Idle Class sind wieder da. Und wir waren begeistert vom neuen Album „Of Glass and Paper“ (Unsere Review gibt es hier).

Ein Grund mehr, vor ihrer Show im Bastard Club in Osnabrück ganz entspannt auf dem Parkplatz in der Sonne ein bisschen zu schnacken. Als Gesprächspartner haben sich Drummer Stefan und Sänger Tobias zu uns gesellt:

Björn:
Gestern war die Release-Party zu eurem neuen Album in Münster. Wie wars?

Tobias:
Super auf jeden Fall. Das überraschendste war eigentlich, dass die Leute so krass textsicher waren, auch bei den neuen Songs. Das war der Knaller.

Björn:
Woran liegt das Eurer Meinung nach, hat das was mit dem Internet und der Möglichkeit, viel schneller an Musik heranzukommen zu tun?

Stefan:
Ja, das Video kam ja schon ein paar Wochen vorher, der erste Song kam ja schon nen Monat oder zwei vorher, und da hast du schon gemerkt, dass die Leute sich das schon reingezogen haben.

Björn:
Wenn ihr so auf Tour seid: Habt ihr eine Lieblingsband mit der ihr unterwegs seid, so Richtung „Lieblingstourbuddies?“

Tobias:
Da gibt’s ne ganze Menge (lacht). Vor zwei Jahren die Tour mit KMPFSPRT war halt supergeil, vor allen Dingen weil wir nicht wussten, wie gut wir uns verstehen würden. Das hat sich dann aber ganz schnell gegeben, nachdem wir nach 10 Minuten abgesteckt hatten, dass wir alle ganz ähnlich ticken.

(Die Jungs hatten zuvor auf dem Uncle M Fest versehentlich!!! das Backstagebier von KMPFSPRT weggetrunken. Das Missverständnis ließ sich aber schnell aufklären und nun verbindet die Jungs eine enge Freundschaft. Bier verbindet eben Menschen. Wer hätte das gedacht)

Dann natürlich die Tour mit den Menzingers.

Stefan:
Flatliners auch. Eine der nettesten und geilsten Bands überhaupt!

Tobias:
Oder auch die Rivershores mit denen wir jetzt auf Tour sind.

Björn:
Ihr seid ja eine Münsteraner Band. Wie war das, als ihr angefangen habt in eurer lokalen Szene. War/ist da viel los?

Tobias:
Also wir haben ja eigentlich als Nebenprojekt angefangen. Stefan, Josua (Gitarre) und ich haben ja vorher schon zusammen Musik gemacht und haben dann irgendwann Benny (Gesang und Bass) kennen gelernt. Daniel (Gitarre) hat bei uns schon zig mal ausgeholfen und konnte am Ende glaube ich jedes Saiteninstrument spielen. Tja und irgendwie hat das dann gefunkt.

Von der Szene her war schon immer irre viel los in Münster. Über die Jahre haben sich die Hinterleute vielleicht ein bisschen verschoben, da wirklich viel Nachwuchs an Promotern, Veranstaltern usw. nachgekommen sind, die viel auf die Beine stellen. Eigentlich echt ne angenehme Sache in Münster.

Stefan:
Es gibt auch einfach echt superviele Bands und dadurch hast du im Endeffekt ein riesen Netzwerk

Björn:
Und das Netzwerk funktioniert auch so richtig. Nicht nur einfach viele Bands, sondern auch viel Support?

Stefan:
Auf jeden Fall. Jeder unterstützt sich gegenseitig, muss man wirklich sagen. Ganz lustig ist allerdings, dass es nur wenige Punkrockbands gibt. Als Nachwuchs jetzt vielleicht noch Rowan Oak, aber das wars auch. Eigentlich komisch. Es gibt halt viel Grind- und Hardcore in Münster.

Björn:
Hast du ne Idee womit das zusammen hängen könnte?

Stefan:
Ich glaube die Musiker sind einfach alle handwerklich zu gut um Punkrock zu machen (alle lachen).

Björn:
Habt ihr auf Tour irgendwelche Rituale, oder seht ihr von sowas eher ab?

Tobias:
Nein eigentlich nicht, manchmal trifft man sich ne halbe Stunde vor der Show und schwört sich so ein bisschen ein, aber generell eher nicht.

Stefan:
Naja, wir haben ein Phrasenschwein im Bulli (alle lachen)

Björn:
Was sind da die No-Gos?

Stefan:
Schlechte Witze und Wortspiele, die werden sofort geahndet. Und böse Schimpfwörter.

Björn:
Oh, dann seid ihr eigentlich ne ganz wohlerzogene Truppe?

Tobias:
Naja, du solltest das Phrasenschwein mal hochheben….(lautes Gelächter).
Ab und an gibt’s „Phrasenfreie Zeit“, da darf dann jeder rauslassen, was er will

Björn:
Ich wollte grad fragen: Wie schafft ihr es, euch nicht an die Gurgel zu gehen, wenn ihr so lange Zeit aufeinander hockt im Bulli?

Stefan:
Das lustige ist, dass drei von uns in einer WG wohnen. Im Endeffekt hocken wir immer aufeinander rum (Gelächter). Wir haben erstaunlich wenig Stress in der Band. Wenn wir nach einer Tour nach Hause kommen geht jeder in sein Zimmer und nach fünf Minuten sitzen wieder alle in der Küche. Irgendwie sind wir ein eingeschworenes Team. Wie so eine kleine Familie.

Björn:
Dann ist euch auf Tour vermutlich auch nie langweilig oder? Was sind eure Strategien gegen Langeweile?

Tobi:
Öhm (Beäugt sein Bier und grinst, alle fangen an zu lachen). Och, langweilig eigentlich nie, wir haben immer so Beschäftigungstherapiegeräte dabei, nen Fußball oder unsere Gitarristen malträtieren gerne mal ihre Skateboards. Wir kennen uns halt auch schon alle superlange und sind gute Freunde

Stefan:
Die Gesprächsthemen gehen auch einfach nie aus. Wenn du uns fünf in einen Bulli steckst, dann kommt immer nen Thema auf. Wir reden schon viel miteinander.

Björn:
Ihr seid ja mittlerweile schon ziemlich groß unterwegs, an welchem Punkt habt ihr gemerkt, dass ihr keine Lokalband mehr seid?

Stefan:
Das hat da angefangen, als Blackstar Foundation auf einmal unser Album rausgebracht hat. Wir waren es mit unseren alten Bands gewöhnt, alles selbst zu bezahlen, selbst wenn wir bei Labels waren. Und dann standen da auf einmal 300 Platten bei uns im Flur und wir mussten dafür keine Rechnung zahlen. Da hast du gemerkt, okay Irgendjemand investiert da jetzt in deine kleine Münsteraner Band. Dann kam Uncle M und hat die Promo gemacht.

Es ist allerdings auch so, dass wir immer schon alles, was wir gemacht haben, auch sehr ernst genommen haben. Es war nie als Hobby gedacht, sondern schon als was Ernsthaftes.

Björn:
Und was war das geilste, was ihr zusammen als Band erlebt habt?

Stefan:
Da würde ich die Release-Party gestern schon fast mit einbeziehen.

Tobias:
Eigentlich jede Release-Show, die wir je gespielt haben. Das schönste ist wirklich auf der Bühne zu stehen und die Leute, die singen und grölen den Mist raus, den du geschrieben hast. Und wegen Gestern: Ich krieg grad schon wieder Gänsehaut. Ohne Witz, es war der Hammer. Solche Momente kann dir dann auch keiner mehr nehmen. Insbesondere weil die zwei Wochen vor der Release-Party ziemlich stressig waren und dann war es einfach geil auf der Bühne zu stehen und zu merken, dass die Leute Spaß haben.

Stefan:
Du bist bei ner neuen Platte auch einfach immer saunervös, ob es den Leuten jetzt gefällt. Klar, die Musik machen wir in erster Linie für uns, aber wenn du in einer gewissen Weise unterwegs sein möchtest, dann stehst du natürlich immer unter einem bestimmten Druck. Wenn du dann merkst, den Leuten gefällt ist, ist das eine riesen Erleichterung. Und das war gestern einfach das Paradebeispiel. Ein Träumchen (grinst).

Björn:
Dass ihr so gut miteinander auskommt, liegt das daran dass ihr ähnliche Persönlichkeiten seid, oder gibt es Unterschiede?

Tobias:
Ich würde so sagen, 50/50. Wir ticken alle ziemlich gleich, aber natürlich gibt es auch Unterschiede. Was uns vereint, ist, dass wir in Bezug auf die Band alle gleich denken. Und innerhalb der Band hat jeder seine eigene Rolle, in der er gut ist. Stefan macht das Booking, ich mach viel Orga, Josua macht das Design und unser Merch usw.

Stefan:
Das ist auch das Schöne, bei uns ist wirklich noch alles DIY. Wir machen alles selbst. Merch, Booking, Organisation, das ist alles noch im Haus. Ich könnte mir niemals vorstellen einen Manager zu haben, der sich um alles kümmert.

Björn:
Wenn ihr neues Material schreibt, ist das dann auch nach Aufgaben verteilt, oder wie macht ihr das?

Tobias:
Benny schreibt bei uns die meisten Texte und hat da auch einen sehr hohen Output. Meistens kommt er mit einer Idee auf Akustikgitarre, zu der er auch schon ne Gesangslinie hat, dann ruckeln wir das zusammen nochmal auseinander und daraus wird dann ein Idle Class Song. Oder jemand spielt im Proberaum was und irgendwie zündet eine Idee und daraus entsteht ein Song.

Björn:
Wer beeinflusst euch am meisten, was für Bands hört ihr Privat?

Tobias:
Wir hören Privat natürlich auch viel Bands wie Flatliners und Menzingers,  auf der anderen Seite sind wir ja alle auch nicht mehr 18 und haben eine längere Musikhistorie hinter uns und da sind dann bestimmt auch viel Bands aus den 90ern dabei, wie Lagwagon oder Hot Water Music. Letzten Endes ist aber für uns der Einfluss nicht so wichtig, sondern dass die Songs stimmen.

Björn:
Dann die ganz banale Frage zum Abschluss: 5 Year Plan? 10 Year Plan?

Stefan:
Ach, wenn sich das alles so weiterentwickelt wie bisher, dann sind wir total glücklich. Fest in Gainesville zu spielen, das wäre noch so ein Traum.
Dass es diese sympathischen Typen bald aufs legendäre „Fest“ nach Gainesville, Florida schaffen, können wir vom Handwritten-Mag natürlich nur wünschen.