Hippotraktor – Stasis (Pelagic Records, 07.06.2024)

Vor bald drei Jahren haben die Belgier Hippotraktor mit „Meridian“ ein recht starkes Debütalbum veröffentlicht. Mit „Stasis“ gehen sie diesen Weg konsequent weiter. Und nicht nur inhaltlich knüpft man an den Vorgänger an. Dessen Hauptcharakter spinnt auch hier seine Rolle weiter. Eine Geschichte über die menschliche Natur in all ihren Facetten zwischen Großzügigkeit und Mitgefühl, aber auch Gier, Eifersucht und Hass.

Musikalisch setzt man zweifelsohne ebenfalls dort an, wo man mit dem ersten Anlauf aufgehört hat. Hippotraktor verknüpfen die moderne Riffgewalt von Gojira mit Meshuggah-Grooves, ergänzen das Ganze mit aber mit viel alternativem Melodienverständnis und verpacken es in latent progressive Songstrukturen, die nicht immer leicht zu durchdringen sind, aber stets genug bieten, um spannend zu sein.

Oftmals sind die Stücke von Hippotraktor ein wahres Wechselbad der Gefühle. Keifende Urgewalt trifft auf feinfühliges Musikverständnis. Mal nimmt man den Hörer mit weichem Blick an der Hand, nur um ihn kurze Zeit später in den Abgrund zu stürzen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie der Protagonist der bildreichen Texte wie von Sinnen und teils überfordert durch unsere überraschende Welt marschiert. Aber immer wieder gibt es etwas an das er sich klammern kann. Seien es der melodisch auffangende Refrain von „Echoes“, das fast schon bluesig gespielte Gitarrensolo von „Stasis“ oder flächig ausgerollte Klangteppich von „Renegade“, der aber alsbald von maschinellen Grooves das letzte bisschen Menschlichkeit beraubt wird.

Das ist nicht immer besonders einfach zu konsumieren, doch Hippotraktor beweisen stets ein gutes Händchen für nachvollziehbare Strukturen, auch wenn man insbesondere mit dem düster-harschen „Silver Tongue“ mit seinem Hang zum Lärm fast etwas übers Ziel hinausschießt. Dafür gibt es aber genügend andere Momente, die dafür entschädigen und einen in die Welt der Band eintauchen lassen.

Sieben Stücke und rund 46 Minuten werden hier geboten. Und viele davon möchte man gar nicht missen. Gutes Ding!

 

Trackliste:
1. Descent
2. Echoes
3. Silver Tongue
4. Renegade
5. The Indifferent Human Eye
6. Stasis
7. The Reckoning

 

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