Es war irgendwie 2001 oder 2002 als ich in Südniedersachsen in der Provinz angetrunken zu einem Freund ins Auto gestiegen bin. Ich weiß noch, dass die Donots mit dem Pocketrock-Album in dem alten Golf 2 liefen und die gesamte Besatzung gut drauf war. „Komm, lass auf ein Festival fahren! Da bei Einbeck irgendwo in der Pampa ist heute was los“. Und so kam ich damals mit den Madsen-Brüdern und Hoerstuatz in Berührung.

Lange vor den Headlinerplätzen der großen Festivals und lange vor ständiger Medienpräsenz standen da ein paar Typen aus dem Wendland auf der Bühne. Such a Surge haben als deutsche Vertreter den Gitarren-/Rap-Crossover groß gemacht und sind bis heute meine Lieblinge in dem Bereich. Trotz der Hochphase des Anti-Atom-Widerstands im Wendland nicht ganz so politisch, aber doch schon mit der kleinen Faust in der Tasche, kamen jetzt also diese Jungs um die Ecke.

Ich weiß bis heute wie skeptisch (und betrunken) ich guckte, als da ein Typ mit Plattenspieler loslegte, um dann in lauten Gitarren zu explodieren. Die unfassbare Spielfreude und Energie dieser Band hat mich live völlig aus den Socken gehauen. Und irgendwie habe ich es auch geschafft eine CD heile mit nach Hause zu bringen, auch wenn ich mich nicht an den Rückweg erinnern konnte. Insgesamt scheint das Leben zu der Zeit ziemlich lückenhaft zu sein. Vielleicht auch besser so!

 

 

Einige Jahre später und mittlerweile an die Küste verzogen, stand ich dann (natürlich wieder angetrunken) beim Deichbrandfestival. Damals noch direkt hinter dem Elbedeich. Und da spielten dann Madsen aus dem Wendland. Und irgendwie kam mir das alles bekannt vor. Die Stimmen. Die Typen. Bisschen erwachsener und immer noch so symphatisch.

Und heute, 17 Jahre nach Veröffentlichung dieser EP, lese ich das erste Mal den Pressetext auf der Seite von Plattenmeister.de. Der Titelsong „Komm raus“ war also durch den Film „Sonnenallee“ inspiriert. Verrückt. Auf jeden Fall habe ich Sebastian Madsen das bisschen Stinkefinger zeigen komplett abgekauft. Auch wenn im Vergleich zu heute natürlich textlich deutlich Luft nach oben war, hat man beim Mitsingen schon regelmäßig den Gesichtsakrobatenpreis gewonnen. Aber wir waren ja auch jung.

 

Rein ins System und von innen aufmischen

 

Ich kann auch gar nicht genau erklären woran es lag, aber diese kleine 5-Song-EP, von der ich noch nichtmal alle Songs mochte, begleitet mich seit diesem Dorffestival in Südniedersachsen. Immer wieder kommt sie aus dem Schrank. Immer wieder zeig ich den Leuten was die drei Stooges aus dem Wendland vorher so getrieben haben. Und immer wieder erwisch ich mich selbst beim Mitsingen.

 

 

 

Bei unseren Handwritten Classics sollen wir Platten vorstellen zu denen wir etwas zu erzählen haben. Platten die uns begleiten. Platten die auf irgendeine Art besonders sind. Hallo Hoerstuatz. Ihr seid das alles gewesen und ein bisschen immer noch.

 

 

  1. Komm raus
  2. Jetzt oder nie
  3. Anders als früher
  4. Für dich
  5. Kaputtmachen

 

 

Fotos von plattenmeister.de