Heavy Load – Riders Of The Ancient Storm (No Remorse Records, 06.10.2023)

Vor langer Zeit bestellt, hat das neue Album der legendären Schweden Heavy Load jetzt doch noch seinen Weg in unsere Redaktionshallen gefunden. Gemessen an der Zeit, in der es ruhig um die Band die Jahre davor war, ist das vielleicht zu verschmerzen. Denn zwischen dem letzten Werk „Stronger Than Evil“ und „Riders Of The Ancient Storm“ liegen ganze vierzig Jahre. Vor ein paar Sommern fand man sich für das Kultfestival Keep It True wieder zusammen, aber dass es neue Musik geben wird, war lange Zeit ungewiss. Und dann ging es doch recht schnell: eine kurze Ankündigung und – zack – war das Ding im Herbst letzten Jahres da!

Und was soll man sagen? Heavy Load tun erst mal so, als hätte es die letzten vier Jahrzehnte gar nicht gegeben und machen dort weiter, wo sie aufgehört haben. Diese Sturköpfigkeit ist irgendwie sympathisch, sorgt aber dafür, dass „Riders Of The Ancient Storm“ etwas gewöhnungsbedürftig klingt. Hier trefft Siebziger-Songwriting auf eine natürliche, bodenständige Produktion der frühen 80er, als von digitalen Techniken noch lange keine Rede war. Zwischen aufgeblähten aktuellen Tonkonstrukten ist das aber auch wieder irgendwie erfrischend, was die Band in ihrem Heimstudio erschaffen hat.

Und trotzdem fühlt man sich ziemlich schnell wohl, wenn es mit „Ride The Night“ losgeht. Straighter, rifflastiger Oldschool-Metal – eingängig und in bester Heavy-Load-Tradition hymnisch eingängig. So gefällt einem das. Mit dem heroischen stampfenden „Walhalla Warriors“ und „Raven Is Calling“ gelingt das noch weitere Male recht prächtig. Mit „Angel Dark“ versucht man das noch einmal. Aber irgendwie will das aufgrund ein paar seltsam geschlagener Haken nicht so recht funktionieren. Noch schlimmer ist das beim schleppenden Black-Sabbath-lastigen „Slave More“.

Dabei hat man die schlimmste Nummer gleich an die zweite Stelle gesetzt. „We Rock The World“ ist furchtbarer, plumper Hardrock-Schmonz mit Led-Zeppelin-Groove, welcher der Band zu keiner Sekunde steht. Dabei entschädigt zumindest das verhalten startende „Sail Away“ mit seinem aufdrehenden Refrain. Nicht zuletzt hier arbeitet man mit vielen mit Keyboard-Sounds aus der Mottenkiste, welche das kauzige Grundfeeling des Albums durchgehend unterstützen.

Sieht man es mal ganz nüchtern, ist „Riders Of The Ancient Storm“ ein durchschnittlich gutes Album einer in der truen Underground-Szene gnadenlos überhypten Band. Mit etwas mehr Zuneigung ist „Riders Of The Ancient Storm“ ein sympathisches Zurückmelden einer skandinavischen, szenegründenden Kultband, die gnadenlos ihren Stiefel durchzieht, ohne sich von irgendetwas um sie herum beeindrucken zu lassen. Und das ist doch auch mal was, wenn dabei ein paar richtig coole Songs rumkommen (was auch der Fall ist).

 

Trackliste:
1. Ride the Night
2. We Rock the World
3. Walhalla Warriors
4. Angel Dark
5. Slave No More
6. Raven Is Calling
7. Sail Away
8. Butterfly Whispering

 

3.6