Die Blackout Problems haben mit ihrem Debüt-Album „Holy“ ein Alternative-Rock Brett geschaffen, welches zurecht in sämtlichen Hörgängen und Zeitschriften vorherrscht (unsere Review). Bei ihrer Show in Klagenfurt am 11. März habe ich mich mit den sympathischen drei Jungs über ihr Album „Holy“ und die Entwicklung ihrer Band unterhalten.

André:
Moin Jungs, alles gut bei euch? Wie läufts?

Mario:
Alles gut soweit, die Tour Energiereserven liegen bei -20, aber sonst is alles gut. Kleiner Scherz, bei uns ich alles super!

André:
Ihr habt immer mal wieder EPs rausgebracht. „Holy“ ist nun euer Debütalbum sozusagen, habe ich das alles richtig verstanden?

Mario:
Jein, wir haben schon einmal ein Album herausgebracht, aber nicht in der Besetzung. Deswegen wird das jetzt oft als unser Debüt bezeichnet. In der jetzigen Besetzung gibt es uns seit 2012 und seitdem ist es unser erstes Album. Uns ist es eigentlich auch ganz recht, dass es als Debütalbum bezeichnet wird, weil es sich einfach auch so anfühlt.

André:
Warum ist das dann erst jetzt passiert, wenn ihr seit 2012 in der Besetzung seid?

Mario:
Wir haben 2012 angefangen Musik zu machen, erste Konzerte und erste Touren gespielt. Dann erstmal getestet, ob wir überhaupt gemeinsam Songs schreiben können, es heißt ja nicht wenn man sich menschlich gut versteht, dass das dann auch musikalisch gut klappt. Das hat dann funktioniert und das war dann unsere erste EP, die 24/7 EP war da so der Test. Dann sind wir ins Studio gegangen und wollten ein Album aufnehmen, wir haben uns dann bei verschiedenen Labels beworben und wurden da ein wenig verleitet, hatten ein Labeldeal in Aussicht und wollten zunächst eine EP herausbringen und dann das Album, mit den Songs die wir damals im Studio aufgenommen haben. Wir haben da dann die „Gods EP“ gemacht. Das ganze Labelding ist dann leider geplatzt und wir standen da und mussten von neu anfangen und haben dann „Holy“ aufgenommen. Deswegen hat sich das alles so lang gezogen. Es war nie so, dass wir uns irgendwie zurückgezogen haben, wir haben immer vollgas gegeben – daher auch die Augenringe (lacht).

André:
Warum der Titel „Holy“? Steckt da was religiöses hinter?

Mario:
Nein gar nicht! Das ist immer schön kontrovers. Es ist immer so ein bisschen die Frage, was ist einem Heilig? Was ist einem Menschen wichtig? Das ist schon eine Frage die im Album aufgeworfen wird. Wir sind alle Mitte 20 und entscheiden uns gerade für so ein Leben, was uns sehr, sehr wichtig ist und wir gehen einen Weg der nicht der einfachste ist, der viele Hürden hat, aber es ist uns so wichtig – das Album ist uns so wichtig, dass wir uns von nicht haben abschrecken lassen, egal welche Rückschläge wir einstecken mussten, wir haben immer gesagt, wir wollen das rausbringen und dadurch wurde es uns so ein bisschen heilig. Das ist so eine Bezeichnung, aber es gibt auch ganz viele andere. Man kann an diese Frage „Was ist den Leuten heilig?“ auch ein wenig kritisch herangehen. Was ist den Leuten heute wichtig, welche Werte werden verkörpert und welche nicht?

André:
Wie lange habt ihr nun an „Holy“ gearbeitet?

Marcus:
Wir haben ungefährt zwei Jahre daran gearbeitet. Sagen wir mal so: mit dem Zyklus in dem wir die „Gods EP“ veröffentlicht haben, zu der ja auch schon ein wenig Songwriting für die Platte entstanden ist, haben wir uns dann trotzdem nochmal Anfang 2015 zusammengesetzt und wollten unsere ganzen Einflüsse die wir so haben, auf einen Nenner bringen. Alles zusammen waren das so knapp zwei Jahre.

André:
Das mit den Einflüssen finde ich recht interessant. Einige Parts auf „Holy“ haben mich an die self-titled Platte von Blink 182 erinnert. Ganz blöd diese Verknüpfung, aber in dem Zusammenhang kam mir dann die Frage auf, was eure wirklichen Einflüsse für „Holy“ waren.

Michael:
Viele Einflüsse sind einfach ganz unbewusst. Uns hat das Live spielen sehr beeinflusst – die Tour mit Heisskalt zum Beispiel. Wenn man aber jetzt Genretechnisch denkt, gibt es bei uns keine Grenzen. Selbst wenn man ein Genre jetzt nicht unbedingt raushört, kann man sagen, dass mich jetzt Hip Hop inspiriert. Bei uns gibts alles von Hip Hop über Hardcore bis hin zu Springsteen.

Mario:
Es ist nicht nur musikalisch, sondern auch textlich so eine Sache. Wie du das gerade gesagt hast: Hip Hop hört man nicht unbedingt – war bei mir, um die Texte zu schreiben, aber ein sehr großer Einfluss, weil Hip Hopper heutzutage Sachen viel, viel mehr on point sagen und sagen was sie denken. Leider hört man das bei Rock nicht immer, viele Sachen werden ausgeschmückt, umbenannt, vielen Floskeln werden verwendet. Gerade bei deutschen Bands, die wie wir auf englisch texten. Da war sehr viel Arbeit nötig, um zu probieren wie man etwas direktes schreibst. Also, wenn du die Platte hörst, du dich dann auch angesprochen fühlst. Da war Hip Hop wirklich ein großer Einfluss. Und die self-titled Platte ist auch die mit Abstand beste von Blink – da hast du gut zugehört. (lacht)

André:
Wie kam die Zusammenarbeit mit Nathan Gray zustande?

Marcus:
Im Prinzip haben wir da einfach nur gefragt. Wir arbeiten mit einem Partner, Uncle M, in Münster zusammen und die machen auch den Vertrieb von Boysetsfire in Deutschland. Wir fanden die Idee mega cool, wenn Nathan auf unserer Platte wäre. Dann wurde er angefragt, man hat sich getroffen und geschaut ob man sich versteht und das cool ist mit dem Song. Und dann hat er das reingeschmettert.

Mario:
Ich glaub im ersten Moment, als er uns das erste mal gesehen hat war es schon eher noch so „Okay, mal gucken“. Ist ja auch ganz verständlich – er ist in einem ganz anderen Alter, als wir es sind. Man kann jetzt nicht gleich davon ausgehen, dass man sich sieht und man direkt auf einer Wellenlänge ist. Deshalb sind wir dann erstmal zusammen Essen gegangen, haben uns unterhalten. Er hat dann mal gefragt: „Wer sind denn diese ‚Boys without a home‘?“. Wir haben ihm dann erklärt, dass das ein Song ist, der für unsere Crew geschrieben wurde. Da sind wir dann irgendwann so aufeinander eingestiegen, das war dann richtig rührend für uns und wir haben uns gedacht „ok, geil“! Da waren wir alle so dermaßen motiviert, so auf 120% und sind dann ins Studio gegangen. Er hat seinen Part dann so reingenagelt und das mit so einer Freude dabei! Im Nachhinein haben wir dann auch gehört, dass ihm der Mix gefällt. Das war dann nochmal so ein Moment – „Gott sei dank“ – man weiß es ja nie, nur weil wir seine Musik cool finden, heißt das ja noch lange nicht, dass das umgekehrt genauso ist. Das hat uns dann sehr, sehr gefreut als er auch gemeint hat, dass es geil geworden ist.

André:
Dann ist die Platte auf Platz 57 eingestiegen. Dieser ganze Hype der um euch aufkam. Wie geht ihr damit um?

Marucs:
Als „Hype“ spüren wir das absolut nicht. Wir machen einfach unser Ding. Wir arbeiten schon die letzten drei oder vier Jahre hart an der Band und an dem gesamten Konstrukt. Nicht nur wir drei, da gehören ja noch viel mehr Leute dazu. Wir freuen uns natürlich über die Aufmerksamkeit, die wir jetzt mit dem Album generieren konnten und können. Freuen uns auch, wenn die Leute zu unseren Shows kommen. Nur ist es für uns schwierig das als „Hype“ zu bezeichnen, weil wir einfach nur froh sind diese Aufmerksamkeit zu bekommen, für die wir natürlich hart gearbeitet haben.

Mario:
Es ist auch nicht so, dass wir vom einen auf den anderen Tag – wie es ja bei manchen Bands so ist – den richtigen Hype hatten, weil diese Bands dann einen Radio-Hit haben. Das haben wir ja alles gar nicht, wir haben ja nicht mal ein Label, das uns krass finanziert oder sonst irgendwas. Wenn heute Abend Leute kommen, dann wissen wir, dass sie deswegen kommen, weil wir hier jetzt schon zwei mal gespielt haben. Gestern in Wien genau dasselbe. Wir kennen die, wir haben die schon mal gesehen – manche davon. Viele sind natürlich auch neu dabei, die aufgrund von „Holy“ jetzt zum Konzert kommen. Aber wir merken einfach, dass das nicht von heute auf morgen gekommen ist. Wir waren im B72 (anm. Wien) schon mindestens vier Mal. Wir haben da auch schon Abende gehabt, da waren da nur 20 Gäste, also viel weniger Leute.

André:
Zur nächsten Frage habt ihr schon einiges gesagt. Was bedeutet dieser Erfolg der Platte jetzt für euch und merkt ihr Veränderungen? Einerseits intern, andereseits auch wie Dinge an euch herangetragen werden?

Mario:
Eine Sache die mir jetzt in den letzten Tagen der Tour aufgefallen ist, die ich sehr, sehr positiv sehe und nicht unbedingt was mit Erfolg zu tun hat ist, dass wir mittlerweile eine Crew dabei haben, die aus unseren besten Freunden besteht und einen richtig, richtig guten Job macht. Also die jetzt nicht irgendwas nur so halbgar machen, wir haben jetzt einen FOH-Techniker dabei, der sich den Arsch aufreißt, damit wir einen guten Sound haben. Wir haben einen Backliner dabei, der uns die Gitarren stimmt während der Show, damit wir schneller Songs hintereinander spielen können. Wir haben einen Merchandiser dabei, der neben seinem ganzen T-Shirt Verkauf auch noch Fotos macht und filmt. Und das geile dabei ist einfach, dass sich das alles nicht wie Arbeit anfühlt. Das ist so nach dem Motto „wir machen jetzt eine kleine Klassenfahrt“. Gestern habe ich jemanden von einer anderen Band getroffen, den ich noch von früher aus dem Dorf kenne und der meinte zu mir „ist ja witzig, ihr hängt ja immernoch mit den alten Leuten ab.“ Und ja! Das ist so! Klar, warum sollten wir mit anderen Leuten abhängen?!

Michael:
Wäre ja auch schlimm, wenn dich der Erfolg verändern würde. Was ja leider oft mal passieren kann. Aber ich glaube, dass wir da erstens noch nicht erfolgreich genug und auch nicht so anfällig dafür sind.

André:
Eure größte Vorfreude in 2016. Worauf habt ihr am meisten bock?

Marcus:
Ich glaube da sind wir gerade mitten drin. Die Tour spielen zu dürfen. Unsere erste eigene Tour mit so vielen Konzerten aneinander und zu sehen, dass so viele Leute auf unsere Konzerte kommen. Ich glaube das ist die größe Freude die wir in den nächsten Wochen so haben können.

Mario:
Wir freuen uns auch extrem auf den Sommer. Festivals spielen, wenn es wieder ein bisschen wärmer ist. Jetzt hier gerade im Moment ist das alles ein bisschen ätzend mit dem Wetter. Ist natürlich gerade ein gängiger Zeitraum zum auf Tour gehen, ist aber auch weils kalt ist immer ein bisschen schwierig.
Ich glaube den größten Teil haben wir aber auch schon hinter uns gebracht, das war der 5. Februar, als dann zum ersten Mal die Platte im Laden stand. Wobei wir uns dann dachten: wow, wir haben soviel Arbeit, Schweiß, Blut, Geld dareininvestiert – jetzt ist das Ding fertig, jetzt können wir es in der Hand halten und es uns anhören – das ist ein gutes Gefühl!

André:
Die weiteren Ziele für 2016? Neben einer erfolgreichen Tour?

Mario:
Wir würden gern so erfolgreich sein, dass wir uns alle zerstreiten und nur noch arbeitsmäßig zusammenkommen.

Michael:
Das nur auf den Erfolg schieben und Applaus beim Bäcker bekommen.

(Lautes lachen folgt)

André:
Was sind die weiteren Pläne danach?

Mario:
Wir haben noch nicht so wirklich Pläne. Ein paar Sachen sind im Hinterkopf, die wir machen wollen. Viele Ideen. Und natürlich dann das nächste Album. In dem Moment, wenn das eine fertig ist hast du bock das nächste zu machen, weil es einfach spaß gemacht hat!

André:
Das war es dann von meiner Seite! Ich danke euch vielmals für eure Zeit und das wunderbare Gespräch!

Die Blackout Problems sind in diesem Jahr noch sehr fleißig unterweg und jeder der die Band noch nicht kennt, bekommt von mir jetzt die Aufgabe – den Befehl – sich die Jungs live anzuschauen. HÖRENS- und SEHENSWERT!

30.03.2016 DE-Saarbrücken, Kleiner Klub w/ An Early Cascade
31.03.2016 DE-Ulm, Roxy w/ An Early Cascade
03.04.2016 DE-Bonn, Green Juice Special w/ Heisskalt und RADIO HAVANNA
15.04.2016 DE-Erlangen, E-Werk w/ Sandlotkids
16.04.2016 DE-Markneukirchen, Framus Warwick Musichall w/ Sandlotkids
20.04.2016 DE-Würzburg, Cairo w/ Bluuna
21.04.2016 DE-Osnabrück, Bastard Club w/ COPPERSKY
22.04.2016 DE-Düsseldorf, Zakk w/ Coppersky
23.04.2016 DE-Essen, Weststadthalle w/ Coppersky
14.05.2016 CH-Zürich, Dynamo / Werk 21
24.05.2016 CZ-Prag, Rock Cafe
28.05.2016 DE-Braunschweig, B58 Fest w/ FJØRT + Abramowicz

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