächlich kümmert sich Dennis als Sänger um den Inhalt.
Während der Entstehung eines Songs sind wir immer alle an unseren Instrumenten.
Oft hat jemand eine spontane Idee und dann wird diese auch direkt mal ausprobiert, getreu dem Motto „einfach machen“. Das ist eigentlich mein Motto und da die Jungs mir gerade nicht widersprechen können, lass ich das jetzt einfach mal so stehen.
Aber ehrlich, viel passiert aus einem Gefühl heraus und das ist bei Dennis Gesang nicht anders. Wir spielen, Dennis singt drauf los.
Und dabei ist es uns erst mal völlig egal, wen, oder was er da gerade verflucht
und in welcher Sci-Fi-Serie er sich die Sprache abgeguckt hat.
Es muss einfach passen, es muss rocken, ballern, und um einen meiner Kollegen zu zitieren: „Es muss Sack haben“.
Bis jetzt habe ich nur die Entstehung des Gesangs beschrieben, nicht die der Texte, richtig?
Also wie gesagt, sollte während dieser Explosionen im Proberaum nicht direkt ein passender Text herausspringen geht es für Dennis anschließend noch ans Reißbrett.
Ab und an kommt auch ein anderer von uns mit Texten um die Ecke oder wir tüfteln bei einem kühlen Bier mit der ganzen Band. Aber im Großen und Ganzen ist Dennis für die Texte verantwortlich.

Dana:
Habt ihr da spannende Rituale?
Sandro:
Da fällt mir als erstes wieder Bier ein!
Puh, ich glaube nicht wirklich.
Es ist mehr eine Reihe von Automatismen die sich im ganz normalen Bandalltag abspielen.
An einem ganz normalen Probetag ist Dennis oft der erste am Raum,
Fitches-Poolkümmert sich im Winter darum, dass als erstes der Kamin angemacht wird.
Peter und ich trudeln irgendwann ein, beide genervt vom stressigen Tag und der viel zu kurzen Nacht davor, weil man sich bis in die frühen Morgenstunden um das Booking gekümmert oder Interviewfragen beantwortet hat. Ich mach nur Spaß!
Ich merke gerade, dass ich bis jetzt ausnahmslos bei jeder Antwort lachen musste.
Aber wieder zurück zu den Ritualen.
Peter hat dann oft eine Tüte voller Fast-Food in der Hand. Dennis und ich beschließen noch mal schnell zum Getränkemarkt zu fahren um neues Bier zu holen – Peter fragt uns beim rausgehen ob wir ihm eine Dose Energy-Drink mitbringen.
Dennis und ich kommen zurück, Peter sitzt derweil vorm Computer und hört in die letzten Aufnahmen rein, langsam wird es warm, die Raumluft hat bald den vorgeschriebenen Anteil an Zigarettenqualm und wenn ich das erste Bier ausgetrunken habe, erhebe ich mich vom Sofa und mache mich auf den Weg zum Schlagzeug. Und täglich grüßt der Iltis, oder so…

Dana:
„Desert“ ist mein persönlicher Favorit. Erzählt mir die Geschichte hinter dem Song.
Sandro:
„Desert“ ist der letzte Track der EP, also im Grunde das große Finale oder besser gesagt das Ende unserer Geschichte. Ich will jetzt nicht zu viel verraten!
Den Song habe ich schon vor einiger Zeit auf einer alten Akustikgitarre geschrieben und als ich merkte wie gut er ins Konzept passt war der Text auch nur noch das logische Ende und kam wie von selbst.
Unser Protagonist hat viel erlebt und „Gods And Demons“ erzählt seine Geschichte. Ein normaler Typ zieht los und will einfach nur sein Wochenende genießen, kurz mal raus aus dem tristen Alltag. „Desert“ steht dabei nicht nur metaphorisch für den Sonntag Morgen, die Leere die ihn überfällt, nach all dem was er erlebt hat.
Also macht er sich auf, verlässt die Party, auf der er sich nur noch fühlt wie in einer Parallelwelt, in der ihn keiner mehr wahrnimmt. Und er beginnt zu laufen, geht durch die Tür nach draussen, die Sonne geht auf, das einzige was er sieht sind die Bilder der vergangenen Tage und Nächte vor seinem inneren Auge. Er läuft die einsamen Straßen entlang und er läuft immer weiter, bis es nicht mehr geht. Ende.
Wer mehr wissen will, muss sich die EP besorgen!

Dana:
Zuletzt noch zu euren Plänen für 2016. Worauf dürfen wir uns freuen?
Sandro:
Im Fitchwood-Forest ändert sich nix!
Wir werden weiterhin jede freie Minute nutzen um uns auf jeder möglichen Bühne den Allerwertesten aufzurocken! Wir werden 2016 definitiv mehr touren, wollen einige Festivals mitnehmen und freuen uns jetzt schon auf viele bekannte und neue Gesichter. Das ist einfach unser Ding – ich glaube nix macht uns mehr Spaß, als eine große Party mit vielen schwitzenden, nach Bier stinkenden, glücklichen Menschen.
Aber keine Angst, das soll nicht heißen, dass wir es versäumen werden euch mit neuem Material zu füttern.
Denn fleißig, wie die kleinen Fitches sind, steht unser nächstes Album schon in den Startlöchern!
Wir hatten eine super Zeit im Studio und unser Produzent Waldemar Sorychta hat wirklich das letzte Quäntchen aus jedem einzelnen Song rausgeholt.
Jetzt dürfen sich erst mal die Labels um die Scheibe prügeln (wer noch mit in den Ring will, darf sich gerne melden), wir spielen derweil „entspannt“ unsere Tour zu Ende und dann hoffen wir, dass wir euch spätestens im Frühjahr 2016 mit unserem neuen Album beglücken können.

Vielen Dank für das nette und ausführliche Interview… und viel Spaß auch weiterhin auf eurer Tour!

 

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Tracklist:
1. That Green
2. My Blonde
3. Witch
4. Bang Your Drums
5. Desert

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