Iced Earth  sind für mich immer so etwas wie die Speerspitze des US Power Metals gewesen. Allerdings treten die Band und Mastermind Jon Schaffer seit „The Glorious Burden“ ein wenig auf der Stelle. Mit schöner Regelmäßigkeit liefert die Band gute Alben ab, kann aber nicht zu früheren Großtaten wie „The Dark Saga“ und „Something Wicked This Way Comes“ aufschliessen. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass die Band immer wieder mit wechselndem Personal zu kämpfen hat. Sänger Stu Block ist nun auf den letzten drei Alben zu hören und sorgt zumindest stimmlich für Kontinuität und Gesang auf höchstem Niveau. Auf dem neuen Album „Incorruptible“ gibt es mit Jake Dreyer einen neuen Gitarristen zu hören, welcher sich aber noch nicht wirklich mit eigenen Riffs einbringen konnte. Das Album wurde fast komplett von Schaffer geschrieben und dies hört man auch.

Alle Trademarks wie die typischen galoppierenden Riffs, die vor Pathos strotzenden Refrains und die eingängigen Melodien sind noch immer sehr prägnant. Hat man das Album ein paar durch die Gehörgänge gejagt, dann merkt man, Schaffer hat sich deutlich am „The Dark Saga“ Album orientiert.

„Great Heathen Army“ fängt mit einem dramatischen Intro an, man erwartet das gleich eine Horde Orks oder Wikinger aus den Lautsprechern kriechen. Nach einiger Zeit geht dann der Song auch richtig los und tatsächlich erinnert der Song und sein Sound an „The Dark Saga“. Das macht Hoffnung, dass dieses Album nicht ganz so austauschbar ist wie sein farbloser Vorgänger „Plagues Of Babylon“. „Black Flag“ nimmt das Tempo etwas raus, der Song ist eher schwerfällig und mit dicken Riffs ausgestattet. „Raven Wing“ ist die obligatorische Hymne des Albums und dieser Song erinnert am ehesten an „The Dark Saga“. Eine kraftvolle Ballade hat die Band auch mit an Bord. „The Relic (Part 1)“ ist gelungen.

Ein abschließendes Fazit zu schreiben ist nicht so einfach. „Incorruptible“ ist ein gutes Album, vielleicht das Beste in der jüngeren Bandhistorie. Es krankt ein Wenig am Vergleich mit „The Dark Saga“, welchem sich jedes Album von Iced Earth stellen muss. Die Atmosphäre und die Klasse von Songs wie „I Died For You“ und „The Hunter“ sind momentan wohl nicht im Repertoire von Jon Schaffer.
Iced Earth Fans werden das Album trotzdem mögen!

1. Great Heathen Army
2. Black Flag
3. Raven Wing
4. The Veil
5. Seven Headed Whore
6. The Relic
7. Ghost Dance (Awaken The Ancestors)
8. Brothers
9. Defiance
10. Clear The Way (December 13th, 1862)

Iced Earth - Incorruptible (Century Media, 16.06.2017)
3.9Gesamtwertung