Mit „Hibernation“ präsentieren die Schweden von Immanu El ihr mittlerweile viertes Album, nachdem sie erst kürzlich ihr Debüt „They’ll Come, They Come“ neu aufgenommen und veröffentlicht haben. Für den neuen Release unterschrieben die Göteborger beim kleinen aber feinen deutschen Traditionslabel Glitterhouse Records, das zuletzt durch die sehr erfolgreichen Releases von Die Nerven und Wovenhand für Aufmerksamkeit sorgte.

Aber nicht nur das Signing stellt eine Neuigkeit für die Schweden dar. Das erste neue Material seit dem letzten offiziellen Studioalbum „In Passage“ von 2011 stellt eine musikalische Gradwanderung für die Band dar. Während man sich auf den ersten drei Alben sehr in Richtung der landsmännischen Kollegen von EF und pg.lost orientierte, und somit recht eindeutig Postrock-Fahrwasser ansteuerte, kommt „Hibernation“ mit einem anderen Sound daher. Geblieben sind dabei lediglich die weichen, angenehmen Stimmen der Gebrüder Strängberg, die noch an den alten Sound von Immanu El erinnern.

Die auffälligste Veränderung lässt sich vermutlich im Bereich der Rhythmus-Fraktion finden. Das einst gewöhnlich organische Schlagzeug wurde größtenteils durch E-Drum-Sounds ersetzt und fügt sich in ein grundsätzlich vielmehr elektronisch orientiertes Klangbild ein. Was einst von dem organischen Sound und einem postrockesquem Ebben und Fluten geprägt war, hat sich in ein stringenteres Songwriting und einem Klangdesign á la Dream-Pop verwandelt. Dabei beweisen die Schweden, dass elektronische Klänge und poppige Arrangements nicht zwangsweise wie Plastik wirken müssen und durchaus ihre Authentizität behalten können.

Der Schlüssel dazu liegt in der wohlüberlegten Konzeption der acht Stücke auf „Hibernation“, die vor allen Dingen von ihrer verträumten Atmosphäre leben. Im Stück „Winter Solstice“ beschreiben die Zeilen „We hibernate, wide wake“ sehr treffend das Konzept der Platte, dessen Titel sich mit „Ruhezustand“ übersetzten lässt. Denn genau dieses Gefühl bekommt man, wenn man der Musik von Immanu El folgt. Durch die verträumten Klangflächen der weichen, elektronischen Schlagzeugbeats, gepaart mit den atmosphärische Gitarrenflächen und dem sanften Gesang der Strängberg-Brüder, verfällt man bei vollem Bewusstsein in einen entspannten Ruhezustand, der einen über den Kurs des gesamten Albums gefangen hält.

Für den Opener „Voices“ taten sich die Göteborger mit den Regisseuren Jeff Pinilla und Matt Pourviseh zusammen, die einen Kurzfilm mit dem Titel „The Earth, The Way I Left It“ drehten und als Musikvideo zur ersten Singleauskopplung fungiert.

Das Thema Raumfahrt und das Verlangen nach der Weite des unerforschten Universums passen dabei sehr gut zur Musik auf „Hibernation“. Das zeigt sich im Verlauf des Albums nochmal sehr besonders beim Stück „Dvala“, der wohl ambientlastigsten Komposition, die Immanu El je geschrieben haben. Mit „Completorium“ haben die Schweden dann auch noch eine fast lupenreine Pianoballade an Bord, die besonders durch ihre stille Melancholie, für die so viele Glitterhouse-Bands bekannt sind, zu bestechen weiß.

Die Umgewöhnung an den neuen Sound der Band dürfte für Immanu El-Fans der ersten Stunde trotzdem nicht so ganz reibungslos funktionieren, denn „Hibernation“ gleicht wirklich nur noch rudimentär seinen drei Vorgängern. Für diejenigen, die jetzt erst auf die Band aufmerksam werden, dürfte das aber wenig störend sein.

hibernation-small

01. Voices
02. Winter Solstice
03. MT
04. Omega
05. Dvala
06. Hours
07. Completorium
08. Empty Hands

 

Immanu El - Hibernation (Glitterhouse Records, 25.11.2016)
4.4Gesamtwertung