Passend zum neuen Album der Herren von Abwärts hat uns Bandgründer und Kultpunk Frank Z. ein wenig von seiner Zeit geschenkt um uns die eine oder andere Frage zur Geschichte der Band, zum neuen Album „Smart Bomb“ und zur aktuellen Lage im Land zu beantworten.

… na dann mal viel Spaß!

 

Hallo Frank, schön dass du dir ein wenig Zeit für unser kleines Magazin genommen hast! – wie geht’s dir?
Danke, fast perfekt.

Die Veröffentlichung eures nun bereits fünften Studioalbums seit der Quasi-Neugründung in 2004 steht kurz bevor, an Kreativität mangelt es ja dank der ganzen Ereignisse um uns herum nicht, oder?
Na ja, alles ist relativ, fünf Alben in gut vierzehn Jahren, da machen andere unter kommerziellem Druck mehr. Andererseits, klar, wenn man wie ich oft zeitbezogene Texte macht, gibt es ne Menge Steilvorlagen.

Ich durfte ja schon in „Smart Bomb“ reinhören, viele andere noch nicht… kannst du vielleicht in kurzen Worten etwas über das neue Album sagen?
Das Album fällt insgesamt ‚härter‘ als der Vorgänger aus, das liegt bei uns auch immer an den inhaltlichen Aussagen.

Schaut man sich den Titelsong „Smart Bomb“ an, dann fällt sofort auf, dass ihr euch Gedanken um die aktuellen Probleme auf der Welt macht und diese auch direkt ansprecht, die Scheibe also somit auch sehr politisch und gesellschaftskritisch ausfällt. Ist die Zeit der Zurückhaltung und des „wird schon wieder“ nun endgültig vorbei?
Wenn man eine Band Abwärts nennt, ist das ‚wird schon wieder‘ natürlich eh schon mal weit weg. Klar sehe ich unsere Songs auch immer noch als Ventil für Wut. Der Song „Smart Bomb“ beispielsweise beschreibt die Roboter-Logik der neuen Waffensysteme, welche ja auch schon ausgiebig in den aktuellen Kriegen getestet wurden und werden.

Mit „Going Down“ habt ihr auch einen richtigen Ohrwurm auf dem Album, der aber eher dem Tod als dem Leben huldigt und dem guten Eiche-Rustikal zu neuer Ehre verhilft. Ist es schon so arg, oder warum beschäftigt ihr euch so explizit mit dem Thema Tod?
Going down“ ist eher als Metapher zu sehen, so wie es das Video dazu verdeutlicht: Pack die ganze Scheiße in den Sarg.

Wer ist überhaupt für die Texte verantwortlich? Lässt du dir da rein reden, oder sind die Inhalte komplett aus deiner Feder – ich meine, als ehemaliger Schriftsteller bietet sich das ja förmlich an.
Die Texte schreibe ich komplett alleine, meine Ambitionen als Schriftsteller habe ich nicht aufgegeben, auch wenn bisher nichts veröffentlicht wurde.

Apropos Vergangenheit, Abwärts haben seit der ursprünglichen Gründung vor fast 40 Jahren ja schon einige Auflösungen und Besetzungswechsel hinter sich, wie hat es Rodrigo González eigentlich 2004 geschafft, dich zu überreden wieder aktiv zu werden – kanntet ihr euch schon vorher?
Rod kenne ich schon ewig, wir sind beide alte Hamburger. Als wir 2004 wieder mit Abwärts anfingen, entsprang das eher einer gemeinsamen Idee. Rod hatte ja auch schon mal in den 90ern mein Solo-Album produziert.

Zurück zum aktuellen Album, mit „Rum & Coca Cola“ befindet sich auch eine Cover-Nummer auf der Scheibe. Wie seid ihr auf den Andrew-Sisters-Song gekommen, warum genau diese Nummer?
Ich habe das Stück zufällig im Autoradio gehört, das ganze Ding trieft ja nur so vor Sarkasmus- das zeigt mal wie ‚zeitlos‘ Politik ist, schließlich stammt die Nummer aus den 1940er Jahren. Richtig für Abwärts.

All die Fressen“ die man den ganze Tag in den Medien und wo sonst noch geboten bekommt gehen dir gehörig auf den Sack – sollte man sich also viel mehr zurück besinnen an die Zeit, als der ganze Social-Media-Kram (der uns scheinbar gerade um die Ohren fliegt) und ganzen irrsinnigen Fernsehformate noch Zukunftsmusik waren?
Eine Rückbesinnung wird es kaum geben, es sei denn der Dritte Weltkrieg bricht aus. Mann sollte nur selbst versuchen sich von der ganzen Scheiße kritisch fernzuhalten. Vielleicht mal einen Cuba-Libre trinken.

Die Tour steht nun bald an, auf welchen Gig freust du dich persönlich schon ganz besonders? Du hast ja wahrscheinlich „überall“ schon mal gespielt, an welche Location hast du aus der Vergangenheit besonders gute Erinnerungen – und wer wird euch dieses Mal als Support begleiten?
Ich freue mich auf die Tour generell, besonders gerne spiele ich allerdings im SO 36 in Kreuzberg, da sind wir schon so eine Art Hausband 🙂 als Support begleiten uns auf einigen Gigs Shirley Holmes, ’ne wirklich sehr gute Band aus Berlin.

 

Zum Ende eines Interviews schmeiße ich immer gerne noch ein paar Worte in den Raum, was fällt dir denn eigentlich ein zu…

… Hamburg?
Zu viele nervige Groß-Events.
… Sachen die auf ausgedehnten Touren am meisten nerven?
Unsere Touren nerven nie. 🙂
… ein gepflegtes Pils, oder eher ein wohl temperierter Rotwein?
Beides.
… Sex, Drugs & Rock’n’Roll… Mythos oder das harte Leben eines Rockmusikers?
Mythos, das ist der Scheiß von vorgestern, Rolling Stones.
… was wäre aus dir geworden, wenn du damals nicht an die Musik gekommen wärst?
Ein Millionär.
… welche Überschrift würdest du gerne irgendwann auf der Titelseite der Zeitung lesen?
Außerirdische auf dem Weißen Haus gelandet!

Möchtest du unseren Lesern abschließend vielleicht noch etwas mit auf den Weg geben?
Hört euch „Smart Bomb“ an!

Vielen Dank, das war’s schon! Dann bleibt mir eigentlich erstmal nur, dir/euch weiterhin Erfolg und eine tolle Tour zu wünschen… und viele Grüße an den Rest der Band!

Danke auch, fr.

 

Titel:
1. Aber für nichts
2. Smart Bomb
3. Autonomes Fahren
4. Sehnsucht
5. Going Down
6. Charlie Brown
7. Lass Blumen sprechen
8. All die Fressen
9. Plastik Mann
10. Um in das Merr zu gehen
11. Vorsicht
12. Rum & Coca Cola
13. Kreuzberg 1.Mai Happy Happy Ding Dong

 

SMART BOMB – Tour 2018
02.10.18 Arnstadt – Prinzenhofkeller
03.10.18 CH-St. Gallen – Torpedo Bar
04.10.18 CH-Solothurn – Kofmehl
05.10.18 CH-Winterthur – Gaswerk Kulturzentrum
06.10.18 CH-Zug – Galvanik Kulturzentrum
11.10.18 Osnabrück – Bastard
12.10.18 Düsseldorf – The Tube
13.10.18 Lüneburg – Gasthausbrauerei
08.11.18 Rüsselsheim – Rind
09.11.18 Saarbrücken – Garage
10.11.18 Bonn – Bla
15.11.18 Berlin – SO36
16.11.18 Husum – Speicher
17.11.18 Hamburg – Nochtspeicher

Fotos: Rodrigo Ganzález

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