Schaut man in den letzten Tagen nach draußen, alles „Grau“…

Schaut man in die Welt, alles „Grau“…

Schaut man auf diesen Freitag, dann wird schlussendlich alles endgültig „Grau“!

Denn dann erscheint das gleichnamige neue Album der Kölner Indie-Punk-NewWave-NDW Truppe Illegale Farben, die nach ihrem selbstbetitelten Erstlingswerk im letzten Jahr nun schon wieder einen vollständigen Longplayer mit zwölf feinen Dosen gesellschafts- und sozialkritischer Songs im Gepäck haben.

Erst kürzlich stand mir Sänger Thom im Rahmen eines Interviews Rede und Antwort und man hatte schon die Möglichkeit dadurch einen kurzen Einblick in die Entstehung und über die Hintergründe von „Grau“ zu bekommen, nun geht es dann nochmal ein wenig mehr ins Detail.

Der „Marsch ins Verderben“ hat schon begonnen und die Veränderungen in der Gesellschaft sind überall spürbar – daher ist es auch nicht „Viel zu viel“ verlangt, wenn sich Bands wie die Illegale Farben ihre eigenen Gedanken dazu machen.

Die Kölner sind im Gegensatz zum ersten Album definitiv düsterer, melancholischer und inhaltlich um einiges politischer geworden, was an den aktuellen Geschehnissen liegen mag… ihren Stilmix aus NDW, Punk und Indie haben sie glücklicherweise beibehalten, in Teilen sogar verfeinert – wobei poppige Elemente, wie bei „Sirenen“ und „Was passiert“ ebenfalls Einzug gehalten haben. Besonders bei letztgenannter Nummer gelingt es den Jungs wieder wunderbar, fröhliche und treibende Beats  mit persönlichen, sowie düsteren Texten zu verbinden… Chapeau!

Die große Stille“ erinnert mich nicht nur vom Gesang her an meine Lieblings-Punks von Love A, was laut Thom aber eher zufällig und nicht beabsichtigt gewesen sei – trotzdem geil… Punkt!

Nur „Ein kurzer Augenblick“ und schon sind wir bei der ersten Single-Auskopplung „Kein Problem“ angekommen, welches mit Vollgas alle Unzulänglichkeiten dieser Welt wegwischen will… dieses Unterfangen scheint aber nur oberflächlich von Erfolg gekrönt.

Rockig geht`s mit „Schneeweiß“ weiter, bevor dann die „Problemzone Mensch“ als politischster Song des Albums mit allen Menschen abrechnet, die in der heutigen Zeit entspannt auf dem Sofa abwarten, bis alles wieder gut ist – da kannste aber mal lange warten, oder?!

So schnell wie hier geile Songs produziert werden, in ebenso einer hohen „Frequenz“ geht es weiter, denn „wir werten nicht mehr warte… wir stehen wieder auf den Beinen!“.

Für Liebhaber für temporeichen NewWave haben die Jungs dann noch „Willkommen im Tunnel“ mit im Gepäck, bevor es abschließend düster melancholisch ins „Moor“ geht und dort das „Grau in Grau“ zelebriert wird… finster, zerstörend und mit depressiver Schönheit behaftet.

„Grau“ ist insgesamt nichts für schwache Gemüter und stellweise sehr emotional – gibt man sich dem Album hin, dann findet man garantiert recht schnell Gefallen daran… von mir geht hier der Daumen ganz klar nach oben!

Illegale Farben ist beileibe keine Radioband, werden sie auch niemals sein… den Mainstream überlassen die Kölner anderen Combos – und das ist auch gut so!

 

Titel:
1. Marsch ins Verderben
2. Viel zu viel
3. Sirenen
4. Was passiert
5. Die große Stille
6. Ein kurzer Augenblick
7. Kein Problem
8. Schneeweiß
9. Problemzone Mensch
10. Frequenz
11. Willkommen im Tunnel
12. Moor

 

Ab November geht es für Illegale Farben dann auch auf Tour… hier die Live-Daten:

09.11.17 Münster, Gleis 22
10.11.17 Bremen, Tower
11.11.17 Hamburg, Hafenklang (Rookie Fest)
17.11.17 Karlsruhe, Alte Hackerei
18.11.17 Köln, Blue Shell
23.11.17 Nürnberg, Club Stereo
24.11.17 Berlin, Cortina Bob
01.12.17 Siegen, VEB
02.12.17 Dortmund, Subrosa
08.12.17 Oberhausen, Druckluft

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Illegale Farben – Grau (Rookie Records/Indigo, 13.10.2017)
4.6Gesamtwertung